Deutschland und Kirgistan wollen Beziehungen vertiefen
22.06.2023 - 14:49:37Deutschland und Kirgistan wollen ihre Beziehungen vertiefen und insbesondere wirtschaftlich enger zusammenarbeiten. Das gaben BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier und sein Amtskollege Sadyr Schaparow nach einem GesprÀch in der Hauptstadt Bischkek bekannt.
«Deutschland will erst recht in diesen angespannten Zeiten, in denen wir leben, mehr und engere Partnerschaft mit den Staaten Zentralasiens», sagte Steinmeier. Schaparow erklĂ€rte, zwischen beiden LĂ€ndern gebe es ein «sehr groĂes unrealisiertes Potenzial der bilateralen Zusammenarbeit».
Schaparow Ă€uĂerte die Hoffnung auf mehr deutsche Investitionen und auf Technologietransfer in sein Land. Die Wirtschaftsbeziehungen hĂ€tten «ohne Zweifel groĂes Potenzial», sagte auch Steinmeier. Er wies aber darauf hin, dass Unternehmen nach guten Rahmenbedingungen schauten. «Dazu gehören auch demokratische und rechtsstaatliche Standards.» Er werde in Deutschland Schaparows Aussage weitergeben, dass die BekĂ€mpfung der Korruption und die dazu nötige Ausgestaltung von Justiz- und Strafverfolgungsbehörden zu seinen PrioritĂ€ten gehörten.
Der Handel zwischen Deutschland und Kirgistan hat bisher ein niedriges Niveau. Nach Angaben der Gesellschaft Germany Trade & Invest importierte Deutschland 2021 Waren im Wert von rund 20 Millionen Euro und exportierte GĂŒter fĂŒr knapp 49 Millionen Euro. Die InvestitionstĂ€tigkeit deutscher Unternehmen ist gering. Kirgistan ist aber fĂŒr Deutschland wegen seiner Rohstoffe interessant. So gibt es groĂe Vorkommen an Seltenen Erden und an Gold. Kirgistan wird autoritĂ€r regiert. Menschenrechtsorganisationen kritisieren Defizite etwa bei der Pressefreiheit.
BundesprÀsident bittet um Einflussnahme auf Afgahnistan
Steinmeier appellierte an die FĂŒhrung Kirgistans, mit ihren Einflussmöglichkeiten auf eine Verbesserung der Situation in Afghanistan hinzuwirken. «Die derzeitige Lage in Afghanistan unter den Taliban ist nicht hinnehmbar.» Das gelte insbesondere fĂŒr die systematische UnterdrĂŒckung von Frauen und MĂ€dchen sowie die humanitĂ€re Notlage von groĂen Teilen der Bevölkerung. «Ich habe darum gebeten, Kontakte und EinflĂŒsse, die man hier in Kirgisistan nach Afghanistan hat, auch zu nutzen.»
Steinmeier zeigte VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass sich Kirgistan bei den Abstimmungen in der UN-Generalversammlung zum Ukraine-Krieg enthalten hat. Deutschland sehe das besondere VerhĂ€ltnis zu Russland, zu dem Kirgistan viele historische, wirtschaftliche, sicherheitspolitische, kulturelle und menschliche Verbindungen habe. «Vor diesem Hintergrund verstehen wir das Abstimmungsverhalten auch nicht als ein Signal, dass Kirgisistan die Anwendung militĂ€rischer Gefahr rechtfertigt.»
Steinmeier mit Erwartung in Sachen Russland-Sanktionen
Der BundesprĂ€sident mahnte aber die Einhaltung der gegen Russland verhĂ€ngten Sanktionen an. Zwar sei es fĂŒr die LĂ€nder der Eurasischen Wirtschaftsunion schwieriger, den Transport von Waren und GĂŒtern ĂŒber die Grenze zu verfolgen. «Gleichwohl haben wir die Erwartung, dass in engster Zusammenarbeit mit den ZustĂ€ndigen der EuropĂ€ischen Union hier Möglichkeiten gefunden werden und da, wo Sanktionsumgehungen stattfinden, sie vermieden werden in Zukunft.»
Die von Russland dominierte Eurasische Wirtschaftsunion ist ein Zusammenschluss von Staaten ohne Zollgrenzen nach dem Muster der EU.


