Coface Deutschland / Zahlungsverzug bleibt Dauerproblem der deutschen ...
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 10:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLaut der aktuellen Zahlungserfahrungsstudie des Kreditversicherers Coface sind 82 Prozent der befragten Unternehmen im Jahr 2026 von Zahlungsverzögerungen betroffen. Das ist der höchste Wert seit 2019. Vor allem lange ĂŒberfĂ€llige Rechnungen bleiben ein erhebliches LiquiditĂ€tsrisiko. Dennoch gewĂ€hren 81 Prozent der Befragten ihren Kunden weiterhin Zahlungsziele, bitten jedoch frĂŒher zur Kasse.
Der Anteil der von Zahlungsverzug betroffenen Unternehmen ist zum fĂŒnften Mal in Folge gestiegen, von 59 Prozent im Jahr 2021 auf 82 Prozent im Jahr 2026. Besonders hĂ€ufig berichten Unternehmen aus dem Maschinenbau (92%), der Pharma- und Chemiebranche (90%) sowie der Automobilindustrie (89%) von verspĂ€teten Zahlungen. Am seltensten betroffen sind Unternehmen aus der Holz- und Möbelindustrie, hier mussten nur 54 Prozent der Befragten lĂ€nger auf ihr Geld warten. Positiv entwickelt hat sich die durchschnittliche Dauer der Zahlungsverzögerungen. Sie sank von 31,8 Tagen im Vorjahr auf 30,2 Tage.
Lange ĂŒberfĂ€llige Forderungen bleiben das gröĂte Risiko
Besonders kritisch sind nach wie vor Forderungen, die bereits zwischen sechs Monaten und zwei Jahren ĂŒberfĂ€llig sind. Der Anteil der Unternehmen, bei denen solche AuĂenstĂ€nde 2 Prozent oder mehr ihres Jahresumsatzes ausmachen, stieg von 12 auf 15 Prozent. Nach den Erfahrungen von Coface wird ein GroĂteil solcher langfristig ĂŒberfĂ€lligen Forderungen nie vollstĂ€ndig beglichen. Vor allem kleinere Unternehmen sind von diesem Risiko betroffen, da sie hĂ€ufig ĂŒber geringere finanzielle Reserven verfĂŒgen.
Besonders kritisch ist die Entwicklung im Maschinenbau. Dort stieg der Anteil der Unternehmen mit langfristig ĂŒberfĂ€lligen Forderungen binnen eines Jahres von 15 auf 31 Prozent. "Der Maschinenbau steht weiterhin unter erheblichem Druck. Die Produktion dĂŒrfte das vierte Jahr in Folge zurĂŒckgehen, wĂ€hrend die hohe ExportabhĂ€ngigkeit die Branche besonders anfĂ€llig fĂŒr geopolitische und handelspolitische Unsicherheiten macht," erklĂ€rt Coface-Volkswirt Markus Kuger. "Dass sich der Anteil kritischer Langfrist-Forderungen binnen eines Jahres mehr als verdoppelt hat, zeigt, dass sich diese Belastungen zunehmend auch in den Zahlungsrisiken niederschlagen."
Dominoeffekte nehmen zu
Als hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Zahlungsverzögerungen nennen Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten ihrer Kunden. AuffĂ€llig ist dabei die zunehmende Bedeutung von Dominoeffekten: Ein Drittel der Befragten erklĂ€rt Zahlungsprobleme damit, dass ihre Kunden selbst auf ausstehende Zahlungen warten. Dieser Wert ist innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen. "Wenn Unternehmen ihr Geld spĂ€ter erhalten, geben sie den Druck hĂ€ufig an ihre GeschĂ€ftspartner weiter und zahlen spĂ€ter, um ihre eigene LiquiditĂ€t zu schonen. Durch solche Kettenreaktionen steigen die Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette", sagt Markus Kuger. Die Folgen zeigen sich auch im Umgang deutscher Unternehmen mit Zahlungszielen.
Unternehmen wollen schneller bezahlt werden
81 Prozent der befragten Unternehmen gewĂ€hren ihren Kunden weiterhin Zahlungsziele. Dieser Wert liegt zwar leicht unter dem Vorjahresniveau von 84 Prozent, bleibt im langfristigen Vergleich jedoch hoch. Im Jahr 2020 vergaben nur 62 Prozent einen Lieferantenkredit. Gleichzeitig bitten deutsche Firmen frĂŒher zur Kasse: Die durchschnittliche Zahlungsfrist ging von 32,5 Tagen (2025) auf 30,6 Tage zurĂŒck und liegt damit auf dem niedrigsten Niveau seit 2017.
"Unternehmen achten stĂ€rker auf ihre LiquiditĂ€t und bitten frĂŒher zur Kasse. Zahlungsziele bleiben zwar fester Bestandteil vieler GeschĂ€ftsbeziehungen, werden aber tendenziell kĂŒrzer und seltener angeboten", sagt Markus Kuger. Zugleich gewinnt die Absicherung von Forderungen an Bedeutung: Bereits 21 Prozent der Befragten geben an, Zahlungsziele anzubieten, weil das Risiko durch eine Warenkreditversicherung abgesichert ist. Das ist der höchste Wert seit 2019.
Ăber die Studie
Die zehnte Auflage der Coface-Zahlungserfahrungsstudie fĂŒr Deutschland wurde zwischen Juli und August 2026 durchgefĂŒhrt. Insgesamt nahmen 503 Unternehmen aus mehr als 12 breit gefĂ€cherten Branchen an der Befragung teil.
Die vollstÀndige Studie (.pdf, ENG) HIER zum Download (https://www.coface.de/con tent/download/111896/file/2026-10%20-%20Payment%20survey%20Germany%20-%20Better% 20economic%20growth,%20poorer%20payments%20performance.pdf)
Pressekontakt:
Coface, Niederlassung in Deutschland Sebastian Knierim - Pressesprecher - Tel. 06131/323-335 mailto:sebastian.knierim@coface.com http://www.coface.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/51597/6362775 OTS: Coface Deutschland
