Israel, US-Sanktionen

Israel empört ĂŒber mögliche US-Sanktionen gegen Bataillon

21.04.2024 - 04:38:11

ZunĂ€chst bedankt sich Netanjahu fĂŒr neue US-Hilfen in Milliardenhöhe. Nur eine Stunde spĂ€ter schlĂ€gt die Freude in große Empörung um. Die Entwicklungen im Überblick.

Trotz der Billigung neuer Hilfen fĂŒr das MilitĂ€r in Milliardenhöhe durch das US-ReprĂ€sentantenhaus ist die israelische Regierung ĂŒber ihre wichtigste Schutzmacht USA empört. Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu befĂŒrchtet, die USA könnten gegen ein umstrittenes Bataillon der israelischen Armee Sanktionen erlassen, wie er auf X (vormals Twitter) schrieb. «In einer Zeit, in der unsere Soldaten die Monster des Terrors bekĂ€mpfen, ist die Absicht, eine Einheit der IDF (Israel Defense Forces) mit Sanktionen zu belegen, der Gipfel der AbsurditĂ€t und ein moralischer Tiefpunkt.» Nur eine Stunde zuvor noch hatte er mit Blick auf das US-Hilfspaket ebenfalls auf X geschrieben: «Danke, Freunde, danke Amerika!»

Am Samstagabend hatte das US-ReprĂ€sentantenhaus ein Hilfspaket von 26 Milliarden US-Dollar fĂŒr Israel gebilligt. Einerseits sollen damit zum Beispiel Israels Raketenabwehr und die laufenden MilitĂ€roperationen der USA in der Region finanziert werden. Andererseits sind davon rund 9 Milliarden US-Dollar fĂŒr humanitĂ€re UnterstĂŒtzung gedacht, darunter fĂŒr die Menschen im Gazastreifen und in anderen Regionen. Die USA sind wichtigste Schutzmacht Israels und unterstĂŒtzen das Land jĂ€hrlich mit MilliardenbetrĂ€gen, von denen ein beachtlicher Teil in Raketenabwehr und andere MilitĂ€rtechnik fließt. Die nötige Zustimmung des Senats steht noch aus, gilt aber als sicher.

Bericht: Blinken will Sanktionen gegen Bataillon verhÀngen

Das US-Nachrichtenportal «Axios» berichtete unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen, es werde erwartet, dass US-Außenminister Antony Blinken in den nĂ€chsten Tagen Sanktionen gegen ein Bataillon der israelischen StreitkrĂ€fte wegen Menschenrechtsverletzungen im Westjordanland ankĂŒndigen werde. Es wĂ€re das erste Mal, dass die USA Sanktionen gegen eine israelische MilitĂ€reinheit verhĂ€ngen. 

Netanjahu reagierte empört und schrieb auf der Plattform X: «Gegen die israelische Armee dĂŒrfen keine Sanktionen verhĂ€ngt werden!» Seine Regierung werde mit allen Mitteln gegen diese Maßnahmen vorgehen. In den vergangenen Wochen habe er sich gegen die VerhĂ€ngung von Sanktionen gegen israelische BĂŒrger eingesetzt, auch in seinen GesprĂ€chen mit hohen amerikanischen Regierungsvertretern. 

Benny Gantz, Mitglied des israelischen Kriegskabinetts, sagte laut «Times of Israel», die VerhĂ€ngung von Sanktionen gegen die Einheit sei ein gefĂ€hrlicher PrĂ€zedenzfall und sende in Zeiten des Krieges die falsche Botschaft «an unsere gemeinsamen Feinde». Es wĂŒrden Maßnahmen ergriffen, damit diese Entscheidung nicht durchkomme. Die Infanterieeinheit sei «ein integraler Bestandteil der Armee» und an das MilitĂ€r- und Völkerrecht gebunden.  Israel verfĂŒge ĂŒber «starke und unabhĂ€ngige» Gerichte, die in der Lage seien, sich mit angeblichen VerstĂ¶ĂŸen zu befassen.

Die Sanktionen wĂŒrden die Mitglieder des Bataillons von militĂ€rischer UnterstĂŒtzung oder Ausbildung durch die USA ausschließen, berichtete «Axios» unter Berufung auf seine Quellen. Ein US-Beamter sagte, Blinkens Entscheidung bezĂŒglich der Einheit basiere auf VorfĂ€llen, die sich vor dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober im Westjordanland ereignet hĂ€tten. Das Bataillon wurde laut «Times of Israel» mit Rechtsextremismus und Gewalt gegen PalĂ€stinenser in Verbindung gebracht. Israel zog die Einheit demnach im Dezember 2022 aus dem Westjordanland ab und setzte sie seitdem hauptsĂ€chlich im Norden des Landes ein.

Das VerhĂ€ltnis zwischen Israel und den USA ist ohnehin angespannt. Angesichts der humanitĂ€ren Katastrophe im Gazastreifen und der hohen Zahl ziviler Opfer in dem Konflikt gibt es auch von den USA Kritik am militĂ€rischen Vorgehen Israels. Biden und seine Regierung hatten sich lange mit öffentlichen EinwĂ€nden zurĂŒckgehalten, in den vergangenen Wochen aber zunehmend die Tonlage gegenĂŒber der israelischen FĂŒhrung verschĂ€rft. 

Etliche Tote im Westjordanland

Derweil setzte die israelische Armee ihren Kampf gegen die Hamas im Gazastreifen eigenen Angaben zufolge fort. Dutzende Luftangriffe seien dort auf Terrorziele geflogen worden, teilte das MilitĂ€r mit. Auch im Westjordanland fĂŒhrten israelische EinsatzkrĂ€fte bis Samstagabend einen grĂ¶ĂŸeren Einsatz aus. Dabei töteten sie Armeeangaben zufolge mindestens zehn Bewaffnete. Bei Gefechten in dem FlĂŒchtlingslager Nur Schams in Tulkarem seien auch neun israelische SicherheitskrĂ€fte verletzt worden. 

Das Gesundheitsministerium im Westjordanland meldete 14 Tote und mehrere Verletzte bei dem Einsatz, darunter ein 16 Jahre alter Jugendlicher. Nach zunĂ€chst nicht offiziell bestĂ€tigten Berichten palĂ€stinensischer Medien soll unter den Getöteten auch der örtliche Kommandeur der palĂ€stinensischen Terrororganisation Islamischer Dschihad, Mohammed Dschaber, sein. Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen israelischen SicherheitskrĂ€ften und PalĂ€stinensern zugenommen. 

Gleiches gilt fĂŒr Gewalttaten von Siedlern gegen palĂ€stinensische Bewohner des Westjordanlands. In der NĂ€he von Nablus wurde am Samstagabend palĂ€stinensischen Angaben zufolge ein Krankenwagenfahrer bei Konfrontationen zwischen Siedlern und PalĂ€stinensern getötet. Der 50-jĂ€hrige PalĂ€stinenser sei erschossen worden, teilte das palĂ€stinensische Gesundheitsministerium mit. Er fuhr demnach Verletzte aus einem Dorf, in das zuvor Siedler eingedrungen waren. Wer den Fahrer des Rettungswagens tötete, war zunĂ€chst unklar. 

Iran sendet Signale der Deeskalation

Nach dem mutmaßlichen Gegenanschlag Israels gegen militĂ€rische Ziele im Iran spielt Teheran den Angriff weiter herunter. Der Iran werde darauf nicht reagieren, zitierten iranische Medien Außenminister Hussein Amirabdollahian. «Die abgeschossenen Klein-Drohnen waren ja auch mehr wie Spielzeuge», sagte der iranische Chefdiplomat demnach. Durch die bei Isfahan abgeschossenen kleinen Drohnen habe es weder SchĂ€den noch Opfer gegeben. Auf einen umfassenden israelischen Angriff werde der Iran aber «vehement und konsequent» reagieren, sagte Amirabdollahian.

Israel hatte am Freitag nach Medienberichten als Reaktion auf einen iranischen Großangriff vom vergangenen Wochenende eine Vergeltungsaktion ausgefĂŒhrt. Dem massiven Raketen- und Drohnenangriff des Irans auf Israel war ein Raketenangriff auf die iranische Botschaft in der syrischen Hauptstadt Damaskus vorausgegangen, bei dem zwei GenerĂ€le und weitere Mitarbeiter getötet wurden. Dieser Angriff wurde Israel zugeschrieben.   

In mehreren StĂ€dten in Israel protestierten erneut Tausende fĂŒr ein Abkommen zur Freilassung der noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln sowie gegen die israelische Regierung. Angehörige der EntfĂŒhrten werfen ihr vor, kein ernsthaftes Interesse daran zu haben, ein Abkommen mit der islamistischen Hamas zu erzielen. 

@ dpa.de