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USA ziehen letzte Soldaten aus Irak ab - Machtvakuum droht

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 14:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

BAGDAD/WASHINGTON - Das US-MilitÀr ist vollstÀndig aus dem Irak abgezogen.

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BAGDAD/WASHINGTON (dpa-AFX) - Das US-MilitĂ€r ist vollstĂ€ndig aus dem Irak abgezogen. Die letzten US-Soldaten hĂ€tten das Land verlassen, teilte das Pentagon mit. Damit endet eine Zeit von teils heftig umstrittenen US-MilitĂ€reinsĂ€tzen in dem Land im Nahen Osten, mit denen der frĂŒhere Machthaber Saddam Hussein gestĂŒrzt und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekĂ€mpft wurde.

"Dieser Meilenstein spiegelt den Erfolg einer zwölfjĂ€hrigen Kampagne wider, durch die der IS als organisierte militĂ€rische Bedrohung im Irak und in der gesamten Region besiegt wurde", hieß es in der Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums, das unter PrĂ€sident Donald Trump inzwischen Kriegsministerium heißt.

Die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung fĂŒr die BewĂ€ltigung der sicherheitspolitischen Herausforderungen im Land, teilte das Pentagon weiter mit. Dazu zĂ€hlten die verbliebenen IS-Strukturen sowie mit dem Iran verbĂŒndete Milizen, die nach US-EinschĂ€tzung die irakische SouverĂ€nitĂ€t und die StabilitĂ€t in der Region untergraben.

Iraks MinisterprÀsident: Kampf gegen Terrorismus geht weiter

"Das Ende der Mission der internationalen Koalition bedeutet nicht das Ende unseres Kampfes gegen den Terrorismus", sagte der irakische MinisterprĂ€sident Ali al-Saidi in einer Rede anlĂ€sslich der Feiern zum "Tag der UnabhĂ€ngigkeit" in Bagdad. Vielmehr markiere es den Übergang in eine Phase, in welcher der Irak "die volle Verantwortung fĂŒr seine eigene Sicherheit und StabilitĂ€t" ĂŒbernehme.

Die mit dem Iran verbĂŒndete Miliz Asaib Ahl al-Hak bezeichnete den Abzug der US-Truppen in einer Mitteilung als Erfolg und als Ergebnis des "Widerstands gegen die auslĂ€ndische MilitĂ€rprĂ€senz im Land". Die Miliz drĂ€ngte die irakische Regierung, ihre BemĂŒhungen um ein Ende der PrĂ€senz aller auslĂ€ndischen StreitkrĂ€fte - besonders der im Nordirak stationierten tĂŒrkischen Truppen - fortzusetzen.

Die ebenfalls mit dem Iran verbĂŒndete Miliz Kataib Hisbollah drohte unterdessen mit neuer Gewalt. Sie werde die Regierung von MinisterprĂ€sident Ali al-Saidi "mit allen Mitteln" stĂŒrzen, wenn diese gegen die "Interessen des Volkes" handeln sollte, teilte die Miliz mit. In einer Mitteilung drohte sie auch damit, "feindliche Flugzeuge" im irakischen Luftraum notfalls abzuschießen.

Der einflussreiche schiitische Geistliche Muktada al-Sadr forderte in einer Mitteilung von den USA Wiedergutmachung fĂŒr die SchĂ€den, die durch die Besetzung irakischen Territoriums entstanden seien. Er warnte die USA und die NachbarlĂ€nder des Iraks davor, sich in irakische Angelegenheiten einzumischen.

Abzug von rund 2.500 verbleibenden Soldaten

In den vergangenen Jahren waren nach Angaben des Pentagons noch rund 2.500 US-Soldaten im Irak stationiert. Zuletzt verblieben sie noch in Erbil in der Kurdenregion, an einem StĂŒtzpunkt in der NĂ€he des Flughafens von Bagdad und im Regierungsviertel der Hauptstadt, bekannt als GrĂŒne Zone. Örtliche Medien berichteten, dass in den vergangenen Wochen unter anderem Flugabwehrsysteme verlegt worden seien. Die irakische Regierung hatte den vollstĂ€ndigen Abzug der US-Truppen bereits am Sonntag vermeldet.

Seit 2014 fĂŒhrten die USA im Irak und in Syrien mit verbĂŒndeten Staaten den Kampf gegen den IS, der dort 2017 beziehungsweise 2019 fĂŒr militĂ€risch besiegt erklĂ€rt wurde. IS-Zellen sind weiterhin aktiv und verĂŒben vereinzelt auch AnschlĂ€ge. Die sunnitische Terrororganisation hat aber die großen Gebiete verloren, die sie einst in beiden LĂ€ndern kontrollierte.

USA und Iran tragen ihren Konflikt schon lange im Irak aus

Die USA wie auch der Iran tragen ihren Konflikt in der Region schon lange im Irak aus und standen dabei immer wieder am Rande eines Kriegs. 2020 töteten die USA den mĂ€chtigen iranischen General Ghassem Soleimani sowie den AnfĂŒhrer der Miliz Kataib Hisbollah, Abu Mahdi al-Muhandis, bei einem Drohnenangriff in Bagdad. Es folgten wochenlange militĂ€rische Spannungen.

Mit dem laufenden Iran-Krieg, den die USA Ende Februar gemeinsam mit Israel begannen, hat sich die Sicherheitslage auch im Irak erneut verschlechtert. Das arabische Land, das etwa vier Prozent des weltweiten Ölbedarfs produziert, wurde dabei immer wieder Schauplatz von Angriffen. Die mit dem Iran verbĂŒndeten Milizen griffen dabei unter anderem die US-Botschaft in Bagdad und den StĂŒtzpunkt Erbil an, der von US-Truppen wie auch der Bundeswehr genutzt wird. Das US-MilitĂ€r griff seinerseits Ziele der Milizen im Irak an.

Geplante Entwaffnung von Milizen um Monate verschoben

Eigentlich sollten die mĂ€chtigen, mit dem Iran verbĂŒndeten Milizen im Land parallel zum US-Truppenabzug entwaffnet und in den staatlichen Sicherheitsapparat eingegliedert werden. Der von MinisterprĂ€sident al-Saidi angekĂŒndigte Schritt wurde dann aber aufgeschoben und soll nun im Juni kommenden Jahres stattfinden. Die mĂ€chtigsten Milizen im Land lehnen eine Entwaffnung bisher ab. Wird der Schritt gewaltsam umgesetzt, könnte dies eine neue Phase schwerer Gewalt zwischen den Gruppierungen auslösen.

Auch Saudi-Arabien wurde im laufenden Krieg aus dem Irak angegriffen, wobei eine wichtige Öl-Pipeline in dem Königreich beschĂ€digt wurde. Besondere Sorge vor Angriffen besteht mit dem US-Abzug in der Kurdenregion, die im Iran-Krieg bereits stark unter Beschuss geriet. Im Irak sind Berichten zufolge auch die jemenitische Huthi-Miliz und die libanesische Hisbollah aktiv.

Abzug 2011 und RĂŒckkehr 2014

2003 waren die USA mit VerbĂŒndeten trotz internationaler Kritik im Irak einmarschiert, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stĂŒrzen. Die USA und ihr damaliger PrĂ€sident George W. Bush begrĂŒndeten die Invasion seinerzeit damit, dass die Regierung in Bagdad Massenvernichtungswaffen anstrebe. Diese Behauptung stellte sich spĂ€ter als falsch heraus. Nach einem Abzug 2011 kehrte das US-MilitĂ€r 2014 auf Bitten der irakischen Regierung zurĂŒck, um den IS zu bekĂ€mpfen.

Am Einsatz gegen den IS war seit 2015 auch die Bundeswehr beteiligt, unter anderem durch die Ausbildung von Soldaten. Das aktuelle Mandat fĂŒr den Einsatz mit bis zu 500 KrĂ€ften lĂ€uft bis kommenden Januar. Außenminister Johann Wadephul erwartet aber, dass die Bundeswehr auch nach Ende des multinationalen Einsatzes in Erbil prĂ€sent bleiben könnte.

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