Frankfurt-News, Lohnenswertes

Börse Frankfurt-News: Lohnenswertes außerhalb des Mainstreams (Auslandsaktien)

05.12.2024 - 14:19:38

America first ist nicht nur bei Donald Trump, sondern auch an den Börsen das Motto der Stunde.

Vor allem US-amerikanische Nebenwerte und Aktien aus dem Krypto-Segment profitieren von dem Comeback des designierten US-PrÀsidenten.

5. Dezember 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Handel mit Auslandsaktien auf den MarktplĂ€tzen der Deutschen Börse ist weiterhin geprĂ€gt von den Ergebnissen der US-Wahl im November. WĂ€hrend der Euro Stoxx 50 im November leicht an Wert einbĂŒĂŸte, ging es an den US-MĂ€rkten mit den Kursen weiter bergauf. Tech-Experte Stefan Waldhauser beobachtet dabei schon seit einigen Monaten eine "Rotation raus aus den Standardwerten und rein in die Nebenwerte". Anders als in Deutschland haben sich die amerikanischen Small Caps zuletzt deutlich besser entwickelt als die Blue Chips. Dieser Trend hat sich anlĂ€sslich der Quartalssaison sogar noch beschleunigt. "Eine solche Phase der Outperformance der kleineren Werte hatten wir vorher viele Jahre lang nicht gesehen", erklĂ€rt Waldhauser, der diese Entwicklung als "sehr gutes Zeichen" dafĂŒr wertet, "dass die RationalitĂ€t an die Börsen zurĂŒckkehrt".

Fehlbewertung bei US-amerikanischer Internetholding?

Die angelaufene "Neubewertung der lange Zeit vernachlĂ€ssigten Nebenwerte" sollte laut Waldhauser dafĂŒr sorgen, dass es sich auch in den kommenden Monaten lohnen sollte, "auch mal außerhalb des Mainstreams zu investieren". Einer seiner aktuellen Favoriten ist die in seinen Augen "deutlich unterbewertete" Internetholding IAC (US44891N2080), die von ihrem im MĂ€rz 2021 markierten Hoch innerhalb von 1,5 Jahren fast 85 Prozent an Wert verloren hatte. Seitdem lĂ€uft eine volatile SeitwĂ€rtsbewegung. Der Softwarekenner ist "optimistisch, dass 2025 mit einem ANGI Spin-Off und einem IPO oder Exit von Turo die Börse die Fehlbewertung entdecken und korrigieren wird". Eine ausfĂŒhrliche Analyse dazu gibt es unter high-tech-investing.de/.

Wie schnell so eine Neubewertung ablaufen kann, hat sich gerade bei der Aktie der Video-Plattform Vimeo (US92719V1008) gezeigt, die nach dem jĂŒngsten Quartalsbericht in nur einer Woche um ca. 50 Prozent zulegen konnte. Der positive Trend könnte sich laut Waldhauser fortsetzen, sobald die Investoren Vimeo noch stĂ€rker als "Wachstumsunternehmen mit einer soliden Kostenstruktur und einem fĂ€higen Team" wahrnehmen.

Krypto-Hype auch am Aktienmarkt

Neben US-Aktien sind bei Anlegerinnen und Anlegern momentan vor allem Titel en vogue, die von den steigenden Kursen der KryptowĂ€hrungen profitieren. Auch das hat natĂŒrlich mit der Wahl von Donald Trump zu tun, der sich im Vorfeld als großer Krypto-AnhĂ€nger geoutet hatte. Bei der Baader Bank herrscht in diesem Segment eine anhaltend starke Nachfrage, wie HĂ€ndler Roland Stadler berichtet. Gehandelt werden zum Beispiel die Aktien des Bitcoin-Entwicklungsunternehmens Microstrategy (US5949724083) und Mara Holding (US5657881067), einem Entwickler von Technologien fĂŒr digitale Vermögenswerte. Beide Werte haben sich in den vergangenen Wochen weit ĂŒberdurchschnittlich gut entwickelt.

Als potenzielle Verlierer des US-Wahlergebnisses haben die Anlegerinnen und Anleger unter anderem die im Bereich der Erneuerbaren Energien aktiven Konzerne ausgemacht. Das zeigt sich sowohl an den fallenden Kursen als auch den verstÀrkten Abgaben bei Aktien wie Enphase Energy (US29355A1079) oder First Solar (US3364331070), wobei hier in den vergangenen Tagen jeweils eine Stabilisierung gelang.

Roland StadlerComeback der Spirituosenhersteller?

An den europĂ€ischen MĂ€rkten sieht Jonathan Neuscheler von der Abilitato GmbH gute Vorzeichen fĂŒr die bekannten Player der Spirituosenbranche, die im laufenden Jahr deutlich unter Druck stehen. Diageo als MarktfĂŒhrer hat bislang 18 Prozent an Wert eingebĂŒĂŸt, bei Pernod Ricard als Nummer zwei ging sogar ein Drittel des Börsenwertes verloren. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der unabhĂ€ngigen Aktienresearch- und Finanzbildungsplattform macht dafĂŒr unter anderem die immer noch gut gefĂŒllten Lager bei HĂ€ndlern und Kunden verantwortlich. "Dazu kommen die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten, weshalb einige Konsumenten auf gĂŒnstigere Marken ausweichen".

FĂŒr Neuscheler handelt es sich dabei aber nur "um vorĂŒbergehende Faktoren", da Spirituosen nichtzyklische KonsumgĂŒter mit einer wiederkehrenden Nachfrage sind. Zudem ist aus seiner Sicht das Risiko höherer Zölle auf importierte Spirituosen (vor allem Whiskys, die in anderen LĂ€ndern hergestellt werden) in der Bewertung der Diageo-Aktie (GB0002374006) bereits eingepreist. Der Titel wird beim 2025er-KGV nach seiner Berechnung aktuell mit einem "Rabatt von ca. 20 Prozent auf den Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre" gehandelt. Und das bei der Hoffnung auf ein noch mal beschleunigtes Wirtschaftswachstum und geringere Unternehmenssteuern in Nordamerika, dem "wichtigsten Markt des britischen Unternehmens". Neuscheler sieht Diageo daher als QualitĂ€tsaktie, die sich gut fĂŒr eine Buy-and-Hold Investition eignet.

GĂŒnstige Bewertung trifft auf gute Wachstumschancen

Bei Pernod Ricard (FR0000120693) lobt der Aktien-Experte vor allem die "hervorragende Positionierung in aufstrebenden und wachstumsstarken LĂ€ndern". So wie in Indien, wo der Konzern bei Premiumspirituosen einen Marktanteil von 48 Prozent erreicht. Neuscheler traut der Firma daher zukĂŒnftig höhere Wachstumsraten zu. Gleichzeitig ist die Bewertung mit einem von ihm errechneten 2025er KGV von 14 "auf den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre gefallen". Der langfristige Bewertungsdurchschnitt liege demnach bei einem KGV von 22. Zudem befinde sich die durch den Kursrutsch auf 4,4 Prozent gestiegene Dividendenrendite "weit oberhalb des zehnjĂ€hrigen Durchschnittswerts von 2,1 Prozent". In einer ausfĂŒhrlichen Analyse riet Neuscheler daher Ende Oktober dazu, die Position bei weiteren Kursverlusten "antizyklisch aufzustocken". Seitdem ist die Aktie um 15 Prozent gefallen.

Von Thomas Koch, 4. Dezember 2024, © Deutsche Börse

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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