AMD, Prozessoren

AMD verurteilt gefÀlschte Prozessoren in Chuwi-Laptops

19.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

AMD kĂŒndigt rechtliche Schritte an, nachdem Tests enthĂŒllten, dass Chuwi in Laptops Ă€ltere Ryzen-Chips verbaut und diese durch Firmware-Manipulation als neue Modelle ausgibt.

AMD verurteilt gefĂ€lschte Prozessoren in Chuwi-Laptops - Foto: ĂŒber boerse-global.de
AMD verurteilt gefĂ€lschte Prozessoren in Chuwi-Laptops - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Ein schwerwiegender Hardware-Skandal erschĂŒttert den Markt fĂŒr gĂŒnstige Laptops. Der Chiphersteller AMD hat am 18. MĂ€rz 2026 offiziell reagiert, nachdem unabhĂ€ngige Tester enthĂŒllten, dass der chinesische Hersteller Chuwi Ă€ltere Prozessoren als neue Modelle verkauft.

Systematischer Betrug auf Firmware-Ebene

Der Skandal begann, als Tester von Notebookcheck bei einem Chuwi CoreBook X Leistungsunterschiede feststellten. Obwohl alle Systeminformationen einen AMD Ryzen 5 7430U anzeigten, deuteten Benchmarks auf einen Àlteren Chip hin. Der physische Blick auf den Prozessor bestÀtigte den Verdacht: Es handelte sich um einen Ryzen 5 5500U.

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Der Betrug war systematisch. Auch ein zweites GerĂ€t, ein CoreBook Plus, enthielt den falschen Chip. Die TĂ€uschung erfolgte in der BIOS-Firmware, die das Betriebssystem Windows und Diagnose-Tools wie CPU-Z gezielt in die Irre fĂŒhrte. Die Manipulation war so ausgeklĂŒgelt, dass die CPU-Z-Entwickler ein spezielles Update (Version 2.19) veröffentlichen mussten, um die getarnten Prozessoren der Ryzen-5000-Serie korrekt zu identifizieren.

Deutliche Leistungseinbußen fĂŒr Kunden

Der Unterschied zwischen beworbenem und verbautem Prozessor ist fĂŒr KĂ€ufer erheblich. Der angeblich verbaute Ryzen 5 7430U basiert auf AMDs modernerer Zen-3-Architektur. Der tatsĂ€chlich verbaute Ryzen 5 5500U nutzt die Ă€ltere Zen-2-Architektur aus dem Jahr 2021.

Beide Chips haben zwar sechs Kerne, doch der Ă€ltere 5500U arbeitet mit niedrigeren Taktraten und besitzt nur die HĂ€lfte des L3-Cache. Tester schĂ€tzen die Leistungseinbußen auf sieben bis zwanzig Prozent – je nach Anwendung. FĂŒr preisbewusste KĂ€ufer bedeutet das weniger Rechenpower und eine kĂŒrzere Nutzungsdauer des GerĂ€ts.

AMD distanziert sich und droht mit Klagen

Angesichts der internationalen Aufmerksamkeit veröffentlichte AMD am 18. MÀrz 2026 eine offizielle Stellungnahme. Der Konzern distanzierte sich entschieden von der Praxis und betonte, nichts von den Hardware-TÀuschungen gewusst und die Umetikettierung nie genehmigt zu haben.

AMD verwies auf strikte, rechtlich bindende Vorgaben fĂŒr die Benennung und Bewerbung seiner Produkte. Unautorisierte Nutzung der Modellnamen verzerre den Markt und tĂ€usche Kunden in schwerwiegender Weise. Das Unternehmen kĂŒndigte an, seine Rechte gegenĂŒber den Verantwortlichen gerichtlich durchsetzen zu wollen.

RĂŒckrufaktionen und Lieferketten unter Verdacht

Die Folgen des Skandals breiten sich schnell aus. Nach den EnthĂŒllungen soll Chuwi zunĂ€chst mit rechtlichen Schritten gegen die berichtenden Journalisten gedroht haben. Doch als die Beweise erdrĂŒckend wurden, reagierte der Handel.

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Der in Hongkong ansĂ€ssige Distributor Hornington bestĂ€tigte nach eigenen Untersuchungen die falschen Prozessoren in mehreren Chuwi-Produktlinien, darunter CoreBook X, CoreBook Plus und dem Ubox Mini-PC. Der HĂ€ndler startete umgehend einen ProduktrĂŒckruf und bietet betroffenen Kunden volle RĂŒckerstattungen an.

Analysten vermuten die Ursache des Betrugs weiter oben in der Lieferkette, möglicherweise beim chinesischen Original Design Manufacturer (ODM) Emdoor Digital. Dieser liefert Hardware-BausÀtze an verschiedene Billigmarken. Berichten zufolge wurden Àhnliche Prozessor-Differenzen auch bei GerÀten der Marke Ninkear entdeckt.

Branche muss Vertrauen wiederherstellen

Der Skandal offenbart gravierende Schwachstellen in der globalen Lieferkette fĂŒr Billig-Elektronik. Er zeigt die Risiken beim Kauf von "White-Box"-GerĂ€ten, die stark von Drittherstellern abhĂ€ngen. Wenn die Firmware manipuliert werden kann, sind herkömmliche Methoden zur Hardware-ÜberprĂŒfung wirkungslos.

Die Lage unterstreicht die Bedeutung unabhĂ€ngiger Hardware-Journalisten und grĂŒndlicher GerĂ€te-Öffnungen. Die Verantwortlichen versuchten, durch BIOS-Manipulation den Wort ihrer Billig-Laptops kĂŒnstlich zu steigern und das Vertrauen in etablierte Marken wie AMD auszunutzen.

Die Branche steht nun unter Druck. Software-Entwickler werden ihre Diagnose-Tools gegen Firmware-Manipulationen hĂ€rten mĂŒssen. Hersteller und HĂ€ndler dĂŒrften kĂŒnftig mehr Transparenz und strengere QualitĂ€tskontrollen fordern. AMDs AnkĂŒndigung rechtlicher Schritte könnte abschreckend auf Ă€hnliche Betrugsversuche wirken. Weitere RĂŒckrufe und rechtliche Konsequenzen werden erwartet.

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