1,1 Millionen Babyboomer vorzeitig in Rente
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 06:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht in einer neuen Erhebung von einem weiteren Anstieg aus, wenn die Politik nicht einschreitet. Insgesamt gab es 2024 nach diesen Zahlen 19,3 Millionen Babyboomer, also Angehörige besonders geburtenstarker JahrgÀnge. Der IW-Kurzbericht liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.
Zwei Forscherinnen des Instituts drĂŒcken darin die Erwartung aus, "dass sich die steigende Inanspruchnahme der FrĂŒhrente weiter fortsetzt". Ihrem Bericht zufolge bezogen 2023 erst rund 4,5 Millionen Babyboomer eine Altersrente - davon 0,9 Millionen vorzeitig, also vor der Regelaltersgrenze. Ein Jahr spĂ€ter hat demnach der Geburtsjahrgang 1958 das Renteneintrittsalter erreicht, entsprechend erhöhten sich die Zahlen (inklusive Altersrenten fĂŒr Schwerbehinderte).
De-facto-Rentenalter hinkt Regelalter hinterher
Das IW erinnert an die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre bis 2031 - und an das Ziel, dass das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente damit steigen soll. 2024 stieg die Regelgrenze auf 66 Jahre. Sie lag damit laut IW zwölf Monate höher als zu Beginn der Anhebung 2012. "Das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente erhöhte sich im gleichen Zeitraum jedoch lediglich um acht Monate", so die Expertinnen. Als Grund fĂŒr die LĂŒcke machen sie die "Möglichkeiten des vorzeitigen Renteneintritts" aus.
Das arbeitgebernahe Institut kommt zu dem Schluss: "Die FrĂŒhrenten laufen dem ursprĂŒnglichen Ziel der Politik entgegen, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu verlĂ€ngern."
Institut fordert schnelle Reform
Deshalb lobt das IW die VorschlĂ€ge der Rentenkommission der Regierung. Zu den Empfehlungen zĂ€hlt unter anderem, die Möglichkeit zum abschlagsfreien, vorzeitigen Renteneintritt zu streichen. Das IW bezeichnete diese PlĂ€ne als "zentral, um das durchschnittliche Rentenzugangsalter zu erhöhen". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) hatten eine Umsetzung sĂ€mtlicher Kommissionsempfehlungen angekĂŒndigt, Gewerkschaften haben mit Widerstand gedroht.
Das IW mahnt: "Wichtig ist, die Elemente zeitnah umzusetzen, um möglichst viele Babyboomer lÀnger im Arbeitsmarkt zu halten und zu verhindern, dass die Wirkung durch Ausnahmen wieder abgeschwÀcht wird."
