Macron, Freundschaft

Macron will die deutsch-französische Freundschaft stÀrken

26.05.2024 - 16:47:00

Zu Arbeitsbesuchen sind französische PrÀsidenten hÀufig in Berlin. Der letzte Staatsbesuch mit allem Drum und Dran ist aber fast ein Vierteljahrhundert her. Jetzt klappt er im zweiten Anlauf.

Zum Auftakt des ersten Staatsbesuchs eines französischen PrĂ€sidenten in Deutschland seit 24 Jahren haben Emmanuel Macron und BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft fĂŒr Europa beschworen. Die Zusammenarbeit beider LĂ€nder sei «unabdingbar und wichtig», sagte Macron nach seiner Ankunft mit seiner Frau Brigitte in Berlin. Er widersprach dem Eindruck, dass der deutsch-französische Motor ins Stottern geraten sei: «Das stimmt nicht. Wir schreiten voran.»

Steinmeier sagte, die deutsch-französische Freundschaft sei «existenziell fĂŒr unsere LĂ€nder, auch fĂŒr Europa». Es habe zwar immer wieder Kritik an Meinungsverschiedenheiten gegeben. «Aber bis in die letzten Tage hinein gibt es doch genĂŒgend Belege dafĂŒr, dass wir uns trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte am Ende einigen», sagte der BundesprĂ€sident. «Diese Zeiten fordern das Beste in uns heraus, und das Beste in uns ist das Gemeinsame.»

Steinmeier und Macron sicherten der von Russland angegriffenen Ukraine anhaltende UnterstĂŒtzung zu und riefen gemeinsam auf, Anfang Juni an der Europawahl teilzunehmen. Macron warnte aber auch eindringlich vor der Wahl extrem rechter Parteien. Wenn diese Parteien in den letzten Jahren am Ruder gewesen wĂ€ren, «dann gĂ€be es kein Europa mehr».

«Dieser Staatsbesuch (...) erfolgt zu einem entscheidenden Moment fĂŒr Europa», betonte Macron. «Wir mĂŒssen im Grunde imperialistischem Streben in Europa, einer RĂŒckkehr der Gewalt und der Rechtslosigkeit, und beispiellosen Herausforderungen fĂŒr unsere Zukunft die Stirn bieten». Dies setze «in gewisser Weise einen deutsch-französischen Schub voraus».

Auch Merkel beim Staatsbankett

Zum Auftakt des dreitĂ€gigen Besuchs besuchten die beiden zunĂ€chst gemeinsam das Demokratiefest im Regierungsviertel zur Feier von 75 Jahren Grundgesetz. Anschließend wurde Macron von Steinmeier vor dem Schloss Bellevue offiziell mit militĂ€rischen Ehren empfangen. FĂŒr den Abend ist ein Staatsbankett geplant, zu dem auch die frĂŒhere Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Kultur erwartet wird. Auf dem Speiseplan stehen Sauerbraten und Beelitzer Spargel.

Morgen will Macron eine Europa-Rede vor der Frauenkirche in Dresden halten und am Dienstag wird er in MĂŒnster mit dem Internationalen Preis des WestfĂ€lischen Friedens geehrt - bevor er auf Schloss Meseberg bei Berlin mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) und mehreren Mitgliedern beider Regierungen zusammenkommt. Dabei soll es um die europĂ€ische Verteidigung und die Wettbewerbspolitik gehen.

Im ersten Anlauf hatte es nicht geklappt

Französische PrĂ€sidenten kommen zwar recht hĂ€ufig zu politischen GesprĂ€chen nach Berlin. Den letzten formellen Staatsbesuch hatte aber PrĂ€sident Jacques Chirac im Jahr 2000 absolviert. Ein Staatsbesuch dauert anders als ein Arbeitsbesuch immer mehrere Tage und folgt einem festgelegten Protokoll, zu dem beispielsweise ein Staatsbankett und der Besuch an mindestens einem Ort außerhalb der Hauptstadt gehört. So wird Macron mit Sachsen diesmal erstmals als PrĂ€sident eins der fĂŒnf ostdeutschen BundeslĂ€nder neben Berlin besuchen. Im Juli vergangenen Jahres hatte er den Staatsbesuch wegen Unruhen in Frankreich verschoben. Nun findet er in leicht verkĂŒrzter Form statt.

Differenzen in wichtigen Fragen

Steinmeier und Macron betonten auch ihre guten persönlichen Beziehungen. Auf Regierungsebene lĂ€uft es zwischen Berlin und Paris aber derzeit nicht so gut. Bei SchlĂŒsselthemen knirscht es immer wieder zwischen beiden HauptstĂ€dten. Das gilt fĂŒr die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine ebenso wie etwa fĂŒr die wirtschaftspolitische Ausrichtung gegenĂŒber den Konkurrenten USA und China. Diese Fragen sollen nach dem Staatsbesuch bei einem deutsch-französischen Ministerrat am Dienstagnachmittag in Schloss Meseberg, dem GĂ€stehaus der Bundesregierung, nördlich von Berlin erörtert werden.

So predigt Macron eine grĂ¶ĂŸere europĂ€ische Autonomie mit eigener Verteidigungsstrategie und einem Schutz der Wirtschaft vor unlauterer Konkurrenz aus China und den USA. Kanzler Scholz hingegen hĂ€lt an seiner transatlantischen Orientierung und dem wichtigen Handelspartner China fest. Und im Ukraine-Konflikt ĂŒberraschte Macron Scholz mit seinen Überlegungen zum Entsenden von Bodentruppen, was Scholz kategorisch ablehnt.

Auch eine Lieferung von weitreichenden Taurus-Marschflugkörpern an das von Russland angegriffene Land lehnt Scholz ab. Frankreich hingegen stellt seine Scalp-Raketen schon seit lĂ€ngerer Zeit bereit. Berlin wirft Paris im Gegenzug vor, als zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der EU insgesamt viel zu wenig fĂŒr die Ukraine zu tun.

Europa-Reden ohne Antworten aus Berlin

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz kritisierte, dass die Beziehungen zwischen beiden LĂ€ndern so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr seien. Er verlangte unmittelbar vor dem Besuch Macrons ein klares europapolitisches Signal der Bundesregierung. Merz kritisierte, dass Macron aus Berlin zu seinen beiden großen Europa-Reden an der Sorbonne keine Antwort aus Deutschland bekommen habe. «Das ist in Paris zu Recht, und zwar parteiĂŒbergreifend, auf große Irritation gestoßen», sagte Merz dem Sender rbb24 Inforadio.

Die erste Rede fiel noch in die Regierungszeit von Angela Merkel (CDU). Macron trat auf einer gemeinsamen Pressekonferenz dem Eindruck entgegen, dass es darauf keine Antwort gegeben habe. Es habe zwar keine formale Antwort gegeben, trotzdem habe er mit Merkel gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht.

@ dpa.de