ROUNDUP, Hurrikan

'Apokalyptische' ZustÀnde

31.10.2025 - 15:04:54

(aktualisierte Fassung)HAMILTON - Mehrere Tage nach dem Durchzug von Hurrikan "Melissa" auf Jamaika treten in dem besonders stark betroffenen Inselstaat die gewaltigen SchÀden immer deutlicher zutage.

(aktualisierte Fassung)

HAMILTON (dpa-AFX) - Mehrere Tage nach dem Durchzug von Hurrikan "Melissa" auf Jamaika treten in dem besonders stark betroffenen Inselstaat die gewaltigen SchĂ€den immer deutlicher zutage. "Die Lage vor Ort ist apokalyptisch", teilte Brian Bogart, Direktor des WelternĂ€hrungsprogramms (WFP) in der Karibik, nach einem Besuch in der besonders betroffenen KĂŒstenstadt Black River im SĂŒdwesten der Insel mit. "Es sieht aus, als wĂ€re in dieser Gemeinde eine Bombe explodiert, die Menschen schlafen auf der Straße, es herrscht totale Zerstörung."

Bilder aus der Region zeigen zerstörte und ĂŒberschwemmte KĂŒstengemeinden. Wo einst bunte HĂ€user standen, bedecken nun TrĂŒmmerhaufen den schlammigen Boden. Es werde Jahre dauern, bis sich die Menschen von den Verlusten erholt hĂ€tten, sagte Necephor Mghendi von der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Genf. "Es herrscht weit verbreitete psychische Not".

Mindestens 50 Tote

"Melissa" hat in den vergangenen Tagen in der Karibik eine Schneise der VerwĂŒstung und mindestens 50 Tote hinterlassen. Das US-Hurrikanzentrum sprach von einem der stĂ€rksten Hurrikane, die je im Atlantik aufgetreten sind.

Im Inselstaat Jamaika, ĂŒber den der Hurrikan am Dienstag mit der stĂ€rksten Stufe 5 gefegt war, kamen mindestens 19 Menschen ums Leben. In Haiti kam es durch anhaltenden Regen zu Überschwemmungen und Erdrutschen, obwohl der Sturm dort nicht direkt auf Land traf. Nach vorlĂ€ufigen Behördenangaben starben mindestens 30 Menschen, weitere werden noch vermisst. Auf Kuba und den Bahamas blieb es nach bisherigen Erkenntnissen bei SachschĂ€den.

Sturm verliert an Kraft

Inzwischen hat sich "Melissa" zu einem Hurrikan der Stufe 1 von 5 abgeschwÀcht und soll nach Angaben des US-Hurrikanzentrums NHC im Laufe des Tages weiter an Kraft verlieren.

Auf der im Atlantik gelegenen Inselkette Bermuda, an der der Sturm in der Nacht zum Freitag vorbeigezogen war, sorgte der Sturm örtlichen Medien zufolge fĂŒr StromausfĂ€lle in mehr als 19.000 Haushalten. Abgesehen davon und von einigen umgeknickten BĂ€umen und Laternen sei das britische Überseegebiet aber glimpflich davongekommen.

Blockierte Straßen bremsen Rettungsarbeiten aus

Die Opferzahlen könnten auf Jamaika in den kommenden Stunden und Tagen noch deutlich steigen. Noch immer sind vielerorts Gemeinden von der Außenwelt abgeschnitten. Nach einem Bericht der Zeitung "The Gleaner" steckten am Donnerstag Dutzende Autofahrer und RettungskrĂ€fte auf der Holland Bamboo Avenue im Bezirk St. Elizabeth fest. UmgestĂŒrzte Bambusrohre hĂ€tten den auch bei Touristen beliebten rund vier Kilometer langen natĂŒrlichen Tunnel aus Bambuspflanzen versperrt. Über mehr als 24 Stunden sei kein Durchkommen möglich gewesen.

"Das hier ist Holland Bamboo. Es gibt keine GeschĂ€fte, keine Restaurants, niemand fĂ€hrt herum und versorgt dich mit Essen. Also trinken wir Kokoswasser", zitierte die Zeitung eine Frau, die den Sturm an ihrem Arbeitsort in der Stadt Junction ausgesessen hatte und auf dem RĂŒckweg zu ihrer Familie war. Es gebe keinen Handyempfang. Sie wisse nicht, ob ihr Haus den Hurrikan ĂŒberstanden habe und ob ihre Kinder in Sicherheit seien. "Ich bin verwirrt und besorgt. Ich möchte nach Hause", sagte die Frau dem Bericht zufolge.

MilliardenschÀden erwartet

Nach ersten SchÀtzungen des privaten US-Wetterdienstes AccuWeather, der auch die Auswirkungen von Unwettern beurteilt, könnten sich der Gesamtschaden und die wirtschaftlichen Verluste durch den Sturm auf 48 bis 52 Milliarden US-Dollar (etwa 41 bis 45 Milliarden Euro) belaufen.

@ dpa.de