Trump rechnet nÀchste Woche mit Waffenruhe in Gaza
28.06.2025 - 04:58:04 | dpa.deWenige Tage nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran rechnet US-PrĂ€sident Donald Trump kommende Woche auch mit einer Feuerpause im Gaza-Krieg. Man sei nahe dran, er habe erst kĂŒrzlich mit einigen Beteiligten gesprochen, sagte Trump im WeiĂen Haus - wohl mit Blick auf laufende VermittlungsbemĂŒhungen. «Wir denken, dass wir innerhalb der nĂ€chsten Woche eine Waffenruhe bekommen.» UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sagte, die Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran gebe Anlass zur Hoffnung, dass es auch in Gaza dazu komme.Â
Es blieb zunĂ€chst unklar, worauf Trump seine optimistische Aussage stĂŒtzte. Die zwischen Israel und der islamistischen Hamas ebenfalls vermittelnden LĂ€nder Katar und Ăgypten bemĂŒhen sich seit langem um eine neue Waffenruhe in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet. Im Rahmen einer solchen Vereinbarung sollen auch die im Gazastreifen weiter von der Hamas und anderen islamistischen Terrorgruppen festgehaltenen Geiseln freikommen sowie viele palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden.Â
Bericht: Ermittlungen wegen Toten bei Gaza-HilfezentrenÂ
Israels MilitĂ€rstaatsanwaltschaft ermittelt unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge wegen möglicher Kriegsverbrechen in Zusammenhang mit SchĂŒssen auf PalĂ€stinenser in der NĂ€he von Hilfszentren im Gazastreifen. Wie die israelische Tageszeitung «Haaretz» berichtete, soll die Untersuchungseinheit beim Generalstab der StreitkrĂ€fte prĂŒfen, ob israelische Soldaten, die die Verteilzentren der umstrittenen Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) sichern sollten, gegen das humanitĂ€re Völkerrecht verstoĂen haben.Â
Nach UN-Angaben sollen im Umfeld der Essensverteilung der GHF seit Ende Mai mindestens 410 PalĂ€stinenser getötet worden sein. In fast allen FĂ€llen sollen israelische Soldaten ohne Anlass auf unbewaffnete Mengen geschossen haben, die sich vor der Ăffnung der Zentren angestellt hatten. «Die Suche nach Nahrung darf niemals ein Todesurteil sein», sagte Guterres. Die Organisation Ărzte ohne Grenzen kritisierte auf X, das von Israel und den USA unterstĂŒtzte GHF-Programm sei «eine Metzelei, die als humanitĂ€re Hilfe getarnt ist».Â
«Böswillige LĂŒge»
«Haaretz» zufolge bestĂ€tigen beteiligte Soldaten und Offiziere die Tötung von PalĂ€stinensern nahe der Verteilzentren. Demnach wĂŒrden die Soldaten auf die Menschen feuern, um sie von den Zentren fernzuhalten, bevor sie öffnen. «Es ist eine Todeszone», zitierte das Blatt einen Armeeangehörigen, der vor Ort war. Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz bezeichneten den Bericht in einer gemeinsamen ErklĂ€rung als «böswillige LĂŒge». Er diene nur dazu, «die moralischste Armee der Welt zu diffamieren».
FrĂŒhere VorwĂŒrfe, das MilitĂ€r schieĂe willkĂŒrlich auf PalĂ€stinenser im Umfeld der GHF-Zentren, hatte die Armee mit dem Argument zurĂŒckgewiesen, dass in allen diesen FĂ€llen fĂŒr die betroffenen Soldaten eine Bedrohung geherrscht habe. Israel hatte die GHF-Stiftung nach einer wochenlangen Totalblockade des Gazastreifens ins Spiel gebracht, um die Verteilung von HilfsgĂŒtern durch die UN und andere Organisationen zu umgehen. Nach israelischer Lesart wird der GroĂteil der Hilfen, die durch diese Organisationen in den Gazastreifen kommen, von der Terrororganisation Hamas gestohlen. Beweise gibt es nicht.
Jede Operation, die «verzweifelte Zivilisten in militarisierte Zonen leitet», sei unsicher, kritisierte Guterres den GHF-Mechanismus. Israels Behörden mĂŒssten zu einem prinzipiellen humanitĂ€ren System zurĂŒckkehren, das von den Vereinten Nationen koordiniert werde, verlangte Ărzte ohne Grenzen auf X. Unterdessen wurden einem palĂ€stinensischen Medienbericht zufolge mindestens elf weitere Zivilisten bei einem israelischen Luftangriff getötet.Â
Bericht ĂŒber weitere Tote
Es sei eine Zeltstadt fĂŒr Kriegsvertriebene im Zentrum der Stadt Gaza im Norden des KĂŒstengebiets getroffen worden, berichtete die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa unter Berufung auf eigene Korrespondenten in Gaza. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Der Bericht lieĂ sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Israels MilitĂ€r Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht dazu.Â
Israels selbsterklĂ€rtes Ziel in dem Krieg ist es, die Hamas zu zerschlagen und die restlichen Geiseln freizubekommen. Nach offiziellen israelischen Angaben werden noch 22 lebende Geiseln in Gaza festgehalten. Bei 28 weiteren geht es demnach nur noch um die Ăbergabe ihrer sterblichen Ăberreste. «Es besteht die Möglichkeit, dass der Angriff auf den Iran unsere Ziele in Gaza voranbringen wird», sagte Israels Generalstabschef Ejal Zamir bei einem Truppenbesuch.
Zuvor hatte Regierungschef Benjamin Netanjahu gesagt: «Der Iran hat einen schweren Schlag erlitten», was sich auf Teherans VerbĂŒndete wie die islamistische Hamas in Gaza auswirken werde. Er wolle «den Kampf gegen die iranische Achse zu Ende fĂŒhren», die Hamas besiegen und die Freilassung aller Geiseln erreichen, hatte. Man werde den FuĂ nicht vom Gaspedal nehmen.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als 20 Monaten wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bislang mehr als 56.300 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet. Die unabhĂ€ngig kaum ĂŒberprĂŒfbaren Angaben machen keinen Unterschied zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern. Auslöser des Kriegs war der Ăberfall der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden.
Trump wĂŒrde Iran bei Bedarf erneut bombardieren
WĂ€hrend im Iran seit Beginn der Waffenruhe immer mehr Menschen in die Hauptstadt Teheran zurĂŒckkehren, richtet Israels MilitĂ€rfĂŒhrung den Fokus jetzt wieder auf Gaza, wie Generalstabschef Zamir erklĂ€rte. US-PrĂ€sident Trump sagte auf die Frage, ob er Irans Atomanlagen erneut bombardieren lassen wĂŒrde, falls es wieder Sorgen ĂŒber Teherans Urananreicherung gebe: «Sicher, ohne Frage, absolut.» Der Iran dĂŒrfe keine Atomwaffen haben. Die jĂŒngsten Angriffe hĂ€tten das Atomprogramm um Jahre zurĂŒckgeworfen, bekrĂ€ftigte er. Trump hatte jĂŒngst angedeutet, dass es bald neue GesprĂ€che mit Teheran ĂŒber das Atomprogramm geben soll. Details nannte er nicht.Â
Der Iran bestreitet, Atomwaffen anzustreben. Das Atomprogramm diene nur zivilen Zwecken. Die USA, Israel und andere LÀnder verdÀchtigen den Iran jedoch, Atombomben zu entwickeln.
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