Wie Temu und Shein dem Einzelhandel vor Weihnachten zusetzen
07.12.2025 - 16:43:28Das geht aus einer YouGov-Umfrage hervor. Gute Aussichten fĂŒr den Handel könnte man denken. Das WeihnachtsgeschĂ€ft kommt jedoch bislang nicht recht in Schwung. In einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) haben gut zwei Drittel der HĂ€ndler mit dem bisherigen GeschĂ€ftsverlauf in der Vorweihnachtszeit unzufrieden geĂ€uĂert.
Kunden schauen mehr aufs Geld
Viele Menschen wollten ihre Liebsten auch in diesem Jahr zu Weihnachten beschenken, davon zeigt sich HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stephan Genth ĂŒberzeugt. "Viele schauen angesichts der vielen Unsicherheiten in der aktuellen internationalen und wirtschaftlichen Lage dabei aber mehr auf das Geld."
Der Handelsverband Deutschland (HDE) schĂ€tzt, dass Temu und Shein im November und Dezember hierzulande einen Umsatz von bis zu einer Milliarde Euro erzielen. "Diese VerkĂ€ufe entgehen den HĂ€ndlerinnen und HĂ€ndlern in Deutschland", sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth. Jeder verlorene Euro hinterlasse Spuren, da das WeihnachtsgeschĂ€ft ĂŒber den Erfolg des GeschĂ€ftsjahres entscheide.
Insgesamt rechnet der Verband in den beiden Monaten mit 126 Milliarden Euro Umsatz - inflationsbereinigt wĂ€re das etwa so viel wie im Vorjahr. Die Wochen vor dem Heiligabend sind fĂŒr die Branche die wichtigsten des Jahres, aber viele Unternehmen erwarten ein schwaches GeschĂ€ft. Laut einer HĂ€ndler-Umfrage des HDE rechnet nur jeder Zehnte damit, dass das WeihnachtsgeschĂ€ft besser verlĂ€uft als im Vorjahr. Jeder Zweite geht von einer Verschlechterung aus.
Modebranche besonders betroffen
"Temu und Shein belasten vor allem die ModehĂ€ndler, die im vergleichbaren Preissegment tĂ€tig sind, also vor allem preisorientierte Formate, aber durchaus auch mittelpreisige ModehĂ€user", sagt Axel Augustin, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Branchenverbandes BTE. Der Verband schĂ€tzt, dass der Branche wegen der asiatischen Shops in diesem Jahr ĂŒber drei Milliarden Euro Umsatz entgehen. Im WeihnachtsgeschĂ€ft sei das besonders schmerzhaft, so Augustin. Die Modebranche kĂ€mpft bereits seit lĂ€ngerem mit einer schwachen Nachfrage.
Rabattaktionen verlieren an Reiz
Wie groĂ die Anziehungskraft von Temu, Shein & Co. ist, lĂ€sst sich auch rund um den Black Friday beobachten. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts IFH Köln verlieren die Rabatttage Ende November fĂŒr viele Kunden zunehmend an Reiz. Jeder Dritte gibt dies in einer Umfrage an, bei JĂŒngeren sogar jeder Zweite. Ein Teil der Verbraucher verzichtet bewusst auf die Aktionstage. Ein Grund: Asiatische Shops bieten das ganze Jahr ĂŒber niedrige Preise. 23 Prozent der Befragten sagen das, unter JĂŒngeren noch mehr.
Preisbewusstsein versus Bedenken
Wie ist der Erfolg der asiatischen Online-Plattformen zu erklĂ€ren? Die Weihnachtszeit ist erneut stark vom Sparen geprĂ€gt. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Oliver Wyman wollen 39 Prozent der Verbraucher weniger fĂŒr WeihnachtseinkĂ€ufe ausgeben.
Temu und Shein punkten vor allem mit niedrigen Preisen, sagt Ralf Deckers vom IFH Köln. Zudem bieten die Portale Produkte, die hierzulande kaum zu finden seien. Laut YouGov-Umfrage kaufen Konsumenten dort, weil sie eine riesige Auswahl finden (71 Prozent), regelmĂ€Ăig angebotene Rabatte nutzen (54 Prozent) und Freude am Stöbern haben (44 Prozent).
Die Vorbehalte zeigen sich in den GrĂŒnden, die von Menschen angegeben werden, die dort nicht bestellen. 45 Prozent zweifeln an der QualitĂ€t, 41 Prozent sorgen sich um ihre Gesundheit. 32 Prozent bemĂ€ngeln fehlende Sicherheitsstandards, 27 Prozent nennen ethische Bedenken wie Arbeitsbedingungen oder Umwelt. 23 Prozent möchten lokale HĂ€ndler unterstĂŒtzen, 19 Prozent fĂŒrchten das Risiko von Plagiaten und FĂ€lschungen.
Rainer MĂŒnch, Handelsexperte bei Oliver Wyman, sagt: "Trotz aller Kritik haben sich Temu und Shein bei den Verbrauchern in Deutschland fest als EinkaufsstĂ€tte etabliert." Das Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis sei fĂŒr viele unschlagbar.
Asiatische Portale wachsen immer weiter
Die groĂen asiatischen Anbieter Temu, Shein und AliExpress haben ihr GeschĂ€ft deutlich ausgebaut, wie Zahlen des E-Commerce-Verbandes Bevh belegen. Die drei Unternehmen erzielten 2025 in Deutschland pro Quartal zusammen ĂŒber 800 Millionen Euro Umsatz - deutlich mehr als in den VorjahreszeitrĂ€umen. Ihr Marktanteil im deutschen Onlinehandel betrĂ€gt inzwischen rund fĂŒnf Prozent.
Laut HDE werden tĂ€glich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu nach Deutschland verschickt. Der Verband beklagt mangelhafte ProduktqualitĂ€t und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Er fordert eine strengere Regulierung, schĂ€rfere Kontrollen sowie mehr Personal fĂŒr den Zoll.
Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel steigt
Der deutsche Einzelhandel steckt in der Krise, die Lage spitzte sich zuletzt zu. Von August 2024 bis August 2025 registrierte Allianz Trade 2.490 Insolvenzen - der höchste Wert seit Oktober 2016. "Der kometenhafte Aufstieg" der asiatischen Portale erhöhe den Wettbewerbsdruck auf hiesige EinzelhÀndler enorm und habe zum Anstieg der Insolvenzen beigetragen, sagt Branchenexperte Guillaume Dejean.

