#COP30, Deutschland

Klimagipfel streitet ĂŒber Aus fĂŒr Öl, Gas und Kohle

22.11.2025 - 03:37:32 | dpa.de

Wortgefechte, Brandbriefe und Proteste: Die Klimakonferenz in Belém steht auf der Kippe. Bringt die VerlÀngerung noch den Durchbruch?

  • Auch Klimaaktivisten fordern ein Aus fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger. - Foto: Joshua A. Bickel/AP/dpa
  • Auch Indigene demonstrierten auf dem TagungsgelĂ€nde. - Foto: Andre Penner/AP/dpa
  • Der COP-PrĂ€sident Correa do Lago eilte von Meeting zu Meeting. - Foto: Torsten Holz/-/dpa
Auch Klimaaktivisten fordern ein Aus fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger. - Foto: Joshua A. Bickel/AP/dpa Auch Indigene demonstrierten auf dem TagungsgelĂ€nde. - Foto: Andre Penner/AP/dpa Der COP-PrĂ€sident Correa do Lago eilte von Meeting zu Meeting. - Foto: Torsten Holz/-/dpa

Wegen eines heftigen Streits um einen Fahrplan zur Abkehr von Öl, Gas und Kohle ist die Weltklimakonferenz in die VerlĂ€ngerung gegangen. Deutschland und eine breite Allianz anderer Staaten fordern mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz, wĂ€hrend Ă€rmere LĂ€nder nach mehr Geld fĂŒr die Anpassung an die Erderhitzung rufen. 

Ob Treffen in großer Runde oder intensive Besprechungen im kleinen Kreis – nichts brachte den Durchbruch beim Treffen von etwa 200 Staaten im brasilianischen BelĂ©m. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres mahnte, die Menschen weltweit schauten zu. «Sie haben genug Ausreden gehört. Sie fordern Ergebnisse.»

Die zweiwöchigen Beratungen hÀtten offiziell um 18.00 Uhr Ortszeit (22.00 MEZ) am Freitag enden sollen. Auch in den vergangenen Jahren wurden die Treffen aber stets um Stunden oder gar Tage verlÀngert. 

Der brasilianische PrĂ€sident der Weltklimakonferenz, AndrĂ© CorrĂȘa do Lago, betonte, es gehe nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern um einen Konsens fast aller Staaten der Erde, was einen Wert an sich habe. «Die Welt schaut auf uns», sagte er. Gelinge keine Einigung, spiele das den Gegnern des Multilateralismus, also der internationalen Zusammenarbeit, in die HĂ€nde. AusdrĂŒcklich erwĂ€hnte er in diesem Zusammenhang die USA, die der Konferenz ferngeblieben waren.

Ein Brandbrief und harte Ansagen

Deutschland und Dutzende weitere LĂ€nder waren mit harten Ansagen und einem Brandbrief in die Endphase des Klimagipfels gestartet. Nötig sei ein klarer Fahrplan zur Abkehr von der klimaschĂ€dlichen Verbrennung von Öl, Gas und Kohle, heißt es in dem von der Bundesregierung unterstĂŒtzten Schreiben an die brasilianische Konferenzleitung. «Wir können kein Ergebnis unterstĂŒtzen, das keinen Fahrplan enthĂ€lt fĂŒr eine geordnete und gerechte Abkehr von fossilen Brennstoffen.»

Ein Textentwurf fĂŒr mögliche BeschlĂŒsse, den die brasilianische PrĂ€sidentschaft am Freitagmorgen veröffentlicht hatte, sorgte fĂŒr viel Unmut. Deutschland, die EU und andere kĂŒndigten an, das Papier auf keinen Fall zu akzeptieren. Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte schon Stunden vor der VerlĂ€ngerung der Konferenz, es seien «noch harte Verhandlungen» zu erwarten.

Der Oxfam-Experte Jan Kowalzig sagte, Indien und China mĂŒssten von der Idee eines Plans zum Ausstieg aus den fossilen EnergietrĂ€gern, auf der COP30 Roadmap genannt, ĂŒberzeugt werden. Außerdem gelte es, reiche Ölstaaten wie Saudi-Arabien zu isolieren, «so dass diese nicht mehr im Weg stehen können». Sie haben eine Blockademacht, weil einstimmige Entscheidungen nötig sind.

Was Àrmere Staaten umtreibt

Ärmere Staaten und SchwellenlĂ€nder verweisen auf die Verantwortung der IndustrielĂ€nder als Hauptverursacher der aktuellen ErderwĂ€rmung. Sie fĂŒrchten, dass zu viel Tempo beim Klimaschutz ihre Chancen auf wirtschaftliche Entwicklung beeintrĂ€chtigt. ÖlförderlĂ€nder wollen hingegen ihr GeschĂ€ftsmodell sichern.

EntwicklungslĂ€nder fordern unter anderem, dass die Industriestaaten ihre staatlichen Klimahilfen zur Anpassung an die Folgen der Erderhitzung deutlich erhöhen. Ein Vorschlag ist eine Verdreifachung bis 2030 auf mindestens 120 Milliarden US-Dollar (aktuell 104 Milliarden Euro) pro Jahr. Bei den Folgen geht es unter anderem um heftigere und hĂ€ufigere StĂŒrme, DĂŒrren, WaldbrĂ€nde und Überschwemmungen. 

Finanzbedarf zur Anpassung an Klimawandel gigantisch

Entwicklungsstaaten sind in den vergangenen 30 Jahren am verheerendsten von Wetterextremen wie Hitzewellen, StĂŒrmen und Überflutungen getroffen worden. Dies zeigt der Klimarisiko-Index 2026 der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. 

Um sich der Klimakrise so gut es geht anzupassen, ist der Bedarf gigantisch. Der neue UN-Report zur «AnpassungslĂŒcke» zeigt, dass EntwicklungslĂ€nder bis 2035 jĂ€hrlich mindestens 310 Milliarden US-Dollar dafĂŒr brauchen – das Zwölffache der derzeitigen internationalen öffentlichen Finanzmittel. 

Die Zeit drÀngt 

Die Zeit in BelĂ©m wird nun knapp, denn viele Delegierte haben am Wochenende FlĂŒge nach Hause und mĂŒssen ihre UnterkĂŒnfte verlassen. Auch Kreuzfahrtschiffe, die als zusĂ€tzliche Schlafmöglichkeiten in BelĂ©m genutzt wurden, sollten die Stadt im Amazonasgebiet wieder verlassen. 

Eine Einigung in Brasilien ist angesichts der eskalierenden Klimakrise Experten zufolge dringend nötig. Beim Verbrennen von Öl, Gas und Kohle entstehen die meisten klimaschĂ€dlichen Treibhausgase, so dass sich der Planet immer mehr aufheizt. Die zehn wĂ€rmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren die vergangenen zehn. Inzwischen geht die Wissenschaft davon aus, dass die im Pariser Klimaabkommen angestrebte 1,5-Grad-Grenze spĂ€testens zu Beginn der 2030er Jahre befristet ĂŒberschritten wird.

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