Merz' eisige Botschaft aus der Arktis an Trump
13.03.2026 - 17:21:27 | dpa.de(neu: Details.)
ANDENES/NORWEGEN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verschĂ€rft den Ton gegenĂŒber US-PrĂ€sident Donald Trump und seiner Regierung im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg weiter. Bei seinem Besuch in der norwegischen Arktis kritisierte er die befristete US-Erlaubnis fĂŒr den Kauf russischen Ăls mit deutlichen Worten. "Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen GrĂŒnden auch immer, das halten wir fĂŒr falsch", sagte der CDU-Chef bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit MinisterprĂ€sident Jonas Gahr StĂžre auf der Insel Andoya.
Er warf Trump vor, die USA damit in der G7-Gruppe fĂŒhrender westlicher WirtschaftsmĂ€chte isoliert zu haben und bemĂ€ngelte erneut, dass es keine Strategie zur Beendigung des Krieges gebe.
Merz in Flecktarn beim arktischen Manöver
Am Nachmittag reiste Merz zusammen mit StĂžre weiter nach Bardufoss, wo 1.600 Bundeswehrsoldaten an dem MilitĂ€rmanöver "Cold Response" von 14 Nato-Staaten teilnehmen. Zusammen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney verfolgten sie die Ăbung, an der unter anderem Leopard-2-Kampfpanzer teilnahmen. Merz kam in einer Flecktarnjacke auf das zum groĂen Teil vereiste ĂbungsgelĂ€nde.
Aus deutscher Sicht ist auch diese Ăbung ein Signal an Trump in dem immer noch schwelenden Streit ĂŒber Grönland. Der US-PrĂ€sident hatte seine AnsprĂŒche auf die zu DĂ€nemark gehörende Insel mit Sicherheitsdefiziten begrĂŒndet. Die EuropĂ€er halten das fĂŒr vorgeschoben, wollen nun trotzdem mehr PrĂ€senz in der Arktis zeigen.
Im WeiĂen Haus waren sich Merz und Trump noch weitgehend einig
Anfang vergangener Woche war die Stimmung zwischen Merz und Trump beim Besuch des Kanzlers im WeiĂen Haus noch freundlich. Merz zeigte sich weitgehend einig mit Trump in den Kriegszielen im Iran und wurde fĂŒr die deutsche Haltung gelobt. Die scharfe Kritik des US-PrĂ€sidenten an Spanien, das sich von Anfang an gegen die Angriffe Israels und der USA gestellt hatte, konterte er nicht.
Seitdem verschĂ€rft der Kanzler seine Kritik an dem Krieg StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Mit seiner Lockerung der Sanktionen gegen Russland bestĂ€tigt Trump aus Sicht der EuropĂ€er die BefĂŒrchtung, dass die BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs im Zuge der Iran-Offensive unter die RĂ€der kommen könnten.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte in der Nacht zu Freitag auf der Plattform X mitgeteilt, dass LĂ€nder zeitweise russisches Ăl kaufen dĂŒrften, das sich bereits auf Schiffen befinde. Ziel sei, das Angebot auf dem Weltmarkt zu verbessern. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll bis 11. April gelten.
"Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges"
Merz warf den USA vor, sich damit gegen alle anderen G7-Staaten zu stellen. Er verwies auf eine Schalte der Staats- und Regierungschefs fĂŒhrender demokratischer WirtschaftsmĂ€chte mit Trump am Mittwoch. "Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass dies nicht das richtige Signal ist. Wir haben dann heute Morgen erfahren, dass sich die amerikanische Regierung offensichtlich anders entschieden hat", sagte Merz und machte damit klar, dass die Entscheidung nicht abgesprochen war.
Auch einem MilitĂ€reinsatz in der StraĂe von Hormus erteilte Merz eine Absage. Es gebe im Augenblick "keine Veranlassung, ĂŒber eine militĂ€rische Absicherung der Seewege nachzudenken", sagte er auch mit Blick auf eine mögliche deutsche Beteiligung. "Ich will es noch einmal sehr deutlich sagen: Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges und wir wollen es auch nicht werden", betonte Merz. "Und insofern sind alle unsere BemĂŒhungen darauf gerichtet, den Krieg zu beenden."
Auch der norwegische MinisterprĂ€sident StĂžre sagte, es gebe keine PlĂ€ne fĂŒr einen MilitĂ€reinsatz. Die Idee eines internationalen Einsatzes wird vor allem vom französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron verfolgt. Er hatte nach einer Schalte der G7-Staats- und Regierungschefs davon gesprochen, dass die Staatengruppe eine solche Mission zur Eskortierung von Ăltankern und Frachtschiffen durch Kriegsschiffe vorbereiten wolle. Die Voraussetzungen dafĂŒr seien derzeit zwar noch nicht gegeben, aber "diese Arbeit muss organisiert werden".
Merz am Tor zum Weltraum fĂŒr Deutschland
Merz war am Donnerstagabend mit einem Truppentransporter der Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya 300 Kilometer nördlich des Polarkreises eingetroffen. Zusammen mit StĂžre besichtigte er dort am Morgen den neuen Andoya Space Port, der auch fĂŒr Deutschland das Tor zum Weltraum ist. Vor rund einem Jahr schickte das deutsche Startup Isar Aerospace von Andoya aus die Orbitalrakete "Spectrum" in den Himmel, die fĂŒr den Transport erdnaher Satelliten in die Umlaufbahn gedacht ist. Nach nur 30 Sekunden stĂŒrzte die Rakete ab, das Unternehmen zeigte sich wegen wertvoller Ergebnisse des Testflugs trotzdem zufrieden.
Am 19. MĂ€rz soll es nun ernst werden. Erstmals soll eine der 30 Meter langen "Spectrum"-Raketen mit fĂŒnf Satelliten ins All starten - wenn das Wetter mitspielt. Grund des groĂen Interesses in der europĂ€ischen Raumfahrtindustrie an dem Projekt ist die weitgehende UnfĂ€higkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schieĂen. Seit langem wird die groĂe Mehrheit der europĂ€ischen Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space X des US-MilliardĂ€rs Elon Musk ins All befördert.
"Dies ist jetzt die Stunde Europas", sagte Merz beim Besuch des Weltraumbahnhofs. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Ministerien und Industrie beider LĂ€nder soll nun die Möglichkeiten fĂŒr eine noch engere Kooperation ausloten.
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