Empörung wegen Diesel-Deal von Trump und Putin
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 11:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Die Bundesregierung hĂ€lt an den SanktionsbeschlĂŒssen gegen Russland fest und arbeitet gemeinsam mit den europĂ€ischen Partnern an weiteren Sanktionen", betonte der Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Reaktion auf die Vereinbarung. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet keine gröĂeren Auswirkungen des USA-Russland-Deals auf die Preise an deutschen Tankstellen.
Trump verkĂŒndete nach einem GesprĂ€ch mit Putin auf seiner Plattform Truth Social, er habe mit dem russischen PrĂ€sidenten vereinbart, dass "umgehend" mehr als 300.000 Tonnen Diesel fĂŒr die USA und den Weltmarkt zur VerfĂŒgung gestellt wĂŒrden. Im Laufe des Novembers soll laut Trump eine weitere halbe Million Tonnen Diesel freigegeben werden sowie eine Million Tonnen "sofort danach". "AbhĂ€ngig vom Zustand seiner Dieselraffinerien" wolle Russland zudem innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Tonnen Diesel liefern.
Die EU kritisierte die Vereinbarung. "Bei russischen Angriffen sind innerhalb von zwei Tagen mehr als 80 ukrainische Zivilisten getötet worden. Zugleich hat Russland seine hybriden Angriffe gegen Europa verstĂ€rkt - sowohl gegen EU-Mitgliedstaaten als auch gegen Nato-VerbĂŒndete", erklĂ€rte die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas. Das Aussetzen von Sanktionen gegen russische Diesellieferungen verschaffe Moskau zusĂ€tzliche Einnahmen, um seinen Krieg zu finanzieren.
Moskau antwortete mit einer harschen Kritik an Kallas. "Der Fisch fĂ€ngt am Kopf an zu stinken", sagte Russlands AuĂenamtssprecherin Maria Sacharowa der Staatsagentur Tass. Nach der Vereinbarung zwischen Trump und Putin hob die russische Regierung das Exportverbot fĂŒr Dieselkraftstoff teilweise auf. Der Beschluss, der sofort in Kraft trat, ermöglicht es, zunĂ€chst 500.000 Tonnen auf den Weltmarkt zu bringen, berichtete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf eine Mitteilung der Regierung in Moskau.
Russland hatte den Export von Diesel verboten, um den eigenen Markt bedienen zu können. Ukrainische Drohnenangriffe gegen Raffinerien in verschiedenen StĂ€dten Russlands hatten zeitweise fĂŒr einen Engpass auf dem heimischen Markt gesorgt.
Trump unter Druck
Trump nannte niedrigere Dieselpreise "insbesondere fĂŒr unsere groĂartigen Landwirte, ViehzĂŒchter und Lkw-Fahrer" seine oberste PrioritĂ€t. Vor Journalisten am WeiĂen Haus sagte Trump: "Ich möchte PrĂ€sident Putin danken". Aktuell steht Trump wegen gestiegener Spritpreise vor den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat stark unter Druck.
Putin bestÀtigte den Deal. "Bei der Diskussion der Situation auf dem weltweiten Energiemarkt bestÀtigte die russische Seite ihre Bereitschaft, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die WeltmÀrkte zu liefern", hieà es in einer schriftlichen ErklÀrung von ihm. Das werde sich positiv auf die "gesamte Weltwirtschaft" auswirken.
Selenskyj empört
Empört reagierte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj. Die Vereinbarung sei "nicht fair und nicht ehrlich", sagte er dem US-Nachrichtenportal "Axios". Besonders verĂ€rgert zeigte er sich darĂŒber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner parallel zu der Vereinbarung mit Putin in Miami mit ukrainischen UnterhĂ€ndlern ĂŒber ein mögliches Ende des Krieges verhandelten. Von dem geplanten Diesel-Abkommen sei dabei keine Rede gewesen. Auf Telegram schrieb Selenskyj: "Die Erlaubnis fĂŒr Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlĂ€ngern muss." Moskau werde mit weiterem "Terror und Gemeinheiten" danken.
Die USA hoben Sanktionen gegen russischen Diesel bereits vorĂŒbergehend auf. Das US-Finanzministerium stellte eine temporĂ€re Erlaubnis fĂŒr Verkauf, Lieferung, Entladen und Import von Diesel aus Russland bis zum 7. April 2027 aus.
Berlin will an Seite Kiews bleiben
In Berlin betonte die Bundesregierung das Festhalten an ihrem Russland-Kurs. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte: "Die UnterstĂŒtzung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf bleibt ungebrochen." Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) unterstrich: "Deutschland steht uneingeschrĂ€nkt zu den Sanktionspaketen." Russisches Ăl und Rohölprodukte seien seit 2023 durch die EU sanktioniert. Deutschland beziehe seitdem kein Ăl oder Ăl-Produkte aus Russland. "Wir sind unabhĂ€ngig von russischem Ăl.". Die Versorgungssicherheit sei gewĂ€hrleistet.
Merz und Reiche hatten erst Anfang Oktober in Begleitung von Unternehmern aus den Bereichen RĂŒstung und Energie die unentwegt von Russland angegriffene ukrainische Hauptstadt Kiew besucht.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet auch keine gröĂeren Auswirkungen des Diesel-Deals fĂŒr hiesige Autofahrer. "Seit dem 5. Februar 2023 gilt ein Importverbot fĂŒr russischen Diesel in die EU. Dabei bleibt es", sagte ein Sprecher. "Angesichts der laut den Meldungen vereinbarten Mengen erwarten wir keine signifikanten Auswirkungen auf den Weltmarkt und die Preise." Auch Daten des Spritpreisportals Tankerkönig zeigten bis Samstagmittag keine gröĂeren AusschlĂ€ge. Die Ăkonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der Weltmarktpreis wird sich nicht signifikant Ă€ndern."
Kritik an Trumps Kehrtwende
Scharfe Kritik an Trump kam von den GrĂŒnen. "Erst ohne erkennbaren Plan einen Krieg gegen den Iran beginnen, der die Energiepreise weltweit in die Höhe treibt - und dann ausgerechnet mit dem Kriegstreiber Putin einen Deal machen, um die Folgen vor den Midterms abzufedern - skrupelloser geht es nicht", sagte GrĂŒnen-Chefin Franziska Brantner der Deutschen Presse-Agentur. Sie forderte rasche UnabhĂ€ngigkeit von fossilen Energien.
Kritik an dem Deal gab es auch von den US-Demokraten. Gregory Meeks, ranghöchster Demokrat im AuswĂ€rtigen Ausschuss des ReprĂ€sentantenhauses, verurteilte Trumps Kurswechsel: "Wochen nach der Unterzeichnung eines Gesetzes, das Sanktionen gegen KĂ€ufer russischer Energie vorsieht, kĂŒndigt Trump an, dass die Vereinigten Staaten diese kaufen werden." Erst im September hatte Trump ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz unterzeichnet, das ihm weite Befugnisse fĂŒr neue Sanktionen gegen Russland gibt - auch um die russischen Ăl- und Gas-Exporte stĂ€rker einzudĂ€mmen. Russland finanziert mit seinem Ăl den Krieg gegen die Ukraine.
Bedarf von 14 Stunden decken
Trump hatte in den vergangenen Wochen den ukrainischen PrĂ€sidenten Selenskyj fĂŒr eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht und ihn aufgerufen, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Selenskyj erneuerte nun die ukrainische Bereitschaft dazu, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen einstellt. Eine AbschwĂ€chung der Russland-Sanktionen hingegen sei ein Zeichen der "offensichtlichen SchwĂ€che". Russland werde die USA noch weniger ernst nehmen. Wie Angaben der US-Energiebehörde EIA zum Verbrauch in den USA zeigen, decken dort 300.000 Tonnen rechnerisch den Verbrauch fĂŒr gut 14 Stunden.

