Starkes PharmageschĂ€ft stimmt Bayer optimistischer fĂŒr 2026
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Neu: Im vorletzten und letzten Absatz wurden ĂuĂerungen aus der Videokonferenz zu den Resultaten ergĂ€nzt: Glyphosat-Vergleich-Timing und PCB)
LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Gute GeschĂ€fte der Pharmasparte mit vergleichsweise neuen Medikamenten stimmen Bayer DE000BAY0017 optimistischer fĂŒr das laufende Jahr. "Wir haben bei der Wachstumsentwicklung von Pharmaceuticals inzwischen einen Wendepunkt erreicht, und wir sehen, dass es aufwĂ€rts geht", sagte der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson am Dienstag zur Vorlage der Resultate des dritten Quartals. An der Börse kamen die GeschĂ€ftszahlen und der neue Ausblick gut an. Der Aktienkurs stieg am spĂ€ten Vormittag um rund vier Prozent auf gut 52 Euro und nĂ€herte sich damit wieder dem Mehrjahreshoch von fast 54 Euro aus dem Sommer an.
Der Umsatz mit Nubeqa, einem Mittel gegen Prostatakrebs, wuchs im dritten Quartal um mehr als die HĂ€lfte auf knapp eine Milliarde Euro. Das Mittel hat sich schon vor einer Weile zum umsatzstĂ€rksten Medikament von Bayer gemausert. Kerendia, das zum Schutz von Nieren und Herz eingesetzt wird, wuchs noch etwas deutlicher auf Erlöse von 374 Millionen Euro, womit es nur noch knapp hinter dem einstigen Kassenschlager Xarelto liegt. Der Umsatz mit dem Blutgerinnungshemmer bricht wegen auslaufender Patente schon lĂ€nger StĂŒck fĂŒr StĂŒck weg.
Derweil bleiben die Perspektiven fĂŒrs PharmageschĂ€ft gut. Erst jĂŒngst wurde der Gerinnungshemmer Asundexian zur SekundĂ€rprĂ€vention von SchlaganfĂ€llen unter dem Markennamen Sunharbo in China zugelassen. In den USA dĂŒrfte die Zulassung bald erfolgen. Experten trauen dem Mittel ebenfalls sehr hohe UmsĂ€tze zu.
Alles in allem steigerte die Pharmasparte im Berichtszeitraum den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 1,29 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftete der GeschĂ€ftsbereich den GroĂteil des operativen Konzerngewinns, der um rund 7 Prozent auf knapp 1,62 Milliarden Euro anzog.
Dagegen fiel das operative Ergebnis in der Agrarsparte im saisonal weniger bedeutenden dritten Jahresviertel um mehr als 40 Prozent auf 101 Millionen Euro. Grund waren höhere Herstellungs- sowie Vertriebskosten. Das GeschĂ€ft mit rezeptfreien Medikamenten verzeichnete einen leichten ErgebnisrĂŒckgang auf 347 Millionen Euro.
FĂŒr das Gesamtjahr rechnet Bayer-Chef Anderson nun mit einem um Sonder- und WĂ€hrungseffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro. Das sind an beiden Enden der Spanne jeweils 200 Millionen Euro mehr als zuvor. Inklusive Wechselkurseffekten stehen 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro im Plan, nach bisher 9,4 bis 9,9 Milliarden. Analysten rechnen aktuell mit 9,7 Milliarden Euro als operatives Ergebnis im laufenden Jahr.
Zudem erwartet Bayer jetzt einen Abfluss freier Finanzmittel (Free Cashflow) von 1,5 bis 0,5 Milliarden Euro, statt 2,5 bis 1,5 Milliarden. Damit einhergehend rechnet das Unternehmen zum Jahresende mit einer niedrigeren Nettofinanzverschuldung von 28,0 bis 29,0 Milliarden Euro, das sind jeweils eine Milliarde Euro weniger als bisher angedacht.
Den Umsatzausblick fĂŒr 2026 bestĂ€tigte Bayer. WĂ€hrungsbereinigt sollen es 45 bis 47 Milliarden Euro werden; inklusive Wechselkurseffekten 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro. In den drei Monaten bis Ende September stiegen die Erlöse im Jahresvergleich nominal um gut 4 Prozent auf 10,05 Milliarden Euro. Unter dem Strich fiel ein Nettoverlust von 672 Millionen Euro an, nach einem Minus von 963 Millionen Euro vor einem Jahr. Beim Verlust spielen auch Wertminderungen in der Sparte Consumer Health sowie Aufwendungen fĂŒr Rechtsstreitigkeiten eine Rolle.
Im Fokus bleibt beim Konzern zudem, die finanziellen Risiken durch die US-Rechtsstreitigkeiten rund um mögliche Krebsrisiken durch glyphosathaltige Unkrautvernichter einzudÀmmen. Kern ist ein breit angelegter Sammelvergleich, dem ein Richter noch zustimmen muss. Wie Anderson in einer Telefonkonferenz sagte, rechne er bis Weihnachten mit einer Entscheidung.
Im Rahmen des Vergleichs wĂŒrde Bayer bis zu 21 Jahre lang abnehmende, gedeckelte jĂ€hrliche Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar (6,5 Mrd Euro) leisten. Damit der Vergleichsplan greift, muss auch ein GroĂteil der KlĂ€ger zustimmen, im Grunde fast alle, wie Anderson schon im Februar bei der Vorstellung des Plans betont hatte.
Zudem ist Bayer weiterhin mit Klagen im Zusammenhang mit der seit Jahrzehnten verbotenen Umweltchemikalie PCB konfrontiert. Diese Rechtsstreitigkeiten seien vielschichtiger, so Anderson in seiner Rede vom Dienstag. "Unsere Strategie berĂŒcksichtigt das, indem wir uns entweder entschlossen verteidigen oder Vergleiche eingehen. In den kommenden Quartalen erwarten wir mehr rechtliche Verfahren und werden im besten Interesse des Unternehmens handeln."
