AMD Aktie: Ausverkauf überschattet Milliardendeal
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Ausverkauf im Chipsektor reißt AMD deutlich nach unten — und das ausgerechnet an dem Tag, an dem der Konzern einen milliardenschweren Infrastrukturdeal für sein KI-Geschäft verkündet. Zwei Nachrichten, ein Kurs, der trotzdem tief rot notiert.
Chinas Speicherchip-Coup schickt den Sektor auf Talfahrt
Der Auslöser liegt in Shanghai. Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT ging dort mit einem der größten Börsengänge Asiens in diesem Jahr an den Start und schoss am ersten Handelstag um rund 466 Prozent nach oben. Über Nacht wurde das Unternehmen aus Hefei mit einer Marktbewertung von etwa 480 Milliarden US-Dollar zum wertvollsten Konzern auf dem chinesischen Festland.
Fast zeitgleich sorgte ein Bericht über den Start der Serienproduktion chinesischer Immersions-Lithografiemaschinen für zusätzliche Nervosität — jener Maschinentyp, mit dem bislang vor allem ASML den Markt dominiert. Die geplanten Stückzahlen von rund fünf Maschinen in diesem Jahr und etwa 20 im Jahr 2027 stehen zwar in keinem Verhältnis zu den rund 130 Systemen, die ASML allein 2026 ausliefert. Die Sorge vor wachsender chinesischer Konkurrenz reichte trotzdem, um den gesamten Sektor zu erfassen.
AMD rutschte im Zuge dessen zeitweise um 7,7 Prozent auf 456,45 US-Dollar ab, während Sandisk, Western Digital, Marvell und Intel ähnlich kräftig nachgaben. Hinzu kommen Gewinnmitnahmen nach der vorangegangenen Kursrally bei Speicherchip-Werten sowie ein Streit zwischen Apple und Micron: Apple-Chef Tim Cook drängt die US-Regierung offenbar dazu, den Einsatz chinesischer Speicherchips in im Ausland verkauften Geräten zu erlauben — ein Szenario, das den Wettbewerbsdruck auf etablierte Anbieter weiter erhöhen würde.
Core-Scientific-Deal als Gegengewicht
Während der Sektor unter Druck steht, baut AMD im Hintergrund seine KI-Infrastruktur aus. Der Konzern hat mit Core Scientific eine Partnerschaft geschlossen, die Zugriff auf bis zu 2,5 Gigawatt Rechenzentrumskapazität sichert. Ab 2027 sollen zunächst mehr als 500 Megawatt AI-ready-Kapazität zur Verfügung stehen, auf denen Kunden AMDs Instinct-GPUs, EPYC-Prozessoren und die ROCm-Software betreiben können.
Als Teil der Vereinbarung erhält AMD marktpreisgebundene Optionsscheine auf Core-Scientific-Aktien, gebunden an bestimmte kommerzielle Bedingungen. Finanzielle Details zum Gesamtvolumen des Deals nannten beide Unternehmen nicht. Der Schritt passt zum branchenweiten Wettlauf um Rechenzentrumskapazität, den steigende KI-Investitionen ausgelöst haben — konnte den Kursrutsch am Dienstag aber nicht auffangen.
Chartbild kippt vor den Zahlen
Charttechnisch hat sich die Lage für AMD zuletzt eingetrübt. Der mittelfristige Trend ist in eine neutrale Phase übergegangen, geprägt von einem tieferen Hoch und einem tieferen Tief — ein Muster, das vor den anstehenden Quartalszahlen zusätzliche Unsicherheit schafft.
Der nächste konkrete Fixpunkt für den gesamten Sektor ist der 29. Juli: Dann legt SK Hynix seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Die Berichte dürften zeigen, ob die zugrunde liegende Nachfrage nach KI-Speicherchips die aktuelle Sorge vor chinesischer Konkurrenz überhaupt rechtfertigt — und damit auch, ob sich der Abwärtsdruck auf AMD und den Rest der Chipbranche fortsetzt oder abklingt.
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