Syriens Staatschef bei Trump - Keine AnnÀherung an Israel
11.11.2025 - 06:35:02"Wir wollen, dass Syrien ein sehr erfolgreiches Land wird. Und ich glaube, dieser AnfĂŒhrer kann das schaffen", sagte Trump. Im Zuge der AnnĂ€herung der USA an Syrien nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Baschar al-Assad vor knapp einem Jahr hatte Trump bereits US-Sanktionen gegen Syrien ausgesetzt. Diese Aussetzung wurde nun um ein halbes Jahr verlĂ€ngert.
Syrien wiederum schloss sich der von den USA gefĂŒhrten Koalition zur BekĂ€mpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an, allerdings zunĂ€chst nicht militĂ€risch. Syrien habe kĂŒrzlich eine politische Kooperationsvereinbarung mit der internationalen Koalition unterzeichnet "und damit seine Rolle als Partner im Kampf gegen den Terrorismus und zur UnterstĂŒtzung der regionalen StabilitĂ€t bekrĂ€ftigt", schrieb der syrische Informationsminister Hamza al-Mustafa auf der Plattform X. "Das Abkommen ist politischer Natur und enthĂ€lt bislang keine militĂ€rischen Komponenten", betonte der Minister.
Al-Scharaa: MĂŒssen mit USA Vereinbarung ĂŒber den IS treffen
Al-Scharaa sagte dem US-Sender Fox News nach seinem Treffen mit Trump, es gebe GrĂŒnde fĂŒr die US-MilitĂ€rprĂ€senz in seinem Land, betonte aber laut Ăbersetzung: "Das muss jetzt in Absprache mit der syrischen Regierung geschehen". Man mĂŒsse "diese Angelegenheiten besprechen und eine Vereinbarung ĂŒber den IS treffen". In dem Interview schloss al-Schaara zudem direkte GesprĂ€che zur Normalisierung der Beziehungen mit dem Nachbarland Israel vorerst aus.
Angesprochen auf Trumps Wunsch, dass auch Syrien den sogenannten Abraham-Abkommen fĂŒr eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten beitreten sollte, wies al-Scharaa auf Israels andauernde Besetzung der Golanhöhen hin. Die Bedingungen fĂŒr Damaskus seien daher andere als fĂŒr jene Staaten, die sich den Abkommen bereits angeschlossen hĂ€tten, sagte der ĂbergangsprĂ€sident.
Keine direkten Verhandlungen mit Israel
"Syrien hat eine Grenze zu Israel, und Israel besetzt seit 1967 die Golanhöhen. Wir werden derzeit keine direkten Verhandlungen aufnehmen", sagte al-Scharaa. "Vielleicht kann die US-Regierung unter PrÀsident Trump uns dabei helfen, eine solche Verhandlung zu erreichen." Trump hatte die Abraham-Abkommen, mit denen mehrere arabische Staaten die Beziehungen zu Israel normalisierten, 2020 wÀhrend seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht.
Die NachbarlĂ€nder Israel und Syrien befinden sich seit 1948 offiziell im Kriegszustand, ein Friedensvertrag wurde nie geschlossen. Seit dem Sechstage-Krieg 1967 hĂ€lt Israel zudem die strategisch wichtigen Golanhöhen besetzt. Israelische LuftschlĂ€ge auf militĂ€rische Ziele wie etwa Waffenlager in Syrien wurden nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad verstĂ€rkt. Damit soll - so die BegrĂŒndung aus Israel - verhindert werden, dass Waffen und besonders chemische Kampfmittel in die HĂ€nde von Extremisten fallen. Zudem rĂŒckten israelische Truppen seit Assads Sturz weiter auf syrisches Gebiet in eine Pufferzone an den Golanhöhen vor.
Wende in den Beziehungen zwischen den USA und Syrien
Al-Scharaas Empfang im WeiĂen Haus markierte eine bedeutende Wende in den Beziehungen zwischen den USA und Syrien. Noch vor einem Jahr galt al-Scharaa in den USA als gesuchter Terrorist - und Syrien steckte in den letzten Wochen eines blutigen BĂŒrgerkriegs. Einst kĂ€mpfte er als Dschihadist gegen US-StreitkrĂ€fte im Irak und war jahrelang deren Gefangener.
Als Kopf der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) beendete er im Dezember 2024 mit Hilfe einer Rebellenallianz die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie. Seit Anfang des Jahres steht al-Schaara als ĂbergangsprĂ€sident an der Spitze Syriens und bemĂŒht sich, sein lange isoliertes Land wieder an die internationale Gemeinschaft anzuschlieĂen.
VerstÀrkte Zusammenarbeit
Aus dem US-AuĂenministerium hieĂ es nun, beide Seiten hĂ€tten sich auf die Umsetzung eines Fahrplans zur Zusammenarbeit verstĂ€ndigt. Ziel sei zudem die Wiederherstellung der Beziehungen auf Botschafterebene und die Wiedereröffnung gemeinsamer Institutionen. Die beschlossene Lockerung der Sanktionen gegen Syrien sollen den Wiederaufbau und die StabilitĂ€t des Landes nach dem jahrelangen BĂŒrgerkrieg fördern. Ganz aufgehoben wurden sie aber nicht, wie aus einem Dokument des US-Finanzministeriums hervorgeht.
Den USA ist auch daran gelegen, den Einfluss des Irans in Syrien weiter einzudĂ€mmen. Die islamische Republik war eine der wichtigsten VerbĂŒndeten Assads. International wird das Vorgehen und die Ausrichtung der Ăbergangsregierung in Syrien genau beobachtet. Fachleute sehen einen Willen hin zu einem demokratischen Wandel, blicken aber auch mit Kritik auf die ersten Monate der neuen FĂŒhrung. Insbesondere der Schutz von Minderheiten im tief gespaltenen Syrien steht dabei im Fokus. Seit dem Sturz Assads kam es wiederholt zu GewaltausbrĂŒchen, bei denen zum Teil Hunderte Menschen getötet wurden.

