Nawalnaja, Putin

Nawalnaja gegen Putin in Berlin

17.03.2024 - 17:23:34

Zur russischen PrÀsidentschaftswahl versammeln sich WÀhler und Demonstranten vor der Botschaft in Berlin. Mit dabei: Julia Nawalnaja, die Witwe des Kremlkritikers. Viele sympathisieren mit ihr.

  • Julia Nawalnaja, die Witwe von Alexej Nawalny, steht in einer Warteschlange vor der russischen Botschaft, um ihre Stimme bei der PrĂ€sidentschaftswahl abzugeben. - Foto: Carsten Koall/dpa

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  • Putin-Gegner demonstrieren in Berlin. - Foto: Carsten Koall/dpa

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Julia Nawalnaja, die Witwe von Alexej Nawalny, steht in einer Warteschlange vor der russischen Botschaft, um ihre Stimme bei der PrÀsidentschaftswahl abzugeben. - Foto: Carsten Koall/dpaPutin-Gegner demonstrieren in Berlin. - Foto: Carsten Koall/dpa

«Julia, wir sind mit dir», ertönt ein Ruf aus der Menge, dann betritt die Witwe des Kremlkritikers Alexej Nawalny das GelÀnde der russischen Botschaft in Berlin. Julia Nawalnaja will dort ihre Stimme bei der russischen PrÀsidentschaftswahl abgeben - und dabei auch ein Zeichen des Protests gegen Kremlchef Wladimir Putin und die von Kritikern als Farce kritisierte Abstimmung setzen.

Als sie wenige Minuten spĂ€ter die Botschaft wieder verlĂ€sst, erzĂ€hlt sie, was sie auf den Stimmzettel geschrieben hat: «NatĂŒrlich habe ich Nawalny geschrieben.» Das ist der Name ihres verstorbenen Mannes. Auf ihn bezogen sagt sie weiter: «Es kann nicht sein, dass einen Monat vor den Wahlen der wichtigste Gegner Putins, der sich ohnehin im GefĂ€ngnis befand, umgebracht wurde.»

Demonstranten und lange WĂ€hlerschlange

An der russischen Botschaft in Berlin Unter den Linden haben sich nach Angaben der Polizei etwa 2000 WĂ€hlerinnen und WĂ€hler sowie 500 bis 800 Demonstrantinnen und Demonstranten versammelt. Zahlreiche Menschen schwenken Fahnen in Weiß-Blau-Weiß, was die neuen Farben eines freien Russlands sein sollen, wie Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen. In einer langen Schlange reihen sich WĂ€hlerinnen und WĂ€hler ein, um am letzten Tag der dreitĂ€gigen russischen PrĂ€sidentschaftswahl einen Stimmzettel abzugeben. Die zwei Gruppen sind nur optisch klar voneinander zu trennen - viele in der Schlange scheinen den Demonstranten zuzustimmen. Aber nicht alle: Die einen schreien «danke», die anderen «Dumme», als Nawalnaja durchgeht.

Kritik an Wahl in Russland

Auf dem Platz vor der Botschaft ist eine Figur des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin aufgebaut, die in einer Wanne in ukrainischen Nationalfarben sitzt und sich mit Blut wĂ€scht. Jemand hat als Protestaktion Schredder fĂŒr vermeintliche Wahlzettel aufgebaut - erlĂ€utert mit den Worten «Probieren Sie russische Demokratie aus».

Die PrĂ€sidentenwahl ist von Betrugs- und ManipulationsvorwĂŒrfen ĂŒberschattet. Einen Monat nach dem Tod Alexej Nawalnys und mehr als zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine will sich Kremlchef Putin seine fĂŒnfte Amtszeit sichern. Er steht schon im Vorhinein als Sieger fest und dĂŒrfte sich ein Rekordergebnis bescheinigen lassen.

Viele in der WĂ€hlerschlange sympathisieren mit den Demonstranten

FĂŒr die Rufe «Sieg fĂŒr die Ukraine! Freiheit fĂŒr Russland!», «Nawalny ist ein Held Russlands» und «Putin ist illegitim» hegen auch zahlreiche Menschen in der WĂ€hler-Schlange Sympathien. Viele sind zur Aktion «Mittag gegen Putin» gekommen - um etwa ungĂŒltige Stimmzettel abzugeben, weil es keinen Oppositionskandidaten gibt, wie es von einigen heißt.

So auch zum Beispiel Ekaterina Olenina. Die 25-JÀhrige, die vor rund dreieinhalb Jahren aus Russland nach Deutschland gezogen ist, sagt der Deutschen Presse-Agentur: «Es ist schwer, den Speakern nicht zuzustimmen.» Sie will Putin nicht wÀhlen. «Das Einzige, womit wir uns hier bewaffnen können, ist mit einem Kugelschreiber, mit dem wir auf einen Wahlzettel schreiben, den vermutlich niemand lesen wird.»

Eher wenige Putin-BefĂŒrworter

Die Zahl derer, die fĂŒr Putin stimmen wollen, scheint eher gering zu sein. Als Nawalnaja mit ihrer Sprecherin Kira Jarmysch durch die Schlange lĂ€uft, rufen ihr die meisten Worte der Zustimmung zu und machen Platz fĂŒr sie, kurz erklingt ein Sprechchor ĂŒber Hunderte Meter mit den Worten «Nein zum Krieg» - alles auf Russisch. Einige Menschen in der WĂ€hler-Schlange zeigen sich dagegen selbstbewusst pro-Putin, aus einem Auto erklingt eine sowjetische Hymne. Mit der Presse sprechen? Mit der Westlichen wohl eher nicht.

@ dpa.de