Fast 15 Mrd. USD - Virtuix greift nach Milliardenmarkt für militärische Simulation
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:22 Uhr | irw-press, AD HOC NEWSModerne Streitkräfte verlagern immer mehr Ausbildung in virtuelle Umgebungen. Der US-Spezialist für Virtual-Reality-Hardware Virtuix ist bei allen vier großen US-Teilstreitkräften präsent und führt beim Marine Corps die Entwicklung eines virtuellen Infanterie-Trainingssystems.
Ein Soldat, der sich auf einen Einsatz vorbereitet, kennt das Problem: Karten, Satellitenbilder und Bildschirm-Simulationen zeigen ein Gelände. Sie vermitteln aber nur eingeschränkt, wie es sich anfühlt, einen Weg tatsächlich zurückzulegen, einen Gebäudekomplex zu umgehen oder mit mehreren Kameraden durch unbekanntes Terrain vorzurücken. Genau deshalb gewinnen militärische Simulationen seit Jahren an Bedeutung. Streitkräfte können komplexe Szenarien immer wieder trainieren, unterschiedliche Bedrohungen einspielen und Soldaten auf Missionen vorbereiten, ohne für jede Übung Fahrzeuge, Munition, Treibstoff und große Trainingsgelände bereitzustellen.
Inzwischen geht es dabei um einen Milliardenmarkt. Grand View Research schätzt den weltweiten Markt für militärische Simulation und virtuelles Training für 2026 auf 14,8 Milliarden US-Dollar. Bis 2033 soll das Volumen auf 20,4 Milliarden US-Dollar steigen. Besonders interessant für Virtuix: Der Bereich Ground Simulation, also Anwendungen für Landstreitkräfte, soll innerhalb der untersuchten Anwendungssegmente am schnellsten wachsen. Nordamerika stellte 2025 mit 34,4 Prozent mehr als ein Drittel des weltweiten Marktes. Hier baut Virtuix Holdings Inc. (ISIN: US92835U1016, WKN: A41H19) sein zweites Standbein auf.
Militärische Ausbildung schafft Milliardenmarkt
Wie groß der Markt für militärische Simulation bereits heute ist, zeigt ein Blick auf etablierte Rüstungskonzerne. Bei einem im Dezember 2025 vergebenen Auftrag für neun Ausbildungssimulatoren des Schützenpanzers Puma entfallen rund 118,5 Millionen Euro auf Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000). Die ersten Systeme für die Schieß- und Gefechtsausbildung sollen ab Mitte 2027 ausgeliefert werden.
BAE Systems (ISIN: GB0002634946, WKN: 866131) gewann im März einen Siebenjahresvertrag mit der dänischen Armee für deren nächste Generation einer virtuellen Trainingsumgebung. Zum Paket gehören Simulationssoftware, virtuelle Umgebungen, Wartung und Training. Die Plattform soll unter anderem für Missionsproben und die Planung militärischer Operationen eingesetzt werden.
Auch Lockheed Martin (ISIN: US5398301094, WKN: 894648) treibt diesen Bereich voran. Der Konzern stellte im August seine ACES-Plattform für Europa heraus, mit der Streitkräfte Luft-, Land-, See-, Weltraum- und Cyberoperationen gemeinsam simulieren und militärische Konzepte vor dem realen Einsatz durchspielen können.
Simulation ist damit längst kein experimenteller Randbereich moderner Verteidigung. Sie ist Teil der regulären Ausbildung und zunehmend auch der Missionsplanung.
Der finanzielle Hintergrund fällt entsprechend groß aus. Die weltweiten Militärausgaben erreichten 2025 laut Stockholm International Peace Research Institute 2,887 Billionen US-Dollar und damit den höchsten jemals von SIPRI erfassten Stand. Europa einschließlich Russlands und der Ukraine erhöhte seine Ausgaben innerhalb eines Jahres um 14 Prozent auf 864 Milliarden US-Dollar. Die USA blieben mit 954 Milliarden US-Dollar der mit Abstand größte nationale Verteidigungsmarkt.
Virtuix bringt Bewegung in die Simulation
Virtuix verfolgt innerhalb dieses Marktes einen sehr konkreten Ansatz. Omni One ermöglicht Soldaten, in einer virtuellen Umgebung tatsächlich zu gehen, zu laufen, sich zu ducken und die Richtung zu wechseln. Das klingt zunächst wie eine Erweiterung klassischer VR-Systeme. Für die Ausbildung von Bodentruppen verändert körperliche Bewegung jedoch einen wesentlichen Teil der Simulation. Ein Infanterist bewegt sich im Einsatz nicht aus einem Stuhl heraus durch eine Landschaft. Distanzen, Deckung, Gebäude, Wege und die Position anderer Soldaten spielen eine unmittelbare Rolle.
Virtuix arbeitet mit mehreren militärischen Organisationen an dieser Verbindung zwischen virtueller Umgebung und körperlicher Bewegung. Das Unternehmen hat Testsysteme an das U.S. Marine Corps, die U.S. Air Force Academy, die U.S. Military Academy in West Point und die Air National Guard verkauft. Im Juli ging erstmals ein Omni-One-System für Training und Erprobung an eine Einheit der Pennsylvania Air National Guard. Mit der Naval Postgraduate School besteht zudem ein Forschungs- und Entwicklungsabkommen.
Der Schritt vom einzelnen Testsystem zu größeren Trainingslösungen hat bereits begonnen. Im Mai wählte das U.S. Marine Corps Training and Education Command, kurz TECOM, Virtuix über den strategischen Partner KBR als Lead Integrator für die Erprobung eines virtuellen Infanterie-Trainingssystems aus. Vier Marines sollen darin gleichzeitig auf vier Omni-One-Systemen trainieren und sich gemeinsam in einer virtuellen Umgebung bewegen. Trainingswaffen und eine Trainerstation für die anschließende Auswertung ergänzen das System.
Die Lieferung des Pilotsystems an die Marine Corps Base in Quantico, Virginia, ist für das vierte Kalenderquartal 2026 vorgesehen. Bei erfolgreicher Erprobung nennt Virtuix eine mögliche Ausweitung auf weitere Trainingsstandorte des Marine Corps. Als Lead Integrator übernimmt das Unternehmen dabei die Verantwortung für die Zusammenführung der einzelnen Komponenten zu einer vollständigen Trainingslösung.
Das Schlachtfeld wird vor dem Einsatz begehbar
Über die Ausbildung hinaus reicht der sogenannte Virtual Terrain Walk, kurz VTW.
Statt für jede Übung eine künstliche virtuelle Welt zu bauen, will Virtuix reale Einsatzgebiete digital erfassen. 360-Grad-Kameras oder Drohnen nehmen ein Gelände auf. KI-gestützte 3D-Rekonstruktion verwandelt diese Daten in eine fotorealistische virtuelle Umgebung. Soldaten können das Gebiet anschließend auf Omni physisch durchlaufen.
Die Idee dabei: Ein militärischer Führer soll das Gelände bereits ablaufen können, bevor seine Einheit dort tatsächlich operiert. Die U.S. Air Force wählte Virtuix im Mai für eine Phase-I-Förderung des AFWERX-SBIR-Programms aus, um VTW für Missionsplanung und sogenannte Leader Rehearsals, also praktische Einsatzproben von Führungskräften, weiterzuentwickeln. Diese Entwicklungsphase ist abgeschlossen, Virtuix erzielte daraus bereits erste Vertragsumsätze. Als nächsten Schritt strebt das Unternehmen eine Phase-II-Förderung an. VTW ist für verteilte Teams mit zwölf oder mehr Teilnehmern ausgelegt. Sie sollen gemeinsam dasselbe reale Gelände virtuell begehen und dabei Routen, Schlüsselpositionen und taktische Entscheidungen vorbereiten.
Gerade hier verbindet Virtuix zwei Technologien, die im Verteidigungsmarkt gleichzeitig an Bedeutung gewinnen: KI-gestützte 3D-Rekonstruktion und immersive Simulation. Lockheed Martin nutzt virtuelle Umgebungen bereits für Multi-Domain-Planung. Virtuix konzentriert sich auf den Teil der Simulation, bei dem sich der Mensch selbst räumlich durch die Umgebung bewegen muss.
Auch Drohnenabwehr wird zum Trainingsfall
Neben der Infanterieausbildung erschließt Virtuix weitere militärische Trainingsfelder. Omni One ist in einen Simulator von Vigilante integriert, der für die Erprobung durch das Marine Corps Training and Education Command entwickelt wurde. Das System trainiert sogenannte Forward Arming and Refueling Point Operationen, bei denen Marines Fluggeräte unter schwierigen Einsatzbedingungen betanken und bewaffnen.
Zusätzlich ist Omni One in einen Counter-UAS-Trainer des Partners LeadTech integriert, der Soldaten auf die Abwehr von Drohnen vorbereitet und vom Marine Corps evaluiert wird. Die Teilnehmer bewegen sich durch virtuelle Trainingsumgebungen, erkennen feindliche Drohnen und üben deren Bekämpfung. Damit erweitert sich das Einsatzspektrum von klassischer Infanterieausbildung über Missionsplanung bis zu Bedrohungsszenarien, die durch die zunehmende Verbreitung von Drohnen an Bedeutung gewonnen haben.
Aus einzelnen Systemen sollen größere Verträge werden
Die wirtschaftliche Dimension unterscheidet sich dabei deutlich vom Consumer-Geschäft. Im militärischen Training werden vollständige Systeme für Einheiten, Trainingszentren oder ganze Programme beschafft. Rheinmetalls jüngster Puma-Auftrag zeigt, welche Größenordnungen professionelle Ausbildungssysteme erreichen können.
Die bisherigen Projekte schaffen dafür konkrete Referenzen. Die Training Innovation Facility der U.S. Army in Fort Leavenworth kaufte ein Omni-One-System. Die Einrichtung sammelt Rückmeldungen von Soldaten und bewertet Technologien für mögliche künftige Beschaffungsprogramme. Ein weiteres Einsatzfeld eröffnet das MWR-Liberty-Programm der U.S. Navy, das zwei Omni-One-Enterprise-Systeme für Freizeitangebote an einem Marinestandort in Europa erworben hat.
Die geplante Pilotlieferung des Infantry Fireteam Trainers an die US-Militärbasis in Quantico, Virginia und die angestrebte nächste Förderphase für Virtual Terrain Walk sind wichtige Schritte auf dem Weg zu größeren Trainingsprogrammen. Erste Einnahmen aus Systemverkäufen und Entwicklungsarbeiten erzielt Virtuix bereits. Mit wesentlichen Umsatzbeiträgen aus dem Verteidigungsgeschäft rechnet das Unternehmen nach eigener Einschätzung frühestens im Geschäftsjahr 2028. Größere Militärprogramme haben längere Beschaffungszyklen und stellen zusätzliche technische, regulatorische und sicherheitsbezogene Anforderungen.
Virtuix sucht parallel nach Möglichkeiten, dieses Geschäft schneller auszubauen. Man führt dazu nach eigenen Angaben fortgeschrittene Übernahmeverhandlungen mit einem Unternehmen im Verteidigungssektor, dessen Jahresumsatz am oberen Ende der gesuchten Spanne von 10 bis 50 Millionen US-Dollar liegt. Ein solcher Zukauf könnte bestehende Regierungsverträge, Kundenbeziehungen und Zugang zu Beschaffungsprogrammen einbringen. Der Abschluss hängt unter anderem von einer erfolgreichen Prüfung, verbindlichen Verträgen und der Finanzierung ab. Für ein Unternehmen, das im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von rund 4,25 Millionen US-Dollar erzielte, würde bereits ein einzelner größerer Verteidigungsauftrag die Größenordnung des Geschäfts deutlich verändern.
Auch im Consumer-Geschäft wächst die Nachfrage. Als offizieller Wiederverkäufer von Meta-Produkten bietet Virtuix Omni One zusammen mit Quest-Headsets an. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lagen die Omni-One-Bestellungen ungefähr dreimal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Für dieses Quartal stellt das Unternehmen zudem ein starkes Umsatzwachstum in Aussicht.
Virtuix begann als Anbieter einer Bewegungsplattform für Computerspiele. Heute soll dieselbe Technologie Soldaten ermöglichen, gemeinsam durch virtuelle Einsatzgebiete zu laufen, reale Terrains vor einer Mission zu erkunden und neue Bedrohungsszenarien zu trainieren. In einem auf 14,8 Milliarden US-Dollar geschätzten Markt für militärische Simulation baut Virtuix damit ein Geschäft auf, in dem jeder erfolgreiche Abschluss die bisherige Umsatzbasis deutlich sprengen würde.
Virtuix gehört auf die Watchliste aller Anleger, die sich für das Thema VR-Technologie und Extended Reality interessieren. Wer sich genauer zur Aktie informieren möchte, findet tiefergehende Informationen und Daten zum Unternehmen im Verumo Unternehmensprofil (Link: https://verumo.de/aktien/virtuix-holdings-inc). Verumo Abonnenten erhalten alle wichtigen Updates zur Aktie per E-Mail.
Aktiendaten
Virtuix Holdings Inc.
WKN: A41H19
ISIN: US92835U1016
Nasdaq: VTIX
Webseite: https://www.virtuix.com/
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