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Kritik an Krankenkassenreform - Tschentscher: Fehlleistung

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 16:05 Uhr, dpa.de

Als "Fehlleistung der Bundesregierung" hat Hamburgs BĂŒrgermeister Peter Tschentscher das vom Bundestag beschlossene Sparpaket fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung kritisiert.

"Die hÀtten wir gern korrigiert", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur und bedauerte, dass das Gesetz nicht in den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat gegangen ist. Ein entsprechender Antrag hatte in der LÀnderkammer keine Mehrheit gefunden.

Kritik kam auch vom HausĂ€rzteverband sowie von den Landkreisen und StĂ€dten, die unter den Kosten fĂŒr KrankenhĂ€user und Rettungsdienste Ă€chzen.

Schulden und Steuergeschenke machen Bund handlungsunfÀhig

Tschentscher kritisierte, dass versicherungsfremde Leistungen nicht steuerfinanziert, sondern allein den Beitragszahlern aufgebĂŒrdet wĂŒrden. "Das sind hohe MilliardenbetrĂ€ge, die ausschließlich den Versicherten zur Last fallen", sagte er.

Grund sei eine verfehlte Steuer- und Finanzpolitik der schwarz-roten Bundesregierung, die auf der einen Seite eine hohe Verschuldung vorsehe, ohne dass es einen Plan fĂŒr die Finanzierung der Kredite oder deren Tilgung gebe. Auf der anderen Seite mache man sich "mit Steuergeschenken aus der Gießkanne" handlungsunfĂ€hig. "Und jetzt fehlt der Bundesregierung die finanzielle Kraft, um dringend notwendige Dinge zu finanzieren, wie man bei der GKV-Reform sieht", sagte Tschentscher.

HausĂ€rzte kĂŒndigen KĂŒrzungsprogramme in den Praxen an

Die HausĂ€rzte prognostizieren deutliche Einschnitte in der Versorgung durch das Sparpaket. "Wir werden jetzt massive KĂŒrzungsprogramme in den Praxen fahren", sagte der Vorsitzende des HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverbands, Markus Blumenthal-Beier, im Deutschlandfunk.

Er beklagte, durch die demografische Entwicklung und weitere geplante Reformen wĂŒrden die HausĂ€rzte mehr Menschen versorgen mĂŒssen. Andererseits stiegen die Kosten fĂŒr Personal und Mieten sprunghaft. Das sei fĂŒr die Praxen nicht mehr zu schaffen. Es gebe bereits Praxen, die schon aufgrund des Gesetzentwurfes jegliche Einstellungen und Praxiserweiterungen auf Eis gelegt hĂ€tten. Auch gebe es genug HausĂ€rzte, die mit 63 Jahren sagten: "Wenn das kommt, da habe ich die Schnauze voll."

EnttĂ€uscht zeigte sich der Verbandschef nicht nur von der Regierung, sondern auch der Mehrheit der BundeslĂ€nder, die das Spargesetz letztlich mitgetragen haben. Blumenthal-Beier sagte "massive Versorgungsprobleme in dĂŒnn besiedelten Region" voraus.

Kreise kritisieren Belastungen fĂŒr Kliniken durch Sparpaket

Das Sparpaket löste auch Protest bei den Kommunen aus. Der PrĂ€sident des Deutschen Landkreistags, Achim Brötel, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, den KrankenhĂ€usern drohten 2027 zusĂ€tzliche Belastungen, obwohl insbesondere die Landkreise und StĂ€dte schon heute Milliarden aufbringen mĂŒssten, um ihre Kliniken noch vor der Insolvenz zu bewahren.

Paket mit Milliarden-Abgabenbremsen

Der Bundesrat hatte den Weg fĂŒr das vom Bundestag beschlossene Sparpaket freigemacht. Es soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 von stark steigenden Ausgaben entlasten, um neue Beitragserhöhungen zu verhindern. Vorgesehen sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche - aber etwa auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.

Laut Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wird eine auf 18,8 Milliarden Euro angewachsene LĂŒcke geschlossen. Konkret beziffert wurde das erwartete Sparvolumen bisher nicht.

Der Bund kam den LĂ€ndern zuletzt noch mit finanziellen ZugestĂ€ndnissen entgegen - mit 450 Millionen Euro fĂŒr die KrankenhĂ€user und 100 Millionen Euro fĂŒr die Uni-Kliniken, wie Warken sagte. Im Bundesrat fand ein Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses dann nicht die erforderliche Mehrheit.

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