EQS-News: Schnell ist der Mensch nur, wenn er weiß, wohin er rennt. (deutsch)
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 09:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchnell ist der Mensch nur, wenn er weiß, wohin er rennt.
EQS-News: mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG / Schlagwort(e): Sonstiges
Schnell ist der Mensch nur, wenn er weiß, wohin er rennt.
28.10.2026 / 09:00 CET/CEST
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Schnell ist der Mensch nur, wenn er weiß, wohin er rennt.
Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb
Wertpapierhandelsbank AG
Dieses Zitat von Joe Kaeser ist in Zeiten der permanenten Transformation zur
absoluten Maxime geworden. Aber wissen wir in Deutschland aktuell überhaupt
noch, wohin wir rennen?
Als das Handelsblatt Mitte Oktober meldete, dass die Bundesregierung eine
KI-Kooperation mit Nvidia für 300 Millionen Euro Anschubfinanzierung plant,
lästerten wir zunächst uninformiert: "Dafür geht bei Nvidia bestenfalls der
Pförtner ans Telefon." Wir lagen kolossal schief. Denn es hob nicht der
Pförtner ab - Nvidia-Chef Jensen Huang kam persönlich nach Berlin. Und er
hatte Bedingungen im Gepäck.
Unter anderem nahm er an dem von der Bundesregierung organisierten "Invest
Germany Summit" teil. Dort hat er den Verantwortlichen hierzulande eine
ordentliche Ohrfeige verpasst ("Es schmerzt zu sehen, wie weit das Land
zurückgefallen ist"), lobte aber zeitgleich die deutsche Ingenieurskunst und
forderte die Verantwortlichen auf: "Just get to work!"
Auf dieser Veranstaltung, die rund 200 Investoren aus aller Herren Länder
besucht haben, hat der ansonsten zu Recht gescholtene Kanzler zumindest auf
den ersten Blick eine sehr gute Figur abgegeben. Das liegt nahe, denn mit
seiner Vita, insbesondere als Aufsichtsrat von BlackRock, ist das Vollbad in
Unternehmen und Investoren eine Bühne, die der Mann beherrscht und versteht.
Um es klar zu sagen - dem Grunde nach feiern wir eine derartige
Veranstaltung. Es ist ein Ansatz, über das stetig abnehmende
Investitionsvolumen in Deutschland hinwegzukommen und die Regierung in den
Dialog zu bringen, um vielleicht irgendwann mal zu verstehen, woran es
eigentlich hapert. Und wenn sie zugehört haben, dann könnte es durchaus
gelungen sein:
Denn am Ende wurden - wir schreiben mal vorsichtig "bis zu" 230 Mrd.
Investitionen angekündigt. Ob diese Summe ausschließlich frische Planungen
beinhaltet, wird vielerorts bezweifelt.
Dass die Materialisierung dieser "Zusagen" zum größten Teil an Bedingungen
geknüpft ist, die Deutschland als Vorleistung erfüllen müsste, kam ans
Tageslicht. Ob das mit dieser Regierungskoalition zu schaffen ist, muss
jeder mit sich selbst ausmachen. Es geht um nichts Geringeres als 3
Mindestbedingungen:
* Im Talk mit Huang mahnte der Kanzler die Zustimmung Jensens zu der These
an, dass KI selbstverständlich reguliert werden müsse. Dieser antwortete
sinngemäß: "man müsse erstmal etwas haben, was man regulieren könne".
Erst muss die Industrie wachsen, dann kann man die Anwendungen
regulieren und nie die Technologie selbst.
Unsere Meinung: Der Mann hat recht.
* Teure Maschinen würden allein die Wende nicht bringen. Diese müssten
rund um die Uhr laufen, was eine Entkoppelung von Arbeitszeiten und
Maschinenlaufzeiten bedeuten würde.
Unsere Meinung: Ob das vor allem die Gewerkschaften mitmachen oder die
im Dauerwahlkampf befindliche Politik, kann sich ebenfalls jeder selbst
ausrechnen. Und es braucht dann eben nicht nur platte Beschimpfungen an
den Wähler, er arbeite zu wenig. Es braucht geeignete und ausgewogene
Lösungen. Und Führung!
* Deutschland muss die Energiekosten senken. Denn nicht nur Bürger und
Industrie ächzen unter den Energiekosten. Die kommenden KI-Rechenzentren
werden eine Menge Strom fressen.
Unsere Meinung: Konstant in die falsche Richtung rennt hier das BMWi.
Eine sture Rückkehr in die fossile Steinzeit zugunsten von
Abhängigkeiten schafft schon jetzt den Boden für irreparable Schäden.
Ein Beispiel hierfür ist die Situation rund um die Neufassung des WindSeeG.
Nachdem der Staat großen Projektentwicklern wie BP oder TotalEnergies
bereits enorme Summen für Windparkflächen in den Ausschreibungen abgeknöpft
hat, wollen diese vielfach den Ausbau nicht mehr beginnen, da sich die
Wirtschaftlichkeit aus deren Sicht so nicht erreichen lässt. Gleichwohl gibt
es kleinere und weitere Anbieter, die hier einsteigen wollen, aber das BMWi
verweigerte bisher für die Neufassung des Gesetzes die
Übertragungsmöglichkeiten, da man die Ausschreibungsdisziplin behalten
wolle. So drohen Deutschland sogenannte "Zombie-Windparks".
Laut Bundesverband Windenergie Offshore ist ein Projekt- und
Beschaffungsvolumen von bis zu 50 Milliarden Euro in Gefahr. Zudem droht ein
bereits einsetzender Arbeitsplatzabbau in der Zulieferindustrie.
Hier würden wir über den Wegfall von 25-30.000 Arbeitsplätzen reden. Und die
Windenergie folgt dann langsam dem Transfer der Solarindustrie - ab nach
China.
Kannste Dir nicht ausdenken. Und man muss kein Grüner sein, um das zu
kritisieren. Auch die CDU/CSU und SPD haben hier durchaus Kompetenz an Bord.
In einem Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz äußert
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther scharfe Kritik an den
Reformplänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur
EEG-Novelle und zum Netzpaket.
Diesem Inhalt sind nunmehr die Länder-Chefs Lies (Niedersachsen), Söder
(Bayern), Özdemir (BaWü), Günther (SH), Rehlinger (Saarland), Tschentscher
(HH), Schwesig (MeckPomm), und Bovenschulte (Bremen) mit einem weiteren
gemeinsamen Brief an das Wirtschaftsministerium beigetreten und kritisieren
"falsche ordnungs- und industriepolitische Entscheidungen, die einer
Deindustrialisierung Vorschub leisten". Was die Ministerin treibt, versteht
so langsam niemand mehr. Ob es mit ihrer vergangenen oder künftigen Vita zu
tun hat oder bereits eine Positionierung für künftige politische Mehrheiten
ist, bleibt ein Geheimnis. Und es scheint, als könnte manchmal noch die
Vernunft über Dogmatismus siegen. Die Ministerin muss auch hier einlenken.
"Sollte sich bei einzelnen Vorhaben herausstellen, dass sie wirtschaftlich
nicht mehr umsetzbar seien, solle eine "geordnete Rückgabe und Neuvergabe"
ermöglicht werden - ohne die Unternehmen aus ihren finanziellen
Verpflichtungen zu entlassen", sagte sie gerade der DPA.
Warum also reisen hier so namhafte Protagonisten wie Huang oder Larry Fink
von BlackRock nach Deutschland, um bedingte Investitionsversprechen
abzugeben und zum Teil die ebenfalls unbestrittenen Vorteile Deutschlands in
den Himmel zu heben?
Die kurze Antwort: wegen unserer Daten. Um das zu verstehen, muss man die
Entwicklung bei der künstlichen Intelligenz kennen. Die erste KI-Welle mit
den Sprachmodellen (LLMs) haben Deutschland und Europa bis auf wenige
Ausnahmen verpennt. Jetzt geht es um Welle 2 - die physische KI, also KI,
die Maschinen, Fabriken und Fahrzeuge versteht und steuert.
Nachdem die LLMs der ersten KI-Welle durch im Internet verfügbare
Informationen und die Erkenntnisse durch die Nutzung trainiert wurden,
benötigt man für die physische KI echte Daten, Patente und Industriewissen.
Deutschland besitzt hierzu riesige Datenschätze aus jahrzehntelanger
Maschinenbau-, Chemie- und Automobilhistorie (Telemetriedaten,
Wartungszyklen, physikalische Belastungsgrenzen).
Fehlt deutschen Unternehmen jedoch die eigene Recheninfrastruktur oder das
Software-Know-how, müssen sie ihre Daten in die Clouds der US-Hyperscaler
(wie AWS oder Microsoft) hochladen, um sie dort analysieren und mittels
ausländischer KI-Modelle verarbeiten zu lassen.
Sobald diese industriellen Datenschätze einmal durch US-Modelle geflossen
sind, fließen (vermutlich) die dort extrahierten mathematischen Muster und
physikalischen Logiken in den Besitz der Tech-Konzerne über.
Beispiele die hier Beachtung finden sollten sind das Start-Up Projekt
Prometheus die Strategie in der zweiten Welle die physische viele Daten auf
der Welt einzukaufen. Nvidia verfolgt ebenfalls in Deutschland Projekte mit
Siemens, Audi, Mercedes oder dem Freiburger Leuchtturm KI Start-Up Black
Forest Labs. Lohnt sich, diese Dinge mal zu googeln.
Vermutlich hat Deutschland aufgrund seiner rückständigen Position derzeit
keine Alternative mehr, um noch anderweitig auf die Welle zu kommen und wird
davon trotzdem in einem ordentlichen Maße profitieren können. Eine
Meisterleistung, diese Investitionsvorhaben nach Deutschland zu holen, ist
es aber im Angesicht der Realitäten aber zunächst nur bedingt. Eher kommen
die Investoren eben auch zum Know-how-Transfer und transferieren damit einen
wichtigen Teil der Wertschöpfung nach Übersee.
Aber ohne die US-Rechenleistung und deren Plattformen würden die deutschen
Daten ungenutzt auf lokalen Servern verstauben. Es ist eine Gratwanderung
zwischen Know-how-Abfluss und der überhaupt erst möglichen Modernisierung.
Spannend auch: Die Chemieindustrie hat nahezu komplett Zusagen abgelehnt.
Ausnahme Sanofi, die aber wohl gerade reichlich Förderung vom Bund und
Hessen bekommt. Talking your book!
Auf dem Summit hielt der Kanzler dann eine Rede, in der er Deutschlands
Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit angepriesen hat als ein Umfeld, das
Investoren lieben. Aber bei Merzens Bemerkung "wenn wir Deutsche um 19:00 h
zum Essen eingeladen sind, dann kommen wir um 18:58 h", sind wir dann wieder
ins Lästern zurückgefallen. Der Mann hat vermutlich schon sehr lange nicht
mehr in einem Zug der Deutschen Bahn gesessen.
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister
mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt
und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der
Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der
Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den
Börsen Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart sowie an
der Tradegate Berlin Stock Exchange. Mit Erlaubnissen zum Betreiben des
Kommissions- und Emissionsgeschäfts, des Eigenhandels, des
Platzierungsgeschäfts sowie der Anlage- und Abschlussvermittlung gehört mwb
zu den führenden, auf den börslichen und außerbörslichen Wertpapierhandel
fokussierten Wertpapierinstituten in Deutschland und ist innerhalb dieser
Peergroup besonders breit aufgestellt. Das Leistungsspektrum umfasst
Kapitalmarkttransaktionen, Listings, Zahlstellenfunktion, Designated
Sponsoring, institutionelle Kundenbetreuung im In- und Ausland sowie
Orderausführung. Mit mwb analytics ergänzt die Gesellschaft ihr Angebot um
eigenes Research für Small und Mid Caps. Im Wertpapierhandel betreut mwb gut
57.000 Orderbücher in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und offenen
Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in
Deutschland.
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mwb Wertpapierhandelsbank AG
Kai Jordan
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