Advantest Aktie: Blackwell-Chips vervierfachen Testzeit
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 03:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am heutigen Mittwoch blickt der Halbleitermarkt gespannt auf die Veröffentlichung der Ergebnisse des ersten Geschäftsquartals von Advantest. Die Zahlen, deren Bekanntgabe für 15:30 Uhr japanischer Zeit angekündigt ist, fallen in eine Phase extremer Volatilität für japanische Technologieaktien. Während Anleger auf neue Impulse durch das KI-Geschäft hoffen, belastete zuletzt ein breit angelegter Ausverkauf im Chipsektor die Notierungen des japanischen Konzerns.
Erwartungen an das abgelaufene Vierteljahr
Analysten prognostizieren für das abgelaufene Quartal im Durchschnitt ein Ergebnis je Aktie (EPS) von 155,15 Japanischen Yen (JPY). Dies würde einer Steigerung von rund 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprechen. Beim Umsatz wird ein Zuwachs um 29 Prozent auf 340,23 Milliarden JPY erwartet. Für das gesamte Fiskaljahr 2026 rechnen Marktbeobachter mit einem Umsatz von etwa 1.504,12 Milliarden JPY und einem EPS von 708,78 JPY.
Trotz dieser optimistischen Wachstumsprognosen geriet die Aktie zuletzt erheblich unter Druck. Am gestrigen Dienstag schloss das Papier mit einem Minus von 5,57 Prozent bei 136,32 Euro. Damit spiegelt der Kurs die Verunsicherung wider, die den gesamten Sektor in Fernost erfasst hat. Dennoch weist der Wert seit Jahresbeginn weiterhin ein deutliches Plus von 27,54 Prozent auf.
Turbulenzen im japanischen Technologiesektor
Der japanische Aktienmarkt verzeichnete am gestrigen Handelstag schwere Verluste, wobei der Nikkei 225 um mehr als 4 Prozent nachgab. Mehrere Faktoren belasteten die Stimmung der Investoren. Ein zentraler Punkt sind Berichte über Fortschritte in der chinesischen Halbleiterproduktion. Medienberichten zufolge hat das chinesische Unternehmen Yuliangsheng mit der Massenproduktion von DUV-Lithografiemaschinen begonnen, was den Wettbewerbsdruck auf etablierte Ausrüster erhöhen könnte.
Zusätzlich sorgten hohe Investitionsankündigungen von US-Tech-Giganten wie Microsoft, Meta und Alphabet für gemischte Reaktionen. Während die massiven Ausgaben für Künstliche Intelligenz die Nachfrage nach Testsystemen stützen, wachsen am Markt die Sorgen über die kurzfristige Rentabilität dieser Milliardeninvestitionen. In Japan brach die Aktie von Kioxia zeitweise um 18 Prozent ein, was auch Zulieferer wie Advantest und Tokyo Electron mit nach unten zog. Das Papier von Advantest notiert derzeit rund 30,80 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 197,00 Euro, das Ende Juni erreicht worden war.
Analysten sehen steigenden Testbedarf durch KI-Chips
Abseits der kurzfristigen Marktturbulenzen identifizieren Analysten von Nomura einen strukturellen Trend, der Advantest zugutekommen könnte. Die Komplexität neuer Grafikprozessoren (GPUs) wie der Blackwell-Generation von Nvidia führt zu deutlich längeren Testzeiten. Laut Nomura vervierfacht sich die erforderliche Zeit für den abschließenden Funktionstest bei Blackwell-Chips im Vergleich zur Vorgängergeneration Hopper. Für die kommende Rubin-Architektur wird sogar eine Versiebenfachung der Testzeit prognostiziert.
Diese Entwicklung erhöht den Anteil der Testkosten an der GPU-Herstellung signifikant. Lag dieser Anteil bisher bei etwa 1,9 Prozent, schätzen Experten, dass er auf bis zu 3,3 Prozent ansteigen wird. Das gestiegene Interesse zeigt sich auch in den Kapitalflüssen: Koreanische Investoren erwarben im Zeitraum von Ende Juni bis Ende Juli per saldo Advantest-Aktien im Wert von rund 7,76 Millionen US-Dollar. Positiv wertete der Markt zudem, dass die Ratingagentur R&I die Kreditwürdigkeit von Advantest am 23. Juli auf AA- mit stabilem Ausblick heraufgestuft hat. Als Gründe wurden die starke Marktposition und die solide Finanzstruktur genannt.
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