Libanon, Israel

Historische Verhandlungen zwischen Israel und Libanon

14.04.2026 - 05:00:06 | dpa.de

Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren fĂŒhren Israel und der Libanon direkte GesprĂ€che auf politischer Ebene. Können sie zu einem Durchbruch im aktuellen Konflikt fĂŒhren?

Israelische Luftangriffe hatten auch das Zentrum von Beirut zum Ziel. (Archivbild) - Foto: Hussein Malla/AP/dpa

Der Iran-Krieg hat auch eine massive Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah im Libanon befeuert. Nach mehr als sechs Wochen Krieg kommt es nun zu einem historischen Treffen: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten werden die libanesische Regierung und Israel heute direkte GesprĂ€che auf politischer Ebene fĂŒhren.

Sie finden am deutschen Nachmittag in der US-Hauptstadt Washington statt. ZunĂ€chst werden neben US-Außenminister Marco Rubio die libanesische Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, und der israelische Botschafter in Washington, Jechiel Leiter, daran teilnehmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Worum geht es bei den GesprÀchen?

Bereits zum zweiten Mal in rund zwei Jahren befinden sich Israel und die Hisbollah im Libanon in einem offenen Krieg. Eine zwischenzeitliche Waffenruhe war Ă€ußert fragil. Beide Seiten warfen sich stetige VerstĂ¶ĂŸe vor. Israel griff trotz Waffenruhe nahezu tĂ€glich weiter im Libanon an und blieb auch an mehreren Stellen im Nachbarland positioniert. Mit dem Krieg im Iran feuerte schließlich auch die Hisbollah wieder Raketen in Richtung Israel.

FĂŒr die GesprĂ€che verfolgen Israel und der Libanon zunĂ€chst unterschiedliche Ziele. Die libanesische Regierung zielt vor allem auf eine sofortige Deeskalation ab. Israel will dagegen grundlegende sicherheitspolitische VerĂ€nderungen durchsetzen.

Die Zeitung «Israel Hajom» berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen US-Diplomaten, Ziel der Verhandlungen sei eine schrittweise Normalisierung der Beziehungen und der Beitritt des Libanons zu den sogenannten Abraham-Abkommen. Diese hatte US-PrÀsident Donald Trump 2020 in seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel.

Was will Israel?

Laut dem israelischen MinisterprÀsidenten Benjamin Netanjahu möchte sein Land ein «dauerhaftes Friedensabkommen» mit dem Nachbarland Libanon. Weiterhin soll nach Angaben des israelischen Regierungschefs die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz im Fokus der Verhandlungen stehen.

Israelischen Medien zufolge will das Land aber wegen der bloßen Aufnahme von Verhandlungen ihr militĂ€risches Vorgehen gegen die vom Iran unterstĂŒtzte Hisbollah-Miliz im Nachbarland nicht unmittelbar einstellen, wie es die libanesische Regierung fordert. Die IntensitĂ€t der israelischen Angriffe in der Hauptstadt Beirut hat zuletzt allerdings deutlich abgenommen - dem Vernehmen nach auf Druck der US-Regierung. Im SĂŒden gehen die KĂ€mpfe jedoch weiter. Der Iran hatte zunĂ€chst gedroht, die kĂŒrzlich vereinbarte Waffenruhe mit den USA angesichts der israelischen Angriffe auf die verbĂŒndete Hisbollah im Libanon platzen zu lassen.

Israel bekĂ€mpft eigenen Angaben zufolge die Hisbollah, damit die Bevölkerung in Nordisrael in Sicherheit leben kann. Derzeit feuert die Hisbollah immer wieder Raketen und Drohnen auf die Gegend. Aber auch fĂŒr die libanesische Zivilbevölkerung ist der Krieg verheerend. Hunderttausende wurden wegen der israelischen Angriffe und BodeneinsĂ€tze vertrieben. Unter den mehr als 2.000 Toten sind auch immer wieder Zivilistinnen und Zivilisten. Israel spricht von mehr als 1.400 getöteten Hisbollah-Mitgliedern. 

Was ist die Position der libanesischen Regierung?

Die libanesische Regierung befindet sich in einer komplexen Lage. Sie ist in dem aktuellen Konflikt keine aktive Kriegspartei. Einerseits möchte sie weitere Eskalationen vermeiden und StabilitĂ€t im eigenen Land sichern, andererseits hat sie nur begrenzten Einfluss auf die vom Iran finanzierte und zum Teil auch gesteuerte Hisbollah. Die aktuelle Regierung hat sich so klar wie keine ihrer VorgĂ€ngerinnen gegen die Hisbollah positioniert. Insbesondere seit Ausbruch des Iran-Krieges hat sie mehrere Maßnahmen unternommen, um den iranischen Einfluss im Land zurĂŒckzudrĂ€ngen. PrĂ€sident Joseph Aoun hat sich bereits mehrfach fĂŒr GesprĂ€che mit Israel ausgesprochen. Die Regierung möchte eine vom Iran unabhĂ€ngige Waffenruhe durchsetzen, um sich von der Islamischen Republik zu entkoppeln.

Sie muss aber gleichzeitig auch die Balance wahren: Rund ein Drittel der Bevölkerung in dem multikonfessionellen Land sind schiitische Muslime. Schon jetzt gab es immer wieder Unruhen und auch Demonstrationen gegen die Entscheidung der Regierung, mit Israel GesprĂ€che zu fĂŒhren. 

Was ist die Position der Hisbollah?

Die Hisbollah lehnt die GesprĂ€che zwischen der Regierung und Israel ab. Ihr ist vor allem daran gelegen, ihre militĂ€rische und politische Rolle im Land zu sichern. Sie will, dass die Waffenruhe im Libanon Teil der iranisch-amerikanischen Verhandlungen ist, also nicht getrennt behandelt wird. Besonders die von Israel geforderte Entwaffnung der Miliz will die Hisbollah nicht ohne Gegenleistung akzeptieren. Sie fordert den kompletten Abzug der israelischen Truppen im Land. Beobachter gehen davon aus, dass der Iran bei einer Entwaffnung der Hisbollah mehr Macht fĂŒr die schiitische Gemeinschaft im Libanon fordern könnte. Die Hisbollah sieht sich selbst als «Widerstandskraft» gegen den erklĂ€rten Erzfeind Israel.

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