Airbus Aktie: Skynet-6-Auftrag bei 2,4 Milliarden Pfund
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 21:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Milliardenauftrag für Militärsatelliten wird zum politischen Zankapfel zwischen London, Washington und Toulouse. Die britische Gewerkschaft Unite stellt sich offen gegen eine mögliche Vergabe an den US-Konzern Lockheed Martin. Airbus-Aktionäre reagierten am Freitag nervös: Die Aktie schloss bei 50,50 Euro, ein Minus von 1,94 Prozent.
Gewerkschaft erhöht Druck auf britische Regierung
Unite fordert Verteidigungsminister Andy Burnham auf, den 2,4 Milliarden Pfund schweren Auftrag für das Satellitensystem Skynet 6 an Airbus zu vergeben. Die Gewerkschaft warnt vor bis zu 600 gefährdeten Arbeitsplätzen, sollte stattdessen Lockheed Martin den Zuschlag erhalten.
Unite-Generalsekretärin Sharon Graham nennt eine Entscheidung für den US-Konzern einen "massiven Fehler". Airbus entwickelt und baut seine Satelliten in Stevenage und Portsmouth. Der Labour-Abgeordnete Kevin Bonavia, der den Wahlkreis Stevenage vertritt, unterstützt die Kampagne der Gewerkschaft.
Skynet 6 soll aus zwei geostationären Satelliten bestehen. Sie sollen künftig die sensibelsten Daten des britischen Verteidigungsministeriums übertragen. Für Burnham ist die Entscheidung ein früher Test seines Versprechens, öffentliche Aufträge stärker zur Förderung britischer Industrie zu nutzen.
Lockheed kontert mit eigenem Jobversprechen
Der US-Herausforderer hält dagegen. Lockheed Martin verspricht rund 500 direkte Arbeitsplätze im Nordosten Englands, darunter eine neue Montagestätte in Durham. Hinzu kommen nach Unternehmensangaben 1.500 weitere Stellen in der Zulieferkette.
Lockheed argumentiert mit Exportchancen und der Integration in US-Militärsysteme. Kritiker halten dagegen, der Konzern setze auf amerikanisches geistiges Eigentum statt auf britische Technologie. Lockheed hat zugesagt, in Großbritannien entwickeltes geistiges Eigentum im Land zu belassen, und finanziert eine Forschungspartnerschaft mit der Northumbria University.
Branchenkenner sehen strategische Folgen weit über den einzelnen Auftrag hinaus. Geht der Zuschlag an Lockheed, könnte Airbus seine Satellitenfertigung nach Einschätzung von Branchen-Insidern eher ins Ausland verlagern. Die Entscheidung könnte zudem den geplanten Zusammenschluss der Raumfahrtsparten von Airbus, dem französischen Thales-Konzern und dem italienischen Leonardo beeinflussen — der britische Standort wäre bei einem Airbus-Zuschlag stärker abgesichert.
Airbus und seine Vorgängerunternehmen bauen seit Jahrzehnten die Militärsatelliten Großbritanniens, darunter das aktuell genutzte System Skynet 5. Diese lange institutionelle Bindung stützt die Position des europäischen Konzerns im Bieterverfahren.
Handelsstreit liefert zusätzlichen Zündstoff
Der Satelliten-Streit trifft auf einen ohnehin angespannten transatlantischen Handelshintergrund. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer kritisierte jüngst ein EU-Darlehenspaket für Airbus scharf. Die Maßnahme berge nach seinen Worten "ein reales Risiko für die transatlantische Handelsstabilität".
Vorausgegangen war eine Beschwerde von Boeing. Der US-Rivale drängte die amerikanische Regierung, von der EU mehr Transparenz über einen Kredit in Höhe von 3 Milliarden Euro an Airbus einzufordern. Boeing zeigte sich überrascht von der Ankündigung der Europäischen Investitionsbank vom 29. Juni — es handelt sich um den größten Unternehmenskredit in der Geschichte der EU-Förderbank.
Charttechnisch intakter Aufwärtstrend
Trotz des Rücksetzers am Freitag bleibt der mittelfristige Trend bei Airbus positiv. Die Aktie notiert rund 31,5 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 38,40 Euro vom März, liegt aber noch etwa 8,2 Prozent unter dem Jahreshoch von 55,00 Euro aus dem Januar. Der Relative-Stärke-Index von 59,6 signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation.
Diese Woche könnten die Halbjahreszahlen für neue Impulse sorgen. Investoren erwarten Aufschluss über Lieferperformance und Cash-Generierung. Zur endgültigen Skynet-Entscheidung hat die britische Regierung bislang keinen Termin genannt.
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