UKSH-Chef sieht bei Krankenhausreform viele offene Fragen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 11:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Wir wissen noch nicht um die konkreten Auswirkungen der Reform", sagte Scholz der Deutschen Presse-Agentur in Kiel. "Dazu kommt nun noch ein erheblicher finanzieller Druck durch ein Spargesetz - das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz - das vor allem UniversitÀtsklinika hart trifft." Ob die Reformen tatsÀchlich eine Struktur schaffen, die auf den demografischen Wandel und fehlende Investitionen antwortet, bleibe jedoch unklar.
Die Krankenhausreform sieht vor, dass Kliniken Leistungen nur noch anbieten und abrechnen dĂŒrfen, wenn sie die jeweiligen QualitĂ€tskriterien erfĂŒllen, etwa in Bezug auf Personal, Ausstattung und Fallzahlen. Dadurch sollen Kosten gesenkt und die QualitĂ€t der Versorgung erhöht werden. Als Folge spezialisieren sich Kliniken und schlieĂen Angebote.
Dabei sei der Bund den LĂ€ndern bei der Umsetzung schon stark entgegenkommen, sagte Scholz. So könnten diese bis Jahresende die Leistungsgruppen den KrankenhĂ€usern zuweisen und zunĂ€chst jede gewĂŒnschte Ausnahme genehmigen. Diese Gruppen entscheiden laut Gesundheitsministerium darĂŒber, welche Angebote die Kliniken machen.
Der UKSH-Chef kritisierte jedoch, dass bisher nicht klar sei, welches Haus welche Leistungen erbringen mĂŒsse. Das liege am Datenschutz, Informationen ĂŒber Leistungsgruppen wĂŒrden mit Hinweis darauf nicht transparent gemacht. Klarheit erwarte er erst zwischen Weihnachten und Silvester. Das Gesetz tritt dann im Januar 2027 in Kraft. "Insofern ist da noch viel Blackbox", betonte er.
Zweifel an Versorgungsregionen
Ăberdies plant das Land nach Angaben des Ministeriums mit sechs Versorgungsregionen. Die orientierten sich nicht nur an geografischen Grenzen oder Verwaltungsgrenzen, sondern auch an tatsĂ€chlichen Patientenströmen.
So umfasst die Versorgungsregion SĂŒd-West etwa die Kreise Pinneberg und Steinburg sowie Norderstedt, das als viertgröĂte Stadt des Landes zum Kreis Segeberg gehört. Im Mittelpunkt stehe dabei das Klinikum Itzehoe. Patienten hĂ€tten aber auch nach Umsetzung der Krankenhausreform die freie Wahl eines Krankenhauses.
Scholz zweifelt daran, ob ein Land mit 2,8 Millionen Einwohnern sechs Versorgungsregionen benötigt. Er wundere sich zudem, warum Rendsburg zur Region Flensburg gehöre. "Es ist ja sehr unrealistisch, dass jemand aus Rendsburg nach Flensburg fĂ€hrt, um sich behandeln zu lassen. Eher kommen diese Menschen natĂŒrlich zu uns nach Kiel, wenn sie in Rendsburg nicht versorgt werden können", sagte Scholz. Ebenso irritiere ihn, dass Ostholstein nicht dem UKSH-Standort LĂŒbeck zugeordnet sei.
Finanzielle Fragen
Nach Angaben des UKSH-Vorstandschefs erhöht das GKV-Beitragstabilisierungsgesetz, das im Juli in Kraft getreten ist, die finanzielle Belastung der KrankenhĂ€user weiter. "Der Verband der UniversitĂ€tsklinika hat fĂŒr die Unikliniken, die jetzt schon mit einer Milliarde Euro defizitĂ€r sind, ausgerechnet, dass 2027 etwa eine weitere Milliarde an strukturellem Defizit dazukommt", sagte Scholz. Deshalb sei zu erwarten, dass sich die Lage der Kliniken, die bereits schlechte Zahlen schrieben, noch einmal verschlechtere.
Das Beitragstabilisierungsgesetz ist ein Sparpaket, das Ausgabenbremsen in Milliardenhöhe fĂŒr Praxen, Kliniken, Apotheken und die Pharmabranche vorsieht. Zugleich bringt es höhere Zuzahlungen und Einschnitte fĂŒr Versicherte. Das soll die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr um Milliarden entlasten und neue Erhöhungen der ZusatzbeitrĂ€ge verhindern.
Angesichts der finanziellen Lage hofft man Scholz zufolge, dass die Krankenhausreform dazu fĂŒhrt, dass wieder mehr Kliniken schwarze Zahlen schreiben. "Man kann sich ja vorstellen: Momentan haben wir grob 120 Milliarden Euro in einem Topf, und die werden verteilt auf 1.800 KrankenhĂ€user, davon sind etwa 80 Prozent defizitĂ€r", sagte er.
"Angenommen, man hÀtte 300, 400, 500 oder 600 HÀuser weniger und hat 120 Milliarden, dann sind wieder mehr HÀuser bei einem positiven Ergebnis." Das sollte die Reform bewirken. Zum Januar 2027 tue sie das aber nicht. "Aber die finanziellen Belastungen sind eben da."
