Venezuelas MilitÀr stellt sich hinter VizeprÀsidentin
04.01.2026 - 19:38:03(Aktualisierung: mit Aussagen des US-AuĂenministers Rubio)
CARACAS (dpa-AFX) - Inmitten der Unsicherheit ĂŒber die politische Zukunft Venezuelas haben sich die StreitkrĂ€fte hinter VizeprĂ€sidentin Delcy RodrĂguez gestellt. Nach der Gefangennahme von Staatschef NicolĂĄs Maduro durch US-Spezialeinheiten ĂŒbernehme sie verfassungsgemÀà die FĂŒhrung des Landes, sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino umgeben von uniformierten Soldaten in einer Videobotschaft. Das MilitĂ€r ist der entscheidende Machtfaktor in Venezuela, das Maduros linksautoritĂ€rer Regierung bislang treu ergeben war.
Im gesamten Staatsgebiet wĂŒrden Einheiten der StreitkrĂ€fte und der Polizei aktiviert, um die "imperialistische Aggression" der Vereinigten Staaten zurĂŒckzuschlagen, hieĂ es in der Mitteilung weiter. Die Gefangenennahme von Maduro sei eine "feige EntfĂŒhrung" gewesen, bei der die US-SpezialkrĂ€fte einen GroĂteil von Maduros Sicherheitsteam, Soldaten und unschuldige BĂŒrger kaltblĂŒtig getötet hĂ€tten.
Maduro ist in New York in Haft
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag eine Reihe von Zielen in Venezuela angegriffen, den autoritĂ€ren PrĂ€sidenten Maduro gefangen genommen und auĂer Landes gebracht. Ihm soll nun in New York wegen Drogendelikten der Prozess gemacht werden.
Die politische Zukunft des ölreichen Landes ist indes unklar. US-PrĂ€sident Donald Trump sagte, die Vereinigten Staaten wĂŒrden Venezuela vorĂŒbergehend fĂŒhren und VizeprĂ€sidentin RodrĂguez sei zur Kooperation bereit. Diese hingegen gab sich unbeugsam. Sie forderte noch am Samstag Maduros Freilassung und bezeichnete den US-Angriff als VerstoĂ gegen die UN-Charta. "Wir werden nie wieder Sklaven sein", sagte sie in Richtung Trump.
Rubio setzt auf Druck und Kooperation in Venezuela
US-AuĂenminister Marco Rubio erwartet unterdessen nun deutlich mehr Kooperationsbereitschaft in Caracas. Das Vorgehen Washingtons habe mit dem MilitĂ€reinsatz ein klares Signal gesetzt, sagte Rubio in einem Interview des US-Senders NBC News am Sonntag. US-MilitĂ€r sei nicht mehr in Venezuela prĂ€sent, sagte er. Er versichere zugleich, "dass die Menschen, die jetzt in Venezuela zurĂŒckgeblieben sind, viel gefĂŒgiger sein werden als Maduro es war." Der Druck auf das Land solle so lange aufrechterhalten werden, bis zentrale Forderungen erfĂŒllt seien.
Rubio stellte zugleich klar, dass Washington derzeit nicht auf einen schnellen politischen Ăbergang setze. Zwar lobte er die Oppositionspolitikerin MarĂa Corina Machado, betonte jedoch, dass groĂe Teile der Opposition nicht mehr im Land prĂ€sent seien. Vorrang habe deshalb eine kurzfristige Stabilisierung, nicht eine sofortige demokratische Neuordnung.
RodrĂguez gilt als treue Gefolgsfrau Maduros
Es gibt bislang keine Anzeichen, dass RodrĂguez mit den USA zusammenarbeiten möchte. Die 56-JĂ€hrige gilt als eine der loyalsten Figuren aus Maduros Machtzirkel. Als AuĂenministerin (2014-2017) prĂ€gte RodrĂguez den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als VizeprĂ€sidentin fortsetzte.
Verteidigungsminister Padrino ist einer der wichtigen Akteure im venezolanischen MachtgefĂŒge. Neben dem MilitĂ€r kontrolliert der 62-JĂ€hrige auch SchlĂŒsselbereiche der Wirtschaft und Verwaltung, darunter HĂ€fen, die Lebensmittelverteilung und staatliche Programme. Damit ist er nicht nur Garant fĂŒr die LoyalitĂ€t des MilitĂ€rs, sondern auch ein entscheidender Pfeiler der StabilitĂ€t der Regierung.
MilitÀr soll laut US-Regierung auch in Drogenhandel verstrickt sein
Nach EinschÀtzung der US-Regierung ist das venezolanische MilitÀr ebenso wie Maduro in den Drogenhandel verstrickt. Bei dem "Cartel de los Soles" (Kartell der Sonnen) soll es sich um ein Verbrechersyndikat aus Offizieren der venezolanischen StreitkrÀfte handeln. Der Name ist den Sonnen auf den Schulterklappen venezolanischer GenerÀle entlehnt.
Sicherheitsexperten sind sich allerdings uneins, ob das Kartell als hierarchisch organisierte Gruppe ĂŒberhaupt existiert. Wesentlich wahrscheinlicher ist nach EinschĂ€tzungen von Beobachtern vielmehr, dass ranghohe MilitĂ€rs gegen Schmiergeld bereits etablierte Verbrechersyndikate in Venezuela operieren lassen und ihnen gegebenenfalls Schutz anbieten.
Rubio: "Wir brauchen Venezuelas Ăl nicht"
Unterdessen spielte Rubio das US-Interesse an der venezolanischen Ălindustrie herunter. Die Vereinigten Staaten verfĂŒgten selbst ausreichend ĂŒber eigenes Ăl, sagte Rubio in einem Interview des US-Senders NBC News. Es gehe vielmehr darum, dass die riesigen Ălreserven Venezuelas nicht weiter unter Kontrolle von Gegnern der USA stĂŒnden.
Washington werde nicht zulassen, dass Venezuela zu einem StĂŒtz- und Operationspunkt fĂŒr LĂ€nder wie China, Russland oder dem Iran sowie fĂŒr die proiranische Miliz Hisbollah werde, so Rubio. Die Ausbeutung von Ressourcen durch externe Akteure, wie sie in anderen Weltregionen zu beobachten sei, werde Washington in Lateinamerika nicht akzeptieren. "Hier leben wir, und wir werden nicht zulassen, dass die westliche HemisphĂ€re als Operationsbasis fĂŒr Gegner, Konkurrenten und Rivalen der Vereinigten Staaten dient", sagte Rubio.

