ROUNDUP, Bio-Markt

Der Bio-Markt wÀchst - doch auf den Feldern nur langsam

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim Einkaufen sind Bio-Lebensmittel stĂ€rker gefragt - doch auf den deutschen Feldern kommt der Ökolandbau weiterhin nur langsam voran.

Ökologisch bewirtschaftet wurden im vergangenen Jahr 11,4 Prozent der gesamten AgrarflĂ€che, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium erstmals nach einer neuen Datengrundlage ermittelte. Die Zahl der Bio-Höfe ging demnach leicht auf 28.150 zurĂŒck. Dies entspricht 11,2 Prozent aller Betriebe. VerbraucherschĂŒtzer fordern bessere Standards in der gesamten Branche.

Die Entwicklung auf den Feldern ist wichtig, wenn auch heimische Landwirte am wachsenden deutschen Bio-Markt teilhaben wollen. Sonst könnten Importeure stĂ€rker profitieren. Dabei hatte das Ministerium zu den Bio-Berechnungen angekĂŒndigt, dass von diesem Jahr an nur noch Daten verwendet werden, die das Statistische Bundesamt erhebt. "Die Umstellung schafft eine einheitliche statistische Grundlage, da nun fĂŒr ökologische und konventionelle Betriebe dieselben Erfassungsgrenzen gelten", sagte ein Sprecher. Zuvor waren bei Bio auch sehr kleine Höfe mit weniger als fĂŒnf Hektar berĂŒcksichtigt worden.

Auch Bio-Höfe im Strukturwandel

Dass die ÖkoflĂ€che jetzt leicht auf rund 1,9 Millionen Hektar zunahm, wĂ€hrend die Zahl der Bio-Betriebe sank, sei Ausdruck des generellen Strukturwandels der Landwirtschaft, hieß es zur ErlĂ€uterung: Weniger Höfe bewirtschaften im Schnitt grĂ¶ĂŸere FlĂ€chen. Da auch die Gesamtzahl der Betriebe sank, blieb der Anteil der Öko-Betriebe an allen Betrieben mit 11,2 Prozent dennoch stabil.

Weiterhin stellen Landwirte auf ökologische Produktion um, wie das Ministerium erklĂ€rte. Zugleich werden Bio-Höfe aufgegeben, etwa weil eine Nachfolge fehlt oder Betriebe wieder konventionell wirtschaften wollen. Generell ist es eine Kalkulationsfrage, ob Betriebe umschwenken. So ist bei Bio der Aufwand bei der mechanischen Bodenbearbeitung mit Traktoren und Maschinen höher, was höhere Dieselkosten bringt. Andererseits sind chemisch-synthetische DĂŒnge- und Pflanzenschutzmittel tabu, die infolge des Iran-Kriegs auch teurer wurden.

GeschÀft mit Bio-Lebensmitteln wÀchst

Die Nachfrage nach Bio-Produkten, die meist etwas mehr kosten, wĂ€chst bis auf einen DĂ€mpfer 2022 wegen der damals sehr hohen Inflation kontinuierlich. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz um 4,3 Prozent auf 14,08 Milliarden Euro, wie der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gerade mitteilte. Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt kletterte im dritten Quartal 2026 demnach erstmals auf eine Höchstmarke 8,1 Prozent.

Verbandschefin Tina Andres sprach mit Blick auf die Markt-ZuwĂ€chse von einem "Weckruf". Viele Menschen erwarteten zu Recht, dass gerade die Biobranche regional erzeuge. Die Bundesregierung mĂŒsse daher fĂŒr gute Bedingungen fĂŒr "heimisches Bio" sorgen und Höfe zum Umstellen ermutigen.

"Bio bleibt eine Nische"

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte einen umfassenderen Wandel. "Wer glaubt, Bio wird bei den anhaltend hohen Lebensmittelpreisen bald den Massenmarkt erobern, macht sich etwas vor", sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Chris Methmann der Deutschen Presse-Agentur. "Bio bleibt eine Nische." Deshalb mĂŒsse die Politik die Landwirtschaft als Ganzes umbauen. Dazu brauche es unter anderem eine Halbierung der TierbestĂ€nde, um die Klima- und Umweltziele zu erreichen. Der Einsatz von Pestiziden mĂŒsse enden.

Durch die Umstellung der Bio-Datengrundlage seien die neuen Zahlen nicht mehr unmittelbar mit frĂŒher veröffentlichten Werten vergleichbar, erklĂ€rte das Ministerium. Methodisch bedingt, komme es zu etwas niedrigeren Zahlen. So lag der Bio-FlĂ€chenanteil in der letzten nach den alten Kriterien ermittelten Statistik fĂŒr 2024 bei 11,5 Prozent. Das Ziel eines FlĂ€chenanteils von 30 Prozent bis 2030, das noch die Ampel-Koalition aufstellte, bleibt weit entfernt.

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