International, Nato

Nato-Staaten einigen sich auf neue Verteidigungsausgaben

07.07.2023 - 18:52:12 | dpa.de

Wie viel Geld braucht es fĂŒr effektive Abschreckung und Verteidigung? Über dieses Thema wurde in der Nato lange gestritten. Kurz vor dem Gipfeltreffen in Litauen gibt es nun einen Kompromiss.

  • Jens Stoltenberg, Nato-GeneralsekretĂ€r, spricht wĂ€hrend einer Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier. - Foto: Zheng Huansong/XinHua/dpa
    Jens Stoltenberg, Nato-GeneralsekretÀr, spricht wÀhrend einer Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier. - Foto: Zheng Huansong/XinHua/dpa
  • Die Flaggen der NATO-Mitglieder wehen vor der Unterzeichnung einer gemeinsamen ErklĂ€rung zur Zusammenarbeit in strategischen Bereichen zwischen der NATO und der EU vor dem NATO-Hauptquartier. - Foto: Olivier Matthys/AP/dpa
    Die Flaggen der NATO-Mitglieder wehen vor der Unterzeichnung einer gemeinsamen ErklÀrung zur Zusammenarbeit in strategischen Bereichen zwischen der NATO und der EU vor dem NATO-Hauptquartier. - Foto: Olivier Matthys/AP/dpa
  • Strebt eine rebungslose Zusammenarbeit zwischen der Nato und den StreitkrĂ€ften der Ukraine an: Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg. - Foto: Daniel Reinhardt/dpa
    Strebt eine rebungslose Zusammenarbeit zwischen der Nato und den StreitkrÀften der Ukraine an: Nato-GeneralsekretÀr Jens Stoltenberg. - Foto: Daniel Reinhardt/dpa
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Die Nato-Staaten haben sich angesichts der Bedrohungen durch Russland auf eine VerschĂ€rfung des gemeinsamen Ziels fĂŒr die nationalen Verteidigungsausgaben verstĂ€ndigt. Die 31 BĂŒndnismitglieder wollen kĂŒnftig mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) fĂŒr Verteidigung ausgeben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus BĂŒndniskreisen nach Abschluss eines schriftlichen Beschlussverfahrens in Vorbereitung auf den Nato-Gipfel kommende Woche.

Das bisherige Ziel sah lediglich vor, dass sich alle BĂŒndnisstaaten bis 2024 dem Richtwert annĂ€hern, mindestens zwei Prozent ihres BIP fĂŒr Verteidigung auszugeben. Es war 2014 bei einem Gipfeltreffen in Wales verabschiedet worden.

Das neue Zwei-Prozent-Ziel soll nun in die ErklĂ€rung des Nato-Gipfels aufgenommen werden, der am Dienstag in der litauischen Hauptstadt Vilnius beginnt. Bei dem Spitzentreffen wird es zudem auch um die StĂ€rkung der Abschreckung gegen Russland und die weitere UnterstĂŒtzung der Ukraine gehen.

FĂŒr Deutschland und knapp 20 andere Nato-Staaten bedeutet das neue Ziel, dass sie ihre Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren erheblich erhöhen mĂŒssen. Die Bundesrepublik steigerte ihre fĂŒr die Nato relevanten Ausgaben zuletzt zwar um zehn Prozent auf rund 64 Milliarden Euro. Die Zielmarke des BĂŒndnisses wird bislang allerdings dennoch weit verfehlt. So schĂ€tzt die Nato nach aktuellen Vergleichszahlen, dass Deutschland in diesem Jahr auf eine Quote von 1,57 Prozent kommen wird.

Wie geht es weiter?

Mit Hilfe eines im Vorjahr beschlossenen Sondervermögens fĂŒr Verteidigung in Höhe von 100 Milliarden Euro soll die Zwei-Prozent-Quote nun 2024 erreicht werden. Unklar ist allerdings, wie es weitergehen soll, wenn das Sondervermögen aufgebraucht ist. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnte der Anteil am BIP bereits 2026 wieder auf unter zwei Prozent zurĂŒckfallen.

Spitzenreiter im VerhĂ€ltnis von Wirtschaftskraft und Verteidigungsausgaben waren innerhalb der Nato zuletzt die USA. Sie kommen nach am Freitag veröffentlichten SchĂ€tzungen derzeit auf eine Quote von 3,49 Prozent. Mit 860 Milliarden US-Dollar (791 Mrd Euro) plante Washington zuletzt mehr als doppelt so viel Geld fĂŒr Verteidigung ein wie alle anderen BĂŒndnisstaaten zusammen.

Neben den USA werden 2023 nach den jĂŒngsten Nato-SchĂ€tzungen nur Großbritannien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Polen, Litauen, Estland, Lettland, RumĂ€nien und die Slowakei das Zwei-Prozent-Ziel erreichen.

Was sagt die BIP-Quote ĂŒber LeistungsfĂ€higkeit aus?

Die Bundesregierung hatte sich in der Diskussion um das neue Ziel lang darum bemĂŒht, die Vorgaben so vage wie möglich zu halten. Dabei wurde argumentiert, dass die BIP-Quote nur wenig ĂŒber die LeistungsfĂ€higkeit von StreitkrĂ€ften aussage und Nato-Ziele etwa fĂŒr militĂ€rische FĂ€higkeiten und ihre Einhaltung deutlich wichtiger und aussagekrĂ€ftiger seien. Als ein Beleg dafĂŒr wird genannt, dass die Quote nicht fĂ€llt, wenn ein Land bei einem RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung seine Verteidigungsausgaben entsprechend kĂŒrzt.

Zuletzt stimmte die Bundesregierung dann aber zumindest zu, die zwei Prozent als Minimum-Ziel festzulegen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) betonte zuletzt auch öffentlich immer wieder, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben dauerhaft auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben werde.

Vor allem die baltischen LĂ€nder und Polen hatten sich in der Diskussion ĂŒber das neue Ziel fĂŒr eine deutlich anspruchsvollere Selbstverpflichtung ausgesprochen. So forderte der der estnische Minister Hanno Pevkur zuletzt eine Zielvorgabe von 2,5 Prozent.

Besonders hart war der Streit ĂŒber die Verteidigungsausgaben in der Nato wĂ€hrend der Amtszeit von US-PrĂ€sident Donald Trump gefĂŒhrt worden. Dieser hatte europĂ€ischen Alliierten wie Deutschland wegen ihrer vergleichsweise niedrigen Ausgaben eine Trittbrettfahrer-Einstellung vorgeworfen und zeitweise sogar mit einem Austritt der USA aus dem BĂŒndnis gedroht.

Trump dĂŒrfte auch das neue Zwei-Prozent-Ziel als unzureichend bewerten. Nach Angaben von Diplomaten verpflichten sich die Staaten mit bislang noch niedrigen Quoten nĂ€mlich nicht, bereits ab dem kommenden Jahr mindestens zwei Prozent des BIP fĂŒr Verteidigung auszugeben. So dĂŒrfte bei LĂ€ndern wie Kanada, Spanien, Luxemburg oder Belgien das Erreichen der Zielmarke noch etliche Jahre dauern.

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