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Trotz Krisenzeiten: Chancen bei ausgewÀhlten Risikoassets

09.06.2026 - 10:00:04 | dgap.de

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Emittent / Herausgeber: Union Investment / Schlagwort(e): Marktbericht/Sonstiges


09.06.2026 / 10:00 CET/CEST
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Megatrend KI dominiert geopolitische Risiken EuropĂ€isches Wachstum verlangsamt sich, USA wachsen robust KI als wesentlicher Treiber der AktienmĂ€rkte Unternehmensanleihen bleiben gut unterstĂŒtzt Frankfurt am Main, 9. Juni 2026 – Trotz des Konflikts im Nahen Osten zeigt sich die Weltwirtschaft bislang widerstandsfĂ€hig. Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement und CIO fĂŒr liquide Assets bei Union Investment, sieht durch die AngebotsengpĂ€sse insbesondere bei Öl und FlĂŒssiggas nur vorĂŒbergehend dĂ€mpfende Auswirkungen auf die Wachstumsperspektiven, vor allem in Europa. FĂŒr Investoren gibt es gleichwohl Chancen bei selektiven Anlageklassen. „Die AktienmĂ€rkte in den USA, aber auch in Europa, werden durch eine solide Gewinndynamik unterstĂŒtzt“, sagt Schmidt. OpportunitĂ€ten sieht er darĂŒber hinaus bei Unternehmensanleihen guter BonitĂ€t. Europa spĂŒrt aktuell die Auswirkungen der vielfĂ€ltigen geopolitischen Krisen und der erhöhten Energiepreise, erklĂ€rt Schmidt. Gleichwohl hat die Wirtschaft den Angebotsschock bei Energie gut weggesteckt. Das fehlende Öl aus dem Nahen Osten konnte durch die höhere Produktion in anderen Staaten und den Zugriff auf die Lager zu einem Großteil ersetzt werden. Das hat den Anstieg der Rohölpreise begrenzt. Allerdings weist Schmidt darauf hin, dass diese Lösung nicht dauerhaft sein kann. „Im Status quo geraten wir in den Sommermonaten in eine kritische Lagersituation“, erklĂ€rt der Stratege. „Unsere Erwartung ist aber, dass fĂŒr die Sperrung der Straße von Hormus eine Lösung gefunden wird, bevor das Angebot durch die leeren Lager bedenklich knapp wird.“ Auch deshalb dĂŒrfte Deutschland ein weiteres Jahr des Nullwachstums erspart bleiben. „Wir rechnen nicht damit, dass die Eurozone aufgrund der hohen Energiepreise in eine Rezession rutscht“, erklĂ€rt Schmidt. Unter dem Strich sollte die Wirtschaft in Deutschland im Gesamtjahr um 0,8 Prozent und damit ebenso stark wie die Eurozone zulegen. FĂŒr die USA erwarten die Experten von Union Investment aufgrund ihrer Energieautonomie und getrieben von dem Megatrend der KĂŒnstlichen Intelligenz ein Wachstum von 2,3 Prozent. Allerdings schrĂ€nkt Schmidt ein: „Wenn die Straße von Hormus lĂ€nger gesperrt bleibt, werden die wirtschaftlichen Folgen im zweiten Halbjahr gravierend ausfallen.“ Dann könnte der Ölpreis dauerhaft und deutlich ĂŒber die Schwelle von 120 US-Dollar pro Fass und höher steigen und auch die AktienmĂ€rkte in Mitleidenschaft ziehen. Keine Zweitrundeneffekte in Europa Die Geldpolitik kann den Angebotsschock nicht direkt bekĂ€mpfen. Ihre Aufgabe besteht darin, mögliche Zweitrundeneffekte und die langfristigen Inflationserwartungen im Blick zu behalten. Steigen diese an, geraten die Notenbanken in ein Dilemma. Einerseits mĂŒssen sie die Inflationserwartungen im Zaum halten, andererseits dĂŒrfen sie das durch den Angebotsschock gedĂ€mpfte Wachstum nicht zusĂ€tzlich mit Zinserhöhungen belasten. „Ein Drahtseilakt ist die Situation insbesondere fĂŒr die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB), da ihr Mandat ausschließlich der PreisstabilitĂ€t gilt“, so Schmidt. Der Stratege geht davon aus, dass weder Europa noch die USA vor einem neuen Zinserhöhungszyklus stehen. Die Situation ist fĂŒr ihn nicht mit der von 2022 vergleichbar, als eine hartnĂ€ckige Inflation zu markanten Zinserhöhungen gefĂŒhrt hat. Als Absicherung gegen höhere Inflationserwartungen dĂŒrfte die EZB aber zeitnah ein bis zwei Zinsschritte vornehmen, erklĂ€rt Schmidt. Die US-Notenbank hingegen wird trotz der gestiegenen Teuerung gegen Ende des Jahres einen leicht expansiveren Kurs einschlagen. Der Grund liegt in dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der fest an zukĂŒnftige ProduktivitĂ€tszuwĂ€chse durch die KĂŒnstliche Intelligenz glaubt, sagt Schmidt. Die Experten von Union Investment rechnen mit zwei Zinssenkungen der Fed im Winterhalbjahr 2026/27. Das Ergebnis der Zwischenwahlen zum US-Kongress im November wird nach EinschĂ€tzung Schmidts das Handeln von US-PrĂ€sident Donald Trump kaum beeinflussen. Zwar haben die Demokraten gute Chancen, die Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus und eventuell sogar im Senat zu erobern. Die Karten im politischen Handeln in Washington werden dadurch jedoch nicht neu gemischt. Der US-PrĂ€sident hat in den vergangenen Monaten wiederholt gezeigt, wie man Politik am Kongress vorbei macht, erklĂ€rt Schmidt. KI bleibt zentraler Faktor am Aktienmarkt Am globalen Aktienmarkt bleibt das Thema „KĂŒnstliche Intelligenz“ (KI) als wesentlicher Treiber bestehen. Das Gewinnwachstum ist in der Breite gut, aber KI dominiert die MĂ€rkte allen geopolitischen Unsicherheiten zum Trotz. „Die großen Namen wie Nvidia, Meta und Alphabet investieren weiter großvolumig, ganz unabhĂ€ngig davon, ob ein Fass Öl nun 80 oder 120 US-Dollar kostet“, betont Schmidt. Daher bleibe der US-Markt fĂŒr Investoren derzeit besonders attraktiv. Allerdings gelte es zu differenzieren, welche Tech-Konzerne von der KI wirklich profitieren, und bei welchen Namen ein Disruptionsrisiko besteht. Die KI-Gewinner, etwa aus der Halbleiterbranche, hĂ€tten zwar ein erhöhtes Bewertungsniveau erreicht, rĂ€umt Schmidt ein. „Die erhöhten Bewertungen werden allerdings durch die Gewinne und die Ertragsperspektiven gerechtfertigt“, so Schmidt. Die anstehenden BörsengĂ€nge von SpaceX und OpenAI dĂŒrften ein Schlaglicht darauf werfen, ob die Investoren weiter bereit sind, große Mengen Kapital in KI-Konzerne zu investieren, oder ob es erste Anzeichen fĂŒr eine AbkĂŒhlung gibt. Mit Blick auf diesen Megatrend lohne es sich allerdings auch, gezielt in den SchwellenlĂ€ndern zu investieren. „Gerade in Asien finden sich viele Gewinner der großen KI-Investitionen“, sagt Schmidt. In Europa werden die MĂ€rkte hingegen eher von hohen Energiepreisen belastet – sowohl ĂŒber die Gewinnsituation der einzelnen Unternehmen als auch ĂŒber den konjunkturellen Ausblick insgesamt. Schmidt plĂ€diert deshalb fĂŒr ein hohes Maß an Sorgfalt bei der Titelselektion. GrundsĂ€tzlich spreche nach wie vor einiges fĂŒr zyklische Unternehmen. Ein Augenmerk sollte vor allem auf Namen mit starker Marktstellung und Preissetzungsmacht gelegt werden. „Diese Adressen sind in der Lage, die gestiegenen Kosten auch bei einer erhöhten Teuerung an die Kunden weiterzuleiten und ihre Margen zu schĂŒtzen“, erklĂ€rt Schmidt. GrundsĂ€tzlich sei aber die Lage der europĂ€ischen Unternehmen robust und die Gewinndynamik trotz der vielfĂ€ltigen geopolitischen Krisenherde nach wie vor intakt. Gleichzeitig beobachtet der Experte einen erhöhten Bewertungsabschlag bei europĂ€ischen Namen gegenĂŒber ihren US-Pendants. Dieser sollte abschmelzen, wenn die Lage im Nahen Osten sich in den kommenden Monaten wieder beruhigt und die Energiepreise sich normalisieren. Unternehmensanleihen bleiben gut unterstĂŒtzt An den RentenmĂ€rkten bleiben Unternehmensanleihen mit guter bis sehr guter BonitĂ€t (Investment Grade) gut unterstĂŒtzt, allerdings aufgrund der gesunkenen RisikoaufschlĂ€ge mit begrenztem Kurspotenzial. Bei Staatsanleihen wirken die steigenden Nettoemissionsvolumina aufgrund der hohen öffentlichen Investitionen und der Haushaltsdefizite belastend. „Gegen Staatsanleihen spricht, dass die Zentralbanken als KĂ€ufer wegfallen, weil die großen Ankaufprogramme nicht weitergefĂŒhrt werden“, sagt Schmidt. Hinzu komme eine BonitĂ€tsverschiebung von Staaten zu Unternehmen. „Die Staatsverschuldung steigt tendenziell an, wĂ€hrend die Unternehmensverschuldung stabil ist.“ In diesem Umfeld haben Unternehmensanleihen guter BonitĂ€t fĂŒr viele Investoren die Rolle der Staatspapiere ĂŒbernommen. Unternehmensanleihen sind eine Art neuer ‚sicherer Hafen‘. Angesichts der steiler werdenden Zinsstrukturkurven rĂ€t Schmidt zu Papieren im mittleren Laufzeitensegment. Gerade bei langlaufenden Staatsanleihen drohen Kursverluste den Kupon aufzuzehren. Bei der LĂ€nderallokation bevorzugt der Stratege aufgrund der positiveren Ratingdynamik die Euro-Peripherie gegenĂŒber deutschen Staatspapieren. Zum Jahresende sollte die Rendite der zehnjĂ€hrigen Bundesanleihe bei 3,25 Prozent liegen. US-Treasuries mit gleicher Laufzeit rentierten dann bei 4,75 Prozent. Irankrieg treibt Preise fĂŒr Energierohstoffe nach oben Der Krieg im Nahen Osten und die daraus resultierende Schließung der Straße von Hormus haben zu einem historischen Angebotsausfall bei Öl und FlĂŒssiggas gefĂŒhrt, erlĂ€utert Schmidt. Die Freigabe strategischer Reserven kann die ProduktionskĂŒrzungen in der Golfregion nur in Teilen abfedern. Selbst bei einer schnellen Einigung der Konfliktparteien dĂŒrfte aufgrund von SchĂ€den an der Infrastruktur sowie einer nur langsamen Bereinigung der logistischen und produktionstechnischen Verwerfungen noch ĂŒber einige Monate mit einem geringeren Angebot zu rechnen sein. Gleichwohl dĂŒrften Öl und verflĂŒssigtes Erdgas wieder gĂŒnstiger werden, sobald sich die Situation im Persischen Golf wieder beruhigt hat. Schmidt rechnet zum Jahresende mit einem Ölpreis von 85 US-Dollar pro Fass der Sorte Brent „Das gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Straße von Hormus ab den Sommermonaten wieder befahrbar ist“, erlĂ€utert Schmidt. Bei Industriemetallen rĂŒcken Konjunktursorgen in den Fokus und sorgen tendenziell fĂŒr rĂŒcklĂ€ufige Preise. Teilweise gleichen aber AngebotsausfĂ€lle durch den Nahost-Konflikt diesen Trend aus, etwa im Falle von Kupfer und Nickel, deren Produzenten auf SchwefelsĂ€ure aus der Region angewiesen sind. Langfristig ĂŒberwiegen aber die positiven Vorzeichen aufgrund der Elektrifizierung und der Energiewende. Bei den Edelmetallen sieht Schmidt nur noch begrenzten Spielraum. „Der Goldpreis liegt trotz der Korrektur im ersten Halbjahr auf einem sehr hohen Niveau und deutlich ĂŒber den Förderkosten“, erklĂ€rt Schmidt. Das werde zu einer Ausweitung der FörderkapazitĂ€t und sinkenden Notierungen fĂŒhren. Umsichtige Selektion und Diversifikation sind unabdingbar Unter dem Strich bieten die KapitalmĂ€rkte nach wie vor mehr Chancen als Risiken. „Der Kapitalmarkt gewöhnt sich an Risiken – aktuell steckt der Markt die geopolitische Krisenlage gut weg“, so Schmidt. „Wir blicken auf drei starke Kapitalmarktjahre in Folge zurĂŒck und befinden uns schon mitten im vierten.“ Allerdings sollten Investoren wachsam sein. Der fundamentalen Analyse und der umsichtigen Selektion kommen in der aktuell angespannten Marktphase mit vielen Unsicherheitsfaktoren eine besondere Rolle zu. „Wer genau hinschaut und die Risiken bewusst managt, kann allen geopolitischen Störfeuern zum Trotz nach wie vor auskömmliche ErtrĂ€ge erzielen“, sagt Schmidt. Angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren sei es allerdings unabdingbar, die Geldanlage ĂŒber mehrere Assetklassen und Regionen zu diversifizieren, um etwaige RĂŒcksetzer abfedern zu können.


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