Trump, ZunÀchst

«Sie spucken, wir schlagen»: Trump demonstriert seine Macht

09.06.2025 - 04:34:55

ZunÀchst gibt es friedliche Proteste, doch dann heizt sich die Lage auf. Soldaten marschieren in Los Angeles auf, es fliegen Steine. US-PrÀsident Trump droht mit einem weiteren Tabubruch.

  • Die Polizei vertrieb Demonstranten von einer Autobahn, die durch die Innenstadt fĂŒhrt. - Foto: Eric Thayer/AP/dpa

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  • Soldaten der Nationalgarde marschierten vor einem BundesgefĂ€ngnis in Los Angeles auf. - Foto: Jae Hong/AP/dpa

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  • Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hĂ€lt das Vorgehen der Trump-Regierung fĂŒr rechtswidrig. - Foto: Noah Berger/AP/dpa

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  • Bei den Protesten waren auch immer wieder mexikanische Flaggen zu sehen. - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

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Die Polizei vertrieb Demonstranten von einer Autobahn, die durch die Innenstadt fĂŒhrt. - Foto: Eric Thayer/AP/dpaSoldaten der Nationalgarde marschierten vor einem BundesgefĂ€ngnis in Los Angeles auf. - Foto: Jae Hong/AP/dpaKaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hĂ€lt das Vorgehen der Trump-Regierung fĂŒr rechtswidrig. - Foto: Noah Berger/AP/dpaBei den Protesten waren auch immer wieder mexikanische Flaggen zu sehen. - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump spricht von «gewaltsamen, aufstĂ€ndischen Meuten», die Los Angeles ĂŒbernommen hĂ€tten - die RealitĂ€t sieht anders aus. Bis zum frĂŒhen Sonntagabend (Ortszeit) gab es nur in der Innenstadt der weitflĂ€chigen Millionenmetropole einzelne Proteste - in einer GrĂ¶ĂŸenordnung, die normalerweise kaum grĂ¶ĂŸere Wellen schlagen wĂŒrde. Am Rande dieser friedlichen Proteste kam es zwar auch zu gewaltsamen Ausschreitungen. Allerdings heizte sich die Lage erst richtig auf, nachdem Trump den Einsatz der Nationalgarde und sogar eine Mobilisierung des regulĂ€ren MilitĂ€rs befohlen hatte.

Etwa 300 Soldaten der Nationalgarde - einige in Kampfmontur und mit automatischen Waffen - bezogen Stellung, um GebĂ€ude des Bundes vor Protesten und Vandalismus zu schĂŒtzen. Zudem stĂŒnden rund 500 Marineinfanteristen der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte bereit, um bei Bedarf einzuschreiten, teilte das zustĂ€ndige Regionalkommando des MilitĂ€rs mit.

Ein Einsatz der regulĂ€ren Armee im Inneren wĂ€re eine weitere gravierende Eskalation. Soldaten sind fĂŒr militĂ€rische EinsĂ€tze und den Krieg ausgebildet, nicht fĂŒr polizeiliche Aufgaben wie die Kontrolle von Protesten in amerikanischen InnenstĂ€dten. Dennoch fordert Trump am spĂ€ten Morgen ĂŒber sein Online-Sprachrohr Truth Social: «Holt die Truppen dazu!!!»

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom spricht von einer bewussten Inszenierung des PrĂ€sidenten, der sich mit seinem martialischen «Spektakel» ĂŒber geltendes Recht hinwegsetze. Der Demokrat kĂŒndigte eine Klage des Bundesstaats gegen das «illegale, unmoralische und verfassungswidrige Vorgehen» des Republikaners und seiner Regierung an.

BĂŒrgermeisterin Karen Bass, die einen Einsatz der Nationalgarde ebenfalls abgelehnt hatte, sprach von mehreren Tausend Demonstranten, von denen einige Hundert zeitweise auch eine Autobahn blockiert hĂ€tten. Bei den Protesten seien auch Flaschen und Steine auf SicherheitskrĂ€fte geworfen worden, als Beamte die Demonstranten aus der Umgebung von GebĂ€uden des Bundes und der Autobahn zurĂŒckdrĂ€ngten.

TrÀnengas und brennende Autos

Die örtliche Polizei ging mit Schlagstöcken und auch TrĂ€nengas gegen die Menge vor. Der BĂŒrgermeisterin zufolge gab es einige FĂ€lle von Vandalismus; zudem gingen mehrere Taxis in Flammen auf. Auch Einsatzfahrzeuge der Polizei wurden beschĂ€digt. Am spĂ€ten Sonntagabend verhĂ€ngten die Sicherheitsbehörden schließlich ein Versammlungsverbot fĂŒr die Innenstadt.

Übers Wochenende gab es 56 Festnahmen - und das sei «nichts im Vergleich zu dem, was noch kommen wird», sagte Polizeichef Jim McDonnell. Er betonte zwar, dass die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Demonstranten friedlich ihr Recht auf Meinungsfreiheit ausgeĂŒbt habe. Inzwischen aber sei «die Sache außer Kontrolle geraten», sagte McDonnell. Um zu beurteilen, ob VerstĂ€rkung von außen notwendig sei, mĂŒsse er aber erst wissen, wie genau die Nationalgarde der Polizei helfen solle. Bass hatte davor gewarnt, dass der einschĂŒchternde Einsatz der Garde zu einer weiteren Eskalation fĂŒhren könne.

VerstĂ€rkte EinsĂ€tze der US-Einwanderungsbehörde ICE, die nach Trumps Vorgaben Migranten ohne gĂŒltige Papiere festnehmen und abschieben will, hatten Ende vergangener Woche erste Proteste im Raum Los Angeles ausgelöst. Trump ließ deswegen am Samstagabend (Ortszeit) mindestens 2.000 Soldaten der Nationalgarde mobilisieren und schloss auch den Einsatz des regulĂ€ren MilitĂ€rs nicht aus.

Kalifornien wirft Trump rechtswidriges Handeln vor 

Gouverneur Newsom, der als möglicher Kandidat fĂŒr die US-PrĂ€sidentschaftswahl 2028 gehandelt wird, protestierte vehement. Die Mobilisierung der Nationalgarde ohne seine Einwilligung sei ein «schwerwiegender Verstoß gegen die SouverĂ€nitĂ€t des Bundesstaats», heißt es in einem Protestschreiben an US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, das Newsom auf der Plattform X veröffentlichte. Newsom machte sich in Los Angeles selbst ein Bild von der Lage und verwies darauf, dass es genĂŒgend örtliche SicherheitskrĂ€fte gebe.

Trump hatte den Demonstranten mit SchlÀgen gedroht, sollten sie SicherheitskrÀfte bespucken oder bewerfen. «Sie spucken, das ist ihr neues Ding», sagte der Republikaner vor Reportern auf dem Weg zum Landsitz Camp David. Wenn das passiere, habe er eine klare Botschaft, und zwar: «Sie spucken, wir schlagen.»

Trump spricht von Truppen auch in anderen StÀdten

Trump will einen Einsatz von Soldaten auch in anderen StĂ€dten der USA nicht ausschließen. Es werde geprĂŒft, «Truppen ĂŒberall zu haben», sagte Trump. «Wir lassen uns das Land nicht auseinanderreißen.» Auf Nachfrage wollte er auch nicht ausschließen, eine Art Kriegsrecht zu verhĂ€ngen, um der Proteste Herr zu werden. Momentan gebe es aber keine Notwendigkeit dafĂŒr, das als «Insurrection Act» bekannte Gesetz anzuwenden, sagte Trump.

Trumps Dekret zur Mobilisierung der Nationalgarde spricht von «einer Form der Rebellion» gegen die Staatsmacht - nennt aber Los Angeles nicht explizit. Es könnte also ĂŒberall in den USA angewendet werden. 

Harris: Trump will «Chaos stiften»

Die Demokratin Kamala Harris, die Trump bei der PrĂ€sidentschaftswahl im November unterlegen war, kritisierte sein Vorgehen scharf. Soldaten der Nationalgarde gegen grĂ¶ĂŸtenteils friedlich protestierende Demonstranten einzusetzen - das sei «eine gefĂ€hrliche Eskalation, die Chaos stiften soll», schrieb Harris auf der Plattform X. «Es ist Teil der grausamen, berechnenden Agenda von Trumps Regierung, Panik und Spaltung zu verbreiten.»

Der neuen Regierung gehe es nicht um öffentliche Sicherheit, sondern um Angstmache - «Angst vor einer Gruppe, die WĂŒrde und rechtsstaatliche Verfahren fordert», erklĂ€rte Harris mit Blick auf Migranten, die angesichts von Trumps hartem Kurs in der Migrationspolitik eine Abschiebung fĂŒrchten mĂŒssen.

Protest der demokratischen Gouverneure

Die Vereinigung aller demokratischen Gouverneure der US-Bundesstaaten bezeichnete Trumps Mobilisierung der Nationalgarde als «alarmierenden Machtmissbrauch». Ein Einsatz der SicherheitskrĂ€fte gegen den Willen des betroffenen Staates sei «ineffektiv und gefĂ€hrlich». Die Drohung, in amerikanischen StĂ€dten zudem auch noch Marineinfanteristen einzusetzen, laufe der eigentlichen Mission des MilitĂ€rs zuwider und untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit.

Historische Machtdemonstration

Der Einsatz der Nationalgarde gegen den Widerstand des Gouverneurs ist eine höchst ungewöhnliche Machtdemonstration der Regierung. Seit 1965 hatte kein US-PrĂ€sident mehr die Nationalgarde eines Bundesstaats gegen dessen erklĂ€rten Willen ĂŒbernommen.

Im Normalfall haben die Bundesstaaten die Kontrolle ĂŒber die Nationalgarde - eine militĂ€rische Reserveeinheit, die Teil der US-StreitkrĂ€fte ist. Jeder Bundesstaat hat seine eigene Garde, die bei WaldbrĂ€nden, WirbelstĂŒrmen, Überflutungen oder Unruhen im Inneren eingesetzt werden kann. Sie steht dann unter dem Befehl des jeweiligen Gouverneurs. Kommt es zum Krieg oder zu nationalen NotfĂ€llen, kann der US-PrĂ€sident das Kommando ĂŒbernehmen.

@ dpa.de