Klimagipfel streitet ĂŒber Aus fĂŒr Ăl, Gas und Kohle
22.11.2025 - 03:37:32 | dpa.deWegen eines heftigen Streits um einen Fahrplan zur Abkehr von Ăl, Gas und Kohle ist die Weltklimakonferenz in die VerlĂ€ngerung gegangen. Deutschland und eine breite Allianz anderer Staaten fordern mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz, wĂ€hrend Ă€rmere LĂ€nder nach mehr Geld fĂŒr die Anpassung an die Erderhitzung rufen.Â
Ob Treffen in groĂer Runde oder intensive Besprechungen im kleinen Kreis â nichts brachte den Durchbruch beim Treffen von etwa 200 Staaten im brasilianischen BelĂ©m. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres mahnte, die Menschen weltweit schauten zu. «Sie haben genug Ausreden gehört. Sie fordern Ergebnisse.»
Die zweiwöchigen Beratungen hĂ€tten offiziell um 18.00 Uhr Ortszeit (22.00 MEZ) am Freitag enden sollen. Auch in den vergangenen Jahren wurden die Treffen aber stets um Stunden oder gar Tage verlĂ€ngert.Â
Der brasilianische PrĂ€sident der Weltklimakonferenz, AndrĂ© CorrĂȘa do Lago, betonte, es gehe nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern um einen Konsens fast aller Staaten der Erde, was einen Wert an sich habe. «Die Welt schaut auf uns», sagte er. Gelinge keine Einigung, spiele das den Gegnern des Multilateralismus, also der internationalen Zusammenarbeit, in die HĂ€nde. AusdrĂŒcklich erwĂ€hnte er in diesem Zusammenhang die USA, die der Konferenz ferngeblieben waren.
Ein Brandbrief und harte Ansagen
Deutschland und Dutzende weitere LĂ€nder waren mit harten Ansagen und einem Brandbrief in die Endphase des Klimagipfels gestartet. Nötig sei ein klarer Fahrplan zur Abkehr von der klimaschĂ€dlichen Verbrennung von Ăl, Gas und Kohle, heiĂt es in dem von der Bundesregierung unterstĂŒtzten Schreiben an die brasilianische Konferenzleitung. «Wir können kein Ergebnis unterstĂŒtzen, das keinen Fahrplan enthĂ€lt fĂŒr eine geordnete und gerechte Abkehr von fossilen Brennstoffen.»
Ein Textentwurf fĂŒr mögliche BeschlĂŒsse, den die brasilianische PrĂ€sidentschaft am Freitagmorgen veröffentlicht hatte, sorgte fĂŒr viel Unmut. Deutschland, die EU und andere kĂŒndigten an, das Papier auf keinen Fall zu akzeptieren. Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte schon Stunden vor der VerlĂ€ngerung der Konferenz, es seien «noch harte Verhandlungen» zu erwarten.
Der Oxfam-Experte Jan Kowalzig sagte, Indien und China mĂŒssten von der Idee eines Plans zum Ausstieg aus den fossilen EnergietrĂ€gern, auf der COP30 Roadmap genannt, ĂŒberzeugt werden. AuĂerdem gelte es, reiche Ălstaaten wie Saudi-Arabien zu isolieren, «so dass diese nicht mehr im Weg stehen können». Sie haben eine Blockademacht, weil einstimmige Entscheidungen nötig sind.
Was Àrmere Staaten umtreibt
Ărmere Staaten und SchwellenlĂ€nder verweisen auf die Verantwortung der IndustrielĂ€nder als Hauptverursacher der aktuellen ErderwĂ€rmung. Sie fĂŒrchten, dass zu viel Tempo beim Klimaschutz ihre Chancen auf wirtschaftliche Entwicklung beeintrĂ€chtigt. ĂlförderlĂ€nder wollen hingegen ihr GeschĂ€ftsmodell sichern.
EntwicklungslĂ€nder fordern unter anderem, dass die Industriestaaten ihre staatlichen Klimahilfen zur Anpassung an die Folgen der Erderhitzung deutlich erhöhen. Ein Vorschlag ist eine Verdreifachung bis 2030 auf mindestens 120 Milliarden US-Dollar (aktuell 104 Milliarden Euro) pro Jahr. Bei den Folgen geht es unter anderem um heftigere und hĂ€ufigere StĂŒrme, DĂŒrren, WaldbrĂ€nde und Ăberschwemmungen.Â
Finanzbedarf zur Anpassung an Klimawandel gigantisch
Entwicklungsstaaten sind in den vergangenen 30 Jahren am verheerendsten von Wetterextremen wie Hitzewellen, StĂŒrmen und Ăberflutungen getroffen worden. Dies zeigt der Klimarisiko-Index 2026 der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.Â
Um sich der Klimakrise so gut es geht anzupassen, ist der Bedarf gigantisch. Der neue UN-Report zur «AnpassungslĂŒcke» zeigt, dass EntwicklungslĂ€nder bis 2035 jĂ€hrlich mindestens 310 Milliarden US-Dollar dafĂŒr brauchen â das Zwölffache der derzeitigen internationalen öffentlichen Finanzmittel.Â
Die Zeit drĂ€ngtÂ
Die Zeit in BelĂ©m wird nun knapp, denn viele Delegierte haben am Wochenende FlĂŒge nach Hause und mĂŒssen ihre UnterkĂŒnfte verlassen. Auch Kreuzfahrtschiffe, die als zusĂ€tzliche Schlafmöglichkeiten in BelĂ©m genutzt wurden, sollten die Stadt im Amazonasgebiet wieder verlassen.Â
Eine Einigung in Brasilien ist angesichts der eskalierenden Klimakrise Experten zufolge dringend nötig. Beim Verbrennen von Ăl, Gas und Kohle entstehen die meisten klimaschĂ€dlichen Treibhausgase, so dass sich der Planet immer mehr aufheizt. Die zehn wĂ€rmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren die vergangenen zehn. Inzwischen geht die Wissenschaft davon aus, dass die im Pariser Klimaabkommen angestrebte 1,5-Grad-Grenze spĂ€testens zu Beginn der 2030er Jahre befristet ĂŒberschritten wird.
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