EVN konkretisiert Strategie bis 2030: Investitionsprogramm, Ergebnisziele und langfristige Infrastrukturplanung
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 11:34 Uhr | irw-press, AD HOC NEWSAnzeige
Die EVN AG (ISIN: AT0000741053) hat auf ihrem Capital Markets Day am 1. Oktober 2026 ihre aktualisierten finanziellen Ziele bis 2030 vorgestellt und zugleich einen Ausblick auf die Zeit danach gegeben. Zum Auftakt richtete sich der Blick auf die grundlegenden VerĂ€nderungen in der europĂ€ischen Energiewirtschaft. Sie bilden den Rahmen fĂŒr die strategische Ausrichtung der EVN. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel am steigenden Bedarf an FlexibilitĂ€tsmanagement und Speicherlösungen. Denn je stĂ€rker Europa die AbhĂ€ngigkeit von fossilen EnergietrĂ€gern reduzieren möchte und Wind- und Sonnenkraft das Energiesystem prĂ€gen, desto wichtiger wird es, Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen und gleichzeitig die AbhĂ€ngigkeit von fossilen EnergietrĂ€gern zu reduzieren. Alexandra Wittmann, die FinanzvorstĂ€ndin der EVN, stellte dann das Investitionsprogramm, die Entwicklung des regulierten NetzgeschĂ€fts, der Ausbau erneuerbarer Energien und Batteriespeicher sowie die langfristige Ergebnis- und Dividendenplanung in den Mittelpunkt ihrer AusfĂŒhrungen.
Bis 2030 sieht die Unternehmensplanung jĂ€hrliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro vor. Rund 80 Prozent davon sollen in Niederösterreich erfolgen. FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2029/30 strebt die EVN ein Konzern-EBITDA von rund 1,2 Milliarden Euro an. ErgĂ€nzend wurden Ziele fĂŒr die Kapitalrendite, die einzelnen GeschĂ€ftsbereiche und die AusschĂŒttungspolitik prĂ€sentiert.
Investitionsprogramm mit regionalem Schwerpunkt
Das geplante Investitionsvolumen liegt ĂŒber den 910 Millionen Euro, die die EVN im GeschĂ€ftsjahr 2024/25 investierte. Die Mittel sollen insbesondere in den Ausbau und die Modernisierung der Netzinfrastruktur, in Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie in Batteriespeicher flieĂen. Weitere Investitionsbereiche sind die WĂ€rmeversorgung, die Ladeinfrastruktur fĂŒr ElektromobilitĂ€t und die regionale Trinkwasserversorgung. Mit der Konzentration von rund vier FĂŒnfteln des Investitionsprogramms auf Niederösterreich setzt die EVN ihren regionalen Schwerpunkt fort. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Anpassung der Energieinfrastruktur an verĂ€nderte Anforderungen bei Stromerzeugung und -verbrauch.
Die zunehmende dezentrale Einspeisung aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen erfordert zusÀtzliche NetzkapazitÀten und eine entsprechende Steuerung der Infrastruktur. Gleichzeitig verÀndern die Elektrifizierung von WÀrme, Verkehr und industriellen Prozessen sowie der Einsatz von Speichern die Anforderungen an das Stromsystem.
Die EVN stellte in diesem Zusammenhang auch langfristige Entwicklungen des österreichischen Strommarktes dar. Die auf dem Capital Markets Day vorgestellte Prognose von Compass Lexecon weist fĂŒr Ăsterreich einen Anstieg der jĂ€hrlichen Stromnachfrage von 68 TWh im Jahr 2020 auf 123 TWh im Jahr 2040 aus. FĂŒr die erneuerbare Stromerzeugung weist die Prognose im selben Zeitraum einen Anstieg von 72 auf 126 Terawattstunden aus. Dabei handelt es sich um externe Szenariowerte, nicht um eine eigene Absatz- oder Erzeugungsprognose der EVN.
NetzgeschÀft und regulierte Kapitalbasis
Einen wesentlichen Teil der vorgestellten Strategie bildet das regulierte NetzgeschĂ€ft. Die EVN plant, die regulatorische Vermögensbasis ihres Stromverteilnetzes in Niederösterreich von rund 2,0 Milliarden Euro im GeschĂ€ftsjahr 2024/25 auf rund 3,9 Milliarden Euro bis 2030 zu erhöhen. Die sogenannte Regulatory Asset Base (RAB) bezeichnet die fĂŒr die Regulierung maĂgebliche Vermögensbasis. Sie ist eine Grundlage fĂŒr die Ermittlung der zulĂ€ssigen KapitalvergĂŒtung im NetzgeschĂ€ft. In der noch bis Ende 2028 laufenden, fĂŒnfjĂ€hrigen Regulierungsperiode erhalten Verteilnetzbetreiber in Ăsterreich eine höhere Kapitalverzinsung fĂŒr Neuinvestitionen. Im Fall der EVN liegt diese aktuell bei ĂŒber 6 % per annum. FĂŒr das Netzsegment nennt die EVN ein EBITDA-Ziel von rund 560 Millionen Euro im Jahr 2030. Bezogen auf das angestrebte Konzern-EBITDA von rund 1,2 Milliarden Euro entspricht dies rechnerisch einem Anteil von knapp 47 Prozent.
Neben dem Ausbau bestehender KapazitĂ€ten umfasst die Netzstrategie die Modernisierung von Leitungen und Umspannwerken sowie die weitere Digitalisierung der Infrastruktur. Diese MaĂnahmen stehen im Zusammenhang mit der Integration zusĂ€tzlicher dezentraler Erzeugungsanlagen und den VerĂ€nderungen auf der Verbrauchsseite. Die geplante Entwicklung der RAB ist dabei von der tatsĂ€chlichen Ergebnisentwicklung zu unterscheiden, die auch von der regulatorisch festgelegten Kapitalverzinsung abhĂ€ngt.
Ausbauziele fĂŒr erneuerbare Energien und Batteriespeicher
Parallel zum NetzgeschĂ€ft hat die EVN ihre Ausbauziele fĂŒr die erneuerbare Stromerzeugung prĂ€sentiert. Bis 2030 soll die installierte Windkraftleistung nach der Unternehmensplanung auf 770 Megawatt steigen. FĂŒr Photovoltaik nennt der Konzern ein Ziel von 300 Megawattpeak. Ein weiterer Bestandteil der Strategie ist der Aufbau eines Batteriespeicherportfolios mit insgesamt 300 Megawatt elektrischer Leistung bis 2030. Die Speicher sollen unter anderem an bestehenden Kraftwerksstandorten sowie in Verbindung mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen eingesetzt werden. Batteriespeicher ermöglichen es, Strom zeitlich versetzt zur Erzeugung abzugeben. DarĂŒber hinaus können sie abhĂ€ngig von ihrer technischen Auslegung fĂŒr FlexibilitĂ€ts- und Systemdienstleistungen eingesetzt werden. Die EVN verbindet ihre Speicherstrategie deshalb mit dem Ausbau des FlexibilitĂ€tsmanagements und der digitalen Steuerung des Anlagenportfolios.
Ăber erste Umsetzungsschritte hatte das Unternehmen bereits vor dem Capital Markets Day berichtet. Bereits im Lauf des Jahres meldete die EVN neben der Inbetriebnahme eines Batteriespeichers in Probishtip in Nordmazedonien den Baustart fĂŒr zwei GroĂbatteriespeicherprojekte mit einer Speicherleistung von insgesamt 86 MW an zwei ehemaligen thermischen Kraftwerksstandorten in Niederösterreich. Bei ihren Batteriespeicherprojekten nutzt die EVN gezielt bestehende Kraftwerksstandorte, entweder ehemalige thermische Kraftwerke oder Wind- bzw. Photovoltaik-Parks. GroĂer Vorteil ist dabei der bereits vorhandene Netzanschluss, der eine raschere Inbetriebnahme der Speicher ermöglicht und zudem Investitionskosten durch Synergien senkt.
Ergebnisziele und Kapitalrendite
Neben den operativen Ausbauzielen hat die EVN auf dem Capital Markets Day ihre mittelfristige Finanzplanung konkretisiert. Ausgehend von einem Konzern-EBITDA von 909 Millionen Euro im GeschĂ€ftsjahr 2024/25 strebt das Unternehmen fĂŒr 2029/30 rund 1,2 Milliarden Euro an. Das Konzernergebnis soll nach der veröffentlichten Zielsetzung von 437 Millionen Euro auf rund 500 Millionen Euro steigen. FĂŒr die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Return on Capital Employed, ROCE) nennt die EVN bis 2030 einen Zielwert von mehr als sechs Prozent, der den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz (WACC) ĂŒbertreffen und somit Wert schaffen soll.
Die Umsetzung des Investitionsprogramms und die wirtschaftlichen BeitrĂ€ge der einzelnen GeschĂ€ftsbereiche unterliegen dabei unterschiedlichen zeitlichen AblĂ€ufen. Zwischen Planung, Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme neuer Infrastruktur liegen gerade in der Energiewirtschaft lĂ€ngere ZeitrĂ€ume. Den bis 2030 in Aussicht gestellten Investitionen liegen jedoch konkrete Projekte mit den erforderlichen Genehmigungen zugrunde. Zudem wurden die BeschaffungsvorgĂ€nge fĂŒr die erforderlichen Komponenten bereits vorausschauend abgesichert, sodass die bis 2030 geplanten Vorhaben planmĂ€Ăig umgesetzt werden sollen.
Investitionsperspektive ĂŒber 2030 hinaus
Der Capital Markets Day beschrĂ€nkte sich nicht auf die Zielperiode bis 2030. Die EVN stellte auch Eckpunkte ihrer lĂ€ngerfristigen Planung vor. FĂŒr die Zeit nach 2030 nennt das Unternehmen ein jĂ€hrliches Investitionsniveau von rund 900 Millionen Euro. Die Schwerpunkte sollen weiterhin auf Netzinfrastruktur, erneuerbarer Stromerzeugung und FlexibilitĂ€tslösungen liegen. Im Bereich Windkraft verwies die EVN auf eine Projektpipeline, die einen Ausbau auf bis zu 1,5 Gigawatt ermöglichen soll â das wĂ€re eine weitere Verdopplung der bis 2030 geplanten WindkraftkapazitĂ€t von 770 MW. Nach der vorgestellten Planung soll die Entwicklung zusĂ€tzlicher WindkraftkapazitĂ€ten mit weiteren Photovoltaik- und Batteriespeicherprojekten kombiniert werden. FĂŒr das österreichische Stromnetz erwartet das Unternehmen nach 2030 ein durchschnittliches jĂ€hrliches Wachstum der regulatorischen Vermögensbasis von rund 200 Millionen Euro. Diese Angaben beschreiben die ĂŒber den aktuellen Planungszeitraum hinausreichenden Unternehmensziele. Sie ergĂ€nzen die konkreteren Investitions- und Ergebniskennzahlen fĂŒr die Jahre bis 2030.
Dividendenpolitik und weitere Konzernplanung
ErgĂ€nzend zu den Investitions- und Ergebniszielen erlĂ€uterte die EVN auf dem Capital Markets Day ihre Dividendenpolitik. FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025/26 erwartet das Unternehmen vorbehaltlich des tatsĂ€chlichen Ergebnisses eine Dividende zwischen 0,90 und 0,95 Euro je Aktie. Bis zum GeschĂ€ftsjahr 2029/30 soll die jĂ€hrliche AusschĂŒttung nach der veröffentlichten Zielsetzung auf mindestens 1,10 Euro je Aktie steigen. Dies entspricht einer angestrebten AusschĂŒttungsquote von rund 40 Prozent. FĂŒr die Zeit nach Abschluss des aktuellen Investitionszyklus stellte das Unternehmen zudem eine mögliche langfristige Erhöhung der AusschĂŒttungsquote in Aussicht. Ein konkreter zusĂ€tzlicher Zielwert wurde hierfĂŒr nicht genannt. Zur Weiterentwicklung des Konzernportfolios gehört auch der im MĂ€rz 2026 abgeschlossene Verkauf der WTE Wassertechnik GmbH. Damit trennte sich die EVN von wesentlichen Teilen ihres internationalen WasserprojektgeschĂ€fts. Die regionale Trinkwasserversorgung in Niederösterreich bleibt Bestandteil der InfrastrukturaktivitĂ€ten des Konzerns.
Die auf dem Capital Markets Day veröffentlichten Angaben umfassen damit sowohl die operativen Ausbauziele als auch die geplante Entwicklung von Investitionen, Ergebniskennzahlen und AusschĂŒttungen bis 2030 sowie ausgewĂ€hlte langfristige PlanungsgröĂen der EVN AG (ISIN: AT0000741053) fĂŒr die darauffolgenden Jahre.
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EVN
ISIN: AT0000741053
WKN: 878279
Quellen
EVN â Capital Markets Day 2026, PrĂ€sentation vom 01.10.2026
https://www.evn.at/getmedia/b1846423-8b2e-471e-8d61-27a34275da65/Capital-Markets-Day_FINAL.pdf
EVN â EVN Capital Markets Day 2026: Erfolgreich im Energiemarkt von morgen agieren, 01.10.2026
EVN â Die EVN erzielt wesentliche Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Batteriespeicherstrategie, 14.07.2026
EVN â EVN und STRABAG schlieĂen den Verkauf der WTE ab, 03.03.2026
https://www.evn.at/home/presse/evn-und-strabag-schlie-en-den-verkauf-der-wte-ab
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