Massive Proteste in Genf gegen G7-Gipfel
14.06.2026 - 18:31:55 | dpa.deAbsatz)
GENF (dpa-AFX) - In der Schweizer Grenzstadt Genf haben Tausende gegen den G7-Gipfel in Frankreich demonstriert. Der Protest richtete sich vor allem gegen den Kapitalismus. Gut 7.000 SicherheitskrÀfte hatten bis zu 50.000 Demonstranten auf der Schweizer Seite des Genfersees erwartet. Am Nachmittag brennt ein Auto. Die Polizei setzt TrÀnengas ein.
Das Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, GroĂbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA beginnt an diesem Montag in Ăvian auf der französischen Uferseite. Die Stadt liegt rund 50 Kilometer entfernt, aber Frankreich wollte nach Angaben der Genfer Stadtregierung keine Proteste dulden. Deshalb meldeten die Organisatoren die Demonstration in Genf unter dem Motto "No G7" an. Die Veranstalter sprachen am spĂ€ten Nachmittag von "zehntausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern".
Der Protestzug verlief bis zum spĂ€ten Nachmittag entlang der genehmigten Route. Es gab zunĂ€chst keine Anzeichen von Konfrontation. Viele Plakate richteten sich gegen US-PrĂ€sident Donald Trump. Die Polizei hielt sich zunĂ€chst im Hintergrund und war entlang der Route kaum zu sehen. Dennoch kam es zu SteinwĂŒrfen gegen die Polizei. TrĂ€nengas kam zum Einsatz.
Einzelne Demonstranten rissen im Verlauf der Demonstration Sperrholzplatten, die an hunderten GeschĂ€ften angebracht waren, um Schaufenster zu schĂŒtzen, teils ab. Scheiben gingen zu Bruch, etwa an einer Bank und einem GeschĂ€ft fĂŒr Mopeds. Nahe dem Busbahnhof geriet ein Tesla US88160R1014-Auto in Brand.
Einige Demonstranten skandierten nahe den Polizeiketten: "Die ganze Welt hasst die Polizei". Sie zogen aber auf der vorgeschriebenen Route friedlich weiter. Es seien mehrere GegenstĂ€nde sichergestellt worden, die offenbar fĂŒr Konfrontationen mit der Polizei vorgesehen waren, teilte die Polizei auf Facebook mit.
Genf fĂŒrchtete Ausschreitungen in Erinnerung an verheerende SchĂ€den und GeschĂ€ftsplĂŒnderungen bei einer Demonstration im Jahr 2003 gegen die damalige G8 noch mit Russland. Hunderte Genfer GeschĂ€ftsleute und Hoteliers verriegelten seit Tagen ihre Schaufenster mit Sperrholz.
Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma fĂŒr die Genfer Polizei, sagte die Polizeichefin des Kantons, Monica Bonfanti. Die Genfer Polizei hat VerstĂ€rkung aus dem ganzen Land aufgeboten. Mehrere tausend Polizistinnen und Polizisten kontrollieren seit zwei Tagen ĂŒberall in der Stadt Autos und Personalien von Passanten.
Viele PalÀstinenserflaggen
Bei strahlendem Sonnenschein sammelten sich am Treffpunkt in einem Park direkt am Genfersee nach ersten SchĂ€tzungen mehrere tausende Menschen mit Plakaten. Viele Teilnehmer trugen PalĂ€stinenserfahnen. Der Marsch wurde von einer Koalition aus rund 60 verschiedenen Gruppen organisiert, darunter auch Feministinnen, Gewerkschaftsvertreter, Kurden und ein "revolutionĂ€rer Block", wie eine Sprecherin vorher angekĂŒndigt hatte.
Die "No G7"-Koalition protestierte laut einem Manifest gegen US-MilitĂ€rbasen in Europa, fĂŒr höhere Mindestlöhne, kostenlose VerhĂŒtungsmittel, grenzenlose FreizĂŒgigkeit fĂŒr Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten.
Die G7 erwĂ€hnen sie auch. Das sei eine "illegitime und ĂŒberholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht". Dort fĂ€llten "GroĂmĂ€chte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung."
G7-Delegationen reisen ĂŒber Genf an
Die Aufgabe der Schweizer SicherheitskrĂ€fte war nicht nur die BewĂ€ltigung der Demonstration. Sie mĂŒssen auch die Sicherheit der anreisenden Staats- und Regierungschefs garantieren. In Genf liegt der nĂ€chstgelegene Flughafen zu Ăvian, die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen.
Genf ist wie eine Enklave auf französischem Gebiet. Die Schweizer haben die rund 30 GrenzĂŒbergĂ€nge bis auf sieben geschlossen und fĂŒhrten schon am Freitag Personenkontrollen in der Stadt durch.
