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Israels Armee nimmt Finanzstruktur der Hisbollah ins Visier

21.10.2024 - 04:36:55

Ziel erneuter israelischer Angriffe im Libanon sind diesmal GebĂ€ude des Finanzinstituts der Hisbollah. Derweil bemĂŒht sich Israels wichtigster VerbĂŒndeter USA um eine Deeskalation.

  • Die Armee nimmt ein neues Ziel ins Visier: GebĂ€ude der «Bank der Hisbollah». - Foto: Hussein Malla/AP/dpa

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  • US-Vermittler Hochstein will sich um eine Deeskalation im Libanon bemĂŒhen. (Archivbild) - Foto: Marwan Naamani/ZUMA Press Wire/dpa

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Die Armee nimmt ein neues Ziel ins Visier: GebĂ€ude der «Bank der Hisbollah». - Foto: Hussein Malla/AP/dpaUS-Vermittler Hochstein will sich um eine Deeskalation im Libanon bemĂŒhen. (Archivbild) - Foto: Marwan Naamani/ZUMA Press Wire/dpa

Israels MilitĂ€r weitet den Krieg im Libanon auf Finanzeinrichtungen der proiranischen Hisbollah aus, die ein wichtiger Machtpfeiler der Schiiten-Miliz sind. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete am Abend von erneut heftigen Luftangriffen in den als Dahija bekannten Vororten der Hauptstadt Beirut und anderen Landesteilen. Ins Visier gerieten diesmal auch Zweigstellen der Vereinigung Al-Kard Al-Hassan, einer Art Bank der Hisbollah. Unterdessen wird heute US-Vermittler Amos Hochstein im Libanon erwartet, der sich um eine Deeskalation zwischen der Miliz und Israel bemĂŒht.

Armee: Werden Irans Finanzierung der Hisbollah aufdecken

«In den kommenden Tagen werden wir aufdecken, wie der Iran die terroristischen AktivitÀten der Hisbollah finanziert, indem er zivile Einrichtungen, VerbÀnde und Nichtregierungsorganisationen nutzt», sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Abend. Er forderte alle Menschen in der NÀhe von Standorten des Hisbollah-Finanzinstituts in Beirut sowie anderen Landesteilen auf, sich umgehend von dort zu entfernen.

Kurz darauf schlug die Luftwaffe los. Die libanesische NNA meldete mindestens elf aufeinanderfolgende Angriffe in Beiruts Vororten. Auch ein GebĂ€ude in unmittelbarer NĂ€he des einzigen internationalen Flughafens im Land sei getroffen worden. Auf Bildern in sozialen Medien war zu sehen, wie dunkle Rauchwolken vor den Landebahnen sĂŒdlich von Beirut in den Himmel stiegen.

Das Hauptziel der Angriffe auf die Al-Kard Al-Hassan bestehe darin, «das Vertrauen zwischen der Hisbollah und einem großen Teil der schiitischen Gemeinschaft zu erschĂŒttern, die diese Vereinigung als Bankensystem nutzt», zitierte das «Wall Street Journal» einen israelischen Geheimdienstmitarbeiter. Einem Bericht des US-Finanzministeriums aus dem Jahr 2021 zufolge fungiert die Vereinigung unter dem Deckmantel einer Nichtregierungsorganisation (NGO) wie eine Bank der Hisbollah, die ohne Zulassung und behördliche Aufsicht Bankautomaten betreibt und Kredite vergibt.

Israels Armee zerstört Wohnviertel und Dörfer im Libanon

Zweck des Angriffs sei, die Hisbollah so zu treffen, dass sie auch nach dem Krieg nicht mehr in der Lage ist, sich wieder aufzubauen und neu zu bewaffnen, sagte ein ranghoher israelischer MilitÀrbeamter der Zeitung vor Beginn der nÀchtlichen Angriffe, als sich in den Filialen des Finanzinstituts wahrscheinlich niemand aufhielt. Bislang hatte sich Israels Offensive im Libanon nach Angaben der Armee auf die militÀrische Infrastruktur der Hisbollah konzentriert, obwohl auch WohngebÀude zerstört und kommunale sowie andere zivile Infrastruktur getroffen wurde. 

Die Hisbollah hat im Libanon Zehntausende Gefolgsleute, mit denen sie vor allem den SĂŒden an der Grenze zu Israel, von Schiiten bewohnte Viertel Beiruts sowie die Bekaa-Ebene im Norden des Landes kontrolliert. Gleichzeitig gilt die Miliz als starke politische Macht im kurz vor dem Kollaps stehenden Libanon. Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Die SchĂ€den infolge der andauernden israelischen Angriffe sind massiv. Im SĂŒden des Landes zerstörte Israels Armee laut libanesischen Sicherheitskreisen mehrere Orte fast komplett. Ganze Wohngebiete in Beiruts Vororten liegen Augenzeugen zufolge in Schutt und Asche. 

Nur noch Teile von GebĂ€uden ĂŒbrig

Israels Angriffe gelten zwar der Hisbollah-Miliz, die seit gut einem Jahr tĂ€glich Raketen auf den Nachbarn Israel feuert. Doch unter dem Krieg leidet vor allem die Zivilbevölkerung. In den Vierteln am sĂŒdlichen Stadtrand von Beirut, die als Hochburgen der Hisbollah-Miliz gelten, seien nur noch Reste von GebĂ€uden ĂŒbrig, berichtete eine dpa-Reporterin. Auch die libanesische Armee, die sich in dem Konflikt eigentlich neutral verhĂ€lt, vermeldet Verluste. 

Die israelische Armee berichtete ihrerseits, fĂŒnf Soldaten seien im SĂŒdlibanon bei einem Gefecht getötet worden. Die Hisbollah feuerte im Laufe des Tages nach israelischen Angaben erneut etwa 200 Raketen auf den jĂŒdischen Staat ab. Auch in der Nacht heulten im Norden Israels wieder die Warnsirenen, wie das MilitĂ€r auf Telegram mitteilte. Nachdem auch im Jordantal Sirenen schrillten, sei eine von Osten her nach Israel vorgedrungene Drohne abgefangen worden, hieß es am frĂŒhen Morgen. Zuvor sei eine aus dem Irak abgefeuerte Drohne ĂŒber Syrien abgeschossen worden. Nach einem der Hisbollah zugeschriebenen Drohnenangriff im KĂŒstenort Caesarea, der laut Israels Regierung MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu gegolten hatte, kĂŒndigte dieser weitere SchlĂ€ge gegen Israels Feinde an.

US-Vermittler zu GesprÀchen im Libanon 

US-Vermittler Hochstein fĂŒhrt heute in Beirut GesprĂ€che mit dem geschĂ€ftsfĂŒhrenden MinisterprĂ€sidenten des Libanons, Nadschib Mikati, und dem Parlamentssprecher und Hisbollah-VerbĂŒndeten Nabih Berri, wie Regierungskreise der dpa bestĂ€tigten. Seit der ersten Wahl nach Ende des BĂŒrgerkriegs 1992 ist die Hisbollah, die politisch und militĂ€risch vom Iran unterstĂŒtzt wird, im Parlament vertreten. Sie engagiert sich karitativ, besitzt aber auch einen militĂ€rischen Arm, dem nach SchĂ€tzungen Zehntausende KĂ€mpfer angehören. Dieser wird von der EuropĂ€ischen Union als Terrororganisation eingestuft. In Deutschland gilt seit 2020 ein BetĂ€tigungsverbot fĂŒr die gesamte Hisbollah.

Hochstein bemĂŒht sich schon seit Monaten um eine Deeskalation zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel. Auch US-Außenminister Antony Blinken wird nach Angaben von VizeprĂ€sidentin Kamala Harris in den kommenden Tagen zu GesprĂ€chen mit den Konfliktparteien in den Nahen Osten reisen. «Wir brauchen ein Ende des Krieges», sagte Harris in einem TV-Interview. Medienberichten zufolge wird Blinken am Dienstag in Israel erwartet. 

Auch US-Außenminister Blinken reist erneut in den Nahen Osten

«Die Zahl der unschuldigen PalĂ€stinenser, die im Gazastreifen getötet wurden, ist wirklich unerhört, und wir mĂŒssen da ehrlich sein», fĂŒgte Harris hinzu. Gleichzeitig werde sie immer fĂŒr Israels Recht auf Selbstverteidigung eintreten.

Auslöser des Gaza-Krieges war der TerrorĂŒberfall der Hamas und anderer extremistischer Islamisten auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen getötet und 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. In der Folge des Krieges eskalierten auch die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah.

@ dpa.de