Staatliches Tierhaltungslogo erneut verschoben
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Bundestag beschloss mit den Stimmen der schwarz-roten Regierungsfraktionen, den schon auf 1. Januar 2027 verlegten Start der verpflichtenden Kennzeichnung abermals auf den 1. Oktober 2027 zu verschieben. Zur BegrĂŒndung hieĂ es, fĂŒr die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Reform des Systems bedĂŒrfe es mehr Zeit.
Die staatliche Kennzeichnung war nach mehreren gescheiterten AnlĂ€ufen 2023 von der Ampel-Koalition per Gesetz beschlossen worden. Sie soll Kunden beim Fleischkauf mehr Klarheit ĂŒber die Bedingungen in den StĂ€llen bringen. Der zum 1. August 2025 vorgesehene Start zuerst fĂŒr Schweinefleisch in SupermĂ€rkten wurde von Union und SPD aber auch auf Bitten der LĂ€nder verlegt - erst auf den 1. MĂ€rz 2026, dann auf 1. Januar 2027, nun folgt die dritte Verschiebung.
Koalition will Logo ĂŒberarbeiten
Die vorgesehene grundlegende Reform des Tierhaltungslogos gestaltete sich zuletzt schwierig. Im Fokus steht, es nicht nur in SupermĂ€rkten, sondern auch in Restaurants einzufĂŒhren. AuĂerdem soll Fleisch aus dem Ausland in die bisher nur fĂŒr inlĂ€ndische Erzeugnisse geltende Kennzeichnungspflicht einbezogen werden. Dagegen meldete aber inzwischen die EU-Kommission EinwĂ€nde an.
Das System hat fĂŒnf Kategorien von der Stufe "Stall" mit den gesetzlichen Mindestanforderungen bis zu "Bio". Bereits seit 2019 gibt es eine freiwillige eigene Kennzeichnung der Supermarktketten. Sie hat inzwischen die gleichen Stufen und umfasst schon Fleisch von Schweinen, Rindern und GeflĂŒgel.
Lösung fĂŒr grĂŒnes Licht der EU möglich?
Der SPD-Fachpolitiker Jens Behrens sagte, die verlĂ€ngerte Frist verschaffe die nötige Zeit, um den Dialog mit der EU-Kommission fortzusetzen. "AuslĂ€ndische Ware verpflichtend einzubinden, ist eine besondere Herausforderung. Das war uns von Anfang an bewusst." Die Kommission habe aber schon Lösungswege aufgezeigt. Unions-Agrarpolitikerin Christina Stumpp (CDU) wies auf einen ansonsten verzerrten Wettbewerb zulasten inlĂ€ndischer Erzeuger hin. Sie Ă€uĂerte sich zuversichtlich, zu einer praxistauglichen Lösung zu kommen.
Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten bedauerte die erneute Verschiebung. Sie begrĂŒĂte aber, dass an der Kennzeichnung festgehalten werde. Jetzt mĂŒssten Schwachstellen beseitigt und mehr Transparenz geschaffen werden, welche Standards sich hinter den "nichtssagenden Begriffen" der Haltungsstufen verbergen. Der Deutsche Bauernverband hatte das Aus fĂŒr die Kennzeichnung verlangt, da man das Vertrauen in eine echte Neugestaltung verloren habe.
