Frank-Walter Steinmeier, Staatsbesuch

Staatsbesuch im x-ten Anlauf: Steinmeier reist nach RumÀnien

24.05.2023 - 05:22:14

Zuletzt war 2016 BundesprÀsident Joachim Gauck auf Staatsbesuch in RumÀnien. Sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier hatte schon lange ReiseplÀne - doch es kam mehrfach etwas dazwischen.

Erst kam die Corona-Pandemie dazwischen, dann der Angriff Russlands auf die Ukraine - doch an diesem Mittwoch beginnt BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier endlich einen mehrfach verschobenen Staatsbesuch in RumÀnien.

Drei Tage lang wird er sich auf Einladung von StaatsprÀsident Klaus Iohannis bei dem EU- und Nato-Partner aufhalten und dabei neben der Hauptstadt Bukarest auch Hermannstadt und Temeswar besuchen. Hermannstadt ist die Heimat von Iohannis, der Steinmeier auch dorthin begleiten wird. Temeswar ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas.

600 Kilometer lange Grenze mit der Ukraine

Der seit mehr als einem Jahr tobende russische Angriffskrieg in der Ukraine wird bei dem Besuch zwangslĂ€ufig ein wichtiges Thema sein, schließlich hat RumĂ€nien im Norden eine rund 600 Kilometer lange direkte Grenze mit der Ukraine. Auf etwa gleicher LĂ€nge liegt im Osten nur der schmale Streifen der Republik Moldau zwischen RumĂ€nien und der Ukraine.

Steinmeier und Iohannis wollen aber vor allem auch die engen beiderseitigen Beziehungen ihrer LĂ€nder wĂŒrdigen. Das richtige - und eigentliche vorgesehene - Datum dazu wĂ€re schon das vergangene Jahr gewesen, weil sich in diesem zum 30. Mal die Unterzeichnung des Vertrages ĂŒber freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft jĂ€hrte. Er war am 21. April 1992 geschlossen worden. Doch angesichts des wenige Wochen zuvor von Russland begonnenen Angriffskrieges in der Ukraine wurde ein Staatsbesuch mit Staatsbankett, EmpfĂ€ngen und anderen zeremoniellen Terminen als unpassend empfunden.

Krieg auch in RumĂ€nien spĂŒrbar

Steinmeier kam daher vor einem Jahr nur zu einem eintĂ€gigen Arbeitsbesuch nach Bukarest. Den Staatsbesuch hebe man sich auf «fĂŒr Zeiten, die ruhiger sind», sagte er damals. Das sind die Zeiten heute allerdings auch nicht. Und so sind auch die Themen des vergangenen Jahres geblieben. Steinmeier wird seinen GesprĂ€chspartnern, darunter auch RumĂ€niens MinisterprĂ€sident Nicolae Ciuca, die deutsche BĂŒndnissolidaritĂ€t zusichern. Und er wird die UnterstĂŒtzung RumĂ€niens fĂŒr die Ukraine wĂŒrdigen.

Mehr als drei Millionen FlĂŒchtlinge kamen nach Kriegsbeginn nach RumĂ€nien, davon blieben nach UN-Angaben etwa 109.000 im Land. 8000 von ihnen haben hier Jobs gefunden, vor allem am Bau, in der Gastronomie und im Einzelhandel. Etwa 40 Prozent der FlĂŒchtlinge bekommen Schulunterricht, online oder in PrĂ€senz. 18 Millionen Euro stellte der Staat fĂŒr die FlĂŒchtlingsversorgung bereit, weitere 100 Millionen Euro kamen von der EU.

RumĂ€nien half der Ukraine auch, indem es den Export von Treibstoff um ein Vielfaches erhöhte: So wurden 2022 laut Zollamt beispielsweise 700.000 Tonnen Diesel ausgefĂŒhrt - nach nur 1000 Tonnen im Jahr 2021. Über die militĂ€rische UnterstĂŒtzung schweigt sich die Regierung aus. Bekannt ist aber, dass in RumĂ€nien ein Reparaturzentrum fĂŒr die Marder-SchĂŒtzenpanzer entstehen soll, die westliche Staaten - auch Deutschland - der Ukraine liefern.

Besuch bei SiebenbĂŒrger Sachsen und Banater Schwaben

Steinmeier will sich wĂ€hrend des Staatsbesuchs auch mit Vertretern der deutschen Minderheit treffen. Dazu bekannten sich bei der jĂŒngsten VolkszĂ€hlung 2021 noch rund 22.900 Menschen. Vor der Massenauswanderung im Kommunismus und der folgenden politischen Wende waren es noch rund 800.000 gewesen. Die zwei wichtigsten Gruppen sind die lutherisch-protestantisch geprĂ€gten SiebenbĂŒrger Sachsen und die vorwiegend katholischen Banater Schwaben.

Die Angehörigen der Minderheit werden gerne als Vermittler in den deutsch-rumĂ€nischen Beziehungen bezeichnet. Das AuswĂ€rtige Amt und das Bundesinnenministerium fördern die deutsche Minderheit in diesem Jahr mit zusammen 3,8 Millionen Euro. Rund 900.000 Euro davon sind fĂŒr die Förderung deutschsprachigen Unterrichts vorgesehen.

@ dpa.de