StÀnderat, Versorgungskrise

StÀnderat riskiert Versorgungskrise bei Medikamenten

04.03.2025 - 14:45:00

Basel - Mit einem faulen «Kompromiss» gibt der StĂ€nderat jegliche Mitsprache des Parlaments bei der PreisĂŒberprĂŒfung von Medikamenten aus der Hand und öffnet damit TĂŒr und Tor fĂŒr BeamtenwillkĂŒr. Das schadet der Planbarkeit fĂŒr die Pharmaunternehmen und somit dem Pharmastandort schwer. Das Umsetzen von Mengenrabatten auf innovativen Medikamenten bedroht die schon heute gefĂ€hrdete Versorgung der Patientinnen und Patienten noch zusĂ€tzlich. Die Industrie erteilt weiteren SparĂŒbungen eine Absage: Die Schmerzgrenze fĂŒr die Versorgung der Patientinnen und Patienten sowie fĂŒr den Pharmastandort Schweiz ist erreicht.

Der StĂ€nderat hat die Differenzbereinigung am KostendĂ€mpfungspaket 2 (KP2) weitergefĂŒhrt. Interpharma, der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in der Schweiz, hat sich wĂ€hrend des gesamten parlamentarischen Prozesses konstruktiv und lösungsorientiert eingebracht: Stets mit dem Ziel vor Augen, die Versorgung der Schweizer Patientinnen und Patienten mit innovativen Arzneimitteln zu gewĂ€hrleisten und gleichzeitig das Gesundheitswesen nachhaltig finanzierbar zu halten. Nebst den regelmĂ€ssigen Preissenkungen, die jĂ€hrlich wiederkehrende Einsparungen von 1.5 Milliarden Franken bringen, steuert die Pharmabranche zahlreiche weitere BeitrĂ€ge zur KostendĂ€mpfung im Gesundheitswesen bei. Mit dem KP2 kommen mehrere hundert Millionen Franken dazu, konkret etwa mit dem Umsetzen von Kostenfolgemodellen.

René Buholzer, CEO von Interpharma, sagt:

«Das aktuelle KostendĂ€mpfungspaket 2 ist die sechste Vorlage zur Kostensenkung innerhalb von nur vier Jahren, ohne die drĂ€ngenden Probleme bei Zugang und Versorgung der Patientinnen und Patienten anzugehen. Schon heute ist es ratsamer, in Konstanz anstatt in Kreuzlingen zu wohnen, weil fĂŒr eine Patientin oder einen Patienten in der Schweiz rund die HĂ€lfte der neuen innovativen Arzneimittel nicht verfĂŒgbar sind. Die Politik muss den Fokus nun auf den bedrohten Patientenzugang legen.»

StÀnderat verpasst gangbaren Kompromiss

Diese Mengenrabatte auf Medikamente sind fĂŒr den Pharmastandort Schweiz problematisch und gefĂ€hrden die Versorgung der Patientinnen und Patienten zusĂ€tzlich. Die Industrie hat im Sinne eines einschneidenden Kompromisses Hand geboten, sofern im Gegenzug das veraltete System der Preisbildung modernisiert und die schlechte Zugangssituation deutlich verbessert wird. Mit dem heutigen Entscheid hat der StĂ€nderat einen Schritt in diese Richtung verpasst:

Bei der dreijĂ€hrlichen ÜberprĂŒfung wird jedes Jahr jeweils rund ein Drittel aller Medikamente auf der SpezialitĂ€tenliste auf die WZW-Kriterien (Wirksamkeit, ZweckmĂ€ssigkeit, Wirtschaftlichkeit) hin ĂŒberprĂŒft. Mit der vom StĂ€nderat verabschiedeten Formulierung wird der Begriff «Umfang» in den Gesetzestext eingefĂŒgt. Damit gibt das Parlament sĂ€mtliche Kompetenzen bei der PreisĂŒberprĂŒfung aus der Hand und gibt dem BAG freie Bahn, im Rahmen der WirtschaftlichkeitsprĂŒfung eines der Kriterien (APV bzw. TQV) auszuschliessen. FĂŒr die Unternehmen ist eine Planbarkeit des Preisfestsetzungsprozesses damit nicht mehr möglich und fĂŒr die Patientinnen und Patienten in der Schweiz könnte dieser Schritt den Anfang einer veritablen Versorgungskrise markieren.

Es ist daher von grösster Bedeutung, dass der Nationalrat diesen Entscheid korrigiert. Zudem ist die vorauseilende Umsetzung der Kostenfolgemodelle, wie dies derzeit durch das BAG geschieht, rechtswidrig und inakzeptabel. Interpharma erwartet, dass sich das BAG an die gesetzlichen Vorgaben hĂ€lt und Kostenfolgemodelle erst umsetzt, wenn der Bundesrat die entsprechende Bestimmung in Kraft gesetzt hat. Mit Blick auf die Umsetzung der schĂ€dlichen Kostenfolgemodelle fordert Interpharma im Gegenzug von EDI und BAG, dass die Modernisierung des veralteten Preisbildungssystems fĂŒr Medikamente auf Verordnungsstufe entschlossen vorangetrieben wird.

Erfolg von «Zugang ab Tag Null» ist noch nicht gesichert

Immerhin ist zu begrĂŒssen, dass eine Mehrheit des StĂ€nderates bei der «vorlĂ€ufigen VergĂŒtung ab Tag Null» dem aus Sicht der Branche gangbaren Kompromissvorschlag des Nationalrates gefolgt ist. So soll ein wesentlicher Teil jener innovativen Medikamente, die eines der beschleunigten Verfahren bei Swissmedic durchlaufen, den Patientinnen und Patienten ab dem Tag der Zulassung zur VerfĂŒgung stehen. Ansonsten hĂ€tte auf Grund der restriktiven Bedingungen kaum ein Hersteller seine Produkte auf dem vorgesehenen Weg in die Schweiz gebracht und an den massiven Verzögerungen beim Patientenzugang hĂ€tte sich nichts geĂ€ndert. Allerdings hat die verabschiedete Version nur noch wenig mit dem ursprĂŒnglich lancierten Vorschlag der Branche zu tun. Entsprechend muss sich noch zeigen, ob sie effektiv genĂŒgt, um den Zugang merklich zu verbessern - oder von Anfang an ein Papiertiger bleibt. Das BAG ist gefordert, in der Umsetzung fĂŒr die erhoffte Beschleunigung zu sorgen.

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Aussender: Interpharma Ansprechpartner: Georg DĂ€rendinger Tel.: +41 61 264 34 00 E-Mail: [email protected] Website: www.interpharma.ch

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