SĂŒdkoreas, PrĂ€sident

SĂŒdkoreas suspendierter PrĂ€sident erklĂ€rt sich vor Gericht

21.01.2025 - 12:05:28

Yoon Suk Yeol ist in seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Staatskrise am Verfassungsgericht erschienen. Dort verteidigt er seine kontroverse Kriegsrechtsentscheidung.

  • AnhĂ€nger Yoons demonstrierten in der NĂ€he des Verfassungsgerichts. - Foto: Lee Jin-man/AP/dpa

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  • Yoon bestritt den zentralen Vorwurf, er habe dem MilitĂ€r wĂ€hrend der Nacht des 3. Dezembers befohlen, Abgeordnete aus dem Parlament zu zerren, um eine Abstimmung gegen sein Kriegsrechtsdekret zu verhindern. - Foto: Kim Hong-Ji/Pool Reuters/AP/dpa

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AnhÀnger Yoons demonstrierten in der NÀhe des Verfassungsgerichts. - Foto: Lee Jin-man/AP/dpaYoon bestritt den zentralen Vorwurf, er habe dem MilitÀr wÀhrend der Nacht des 3. Dezembers befohlen, Abgeordnete aus dem Parlament zu zerren, um eine Abstimmung gegen sein Kriegsrechtsdekret zu verhindern. - Foto: Kim Hong-Ji/Pool Reuters/AP/dpa

SĂŒdkoreas suspendierter PrĂ€sident Yoon Suk Yeol hat sich in seinem Amtsenthebungsverfahren vor dem Verfassungsgericht des Landes verteidigt. Er wies bei seinem ersten Auftritt in dem Verfahren Kritik an seiner umstrittenen Kriegsrechtsentscheidung zurĂŒck. Anfang Dezember hatte der 64-JĂ€hrige kurzzeitig das Kriegsrecht ausgerufen und sein Land damit in eine tiefe Staatskrise gestĂŒrzt.

Nun bestritt Yoon den zentralen Vorwurf, er habe dem MilitÀr wÀhrend der Nacht des 3. Dezembers befohlen, Abgeordnete aus dem Parlament zu zerren, um eine Abstimmung gegen sein Kriegsrechtsdekret zu verhindern. Damit widerspricht Yoon den Aussagen mehrerer MilitÀrbefehlshaber, der suspendierte PrÀsident habe die Festnahme von einzelnen Parlamentariern befohlen.

WĂ€hrend der Anhörung argumentierte Yoon, dass er niemals die Absicht gehabt habe, das Kriegsrechtsdekret konkret umzusetzen und die Nationalversammlung aufzulösen. Das Dekret habe lediglich darauf abgezielt, «illegale Handlungen der Nationalversammlung zu verbieten», zitierte SĂŒdkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap einen von Yoons AnwĂ€lten. In der Vergangenheit hatte Yoon Suk Yeol mehrfach behauptet, mit dem VerhĂ€ngen des Kriegsrechts die Nation vor angeblich «staatsfeindlichen KrĂ€ften» in der Opposition zu schĂŒtzen.

«Seit meiner Kindheit habe ich bis heute mit einem festen Glauben an die liberale Demokratie gelebt, insbesondere wĂ€hrend meiner Zeit im öffentlichen Dienst», sagte Yoon zum Auftakt des Gerichtstermins, zu dem der ehemalige Staatsanwalt in dunklem Anzug und mit roter Krawatte erschien. SĂŒdkoreanische Medien hatten zuvor darĂŒber spekuliert, ob Yoon, der sich seit knapp einer Woche in Untersuchungshaft befindet, seine GefĂ€ngniskleidung tragen mĂŒsse. 

Bereits im Dezember hatten die Abgeordneten in der sĂŒdkoreanischen Nationalversammlung fĂŒr Yoons Amtsenthebung gestimmt. Derzeit prĂŒft das Verfassungsgericht in Seoul die Entscheidung. Ein Urteil wird in den nĂ€chsten Wochen erwartet. Sollten die Richter Yoon Suk Yeols Amtsenthebung bestĂ€tigen, mĂŒsste innerhalb von 60 Tagen eine Neuwahl stattfinden.

Yoon soll in ein MilitÀrkrankenhaus gebracht worden sein

Ein Großaufgebot der Polizei riegelte das GelĂ€nde rund um das Verfassungsgericht weitrĂ€umig ab. Tausende BefĂŒrworter Yoon Suk Yeols versammelten sich, um ihren PrĂ€sidenten lautstark anzufeuern.

Es war das erste Mal in der Geschichte SĂŒdkoreas, dass ein PrĂ€sident persönlich zu einem Amtsenthebungsverfahren erschien. In vorherigen Amtsenthebungsverfahren ließen sich die ehemaligen PrĂ€sidenten Park Geun Hye und Roh Moo Hyeon stets durch AnwĂ€lte vertreten.

Nach der Anhörung wurde Yoon Suk Yeol nicht wie erwartet zurĂŒck in seine GefĂ€ngniszelle gebracht. Stattdessen soll Yoon zu einem MilitĂ€rkrankenhaus gefahren worden sein, wie SĂŒdkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf informierte Quellen berichtete. Die genauen GrĂŒnde seien bislang nicht bekannt.

Seit vergangener Woche in Untersuchungshaft

Am Mittwoch wurde Yoon Suk Yeol von Fahndern der Korruptionsermittlungsbehörde fĂŒr hochrangige Beamte (CIO) in seinem Wohnsitz in Seoul festgenommen. Dort hatte sich der suspendierte PrĂ€sident zuvor mehrere Wochen lang verbarrikadiert und mit Hilfe seines prĂ€sidialen Sicherheitsdienstes gegen eine Verhaftung gewehrt. Seither sitzt Yoon in einem UntersuchungsgefĂ€ngnis sĂŒdlich von Seoul, wo er zuletzt in eine Einzelzelle transferiert wurde. 

Die Fahnder der CIO ermitteln derzeit, ob Yoon sich mit dem kurzzeitigen VerhÀngen des Kriegsrechts schuldig gemacht hat, einen Aufruhr anzetteln zu wollen. Im Falle eines Schuldspruchs droht dem suspendierten PrÀsidenten eine langjÀhrige Haftstrafe.

@ dpa.de