Finanzierung/Investitionen, Wettbewerb

Kleinanleger rufen Verfassungsgericht in Sachen Varta an

22.11.2024 - 13:28:17

Angesichts der drohenden Enteignung der Varta DE000A0TGJ55-KleinaktionÀre haben einige Anteilseigner Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Ihr entschĂ€digungsloser Ausschluss des Bezugsrechts bei der Sanierung des Unternehmens verstoße gegen die Eigentumsgarantie, teilte die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) in MĂŒnchen mit. Der Vorstand des angeschlagenen Unternehmens wollte sich nach Angaben eines Sprechers nicht zu der Klage Ă€ußern. Erfolgreich sind Verfassungsbeschwerden selten: Die Erfolgsquote der vergangenen zehn Jahre lagt laut dem Gericht bei 1,66 Prozent.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers in Karlsruhe ist die Klage der Varta-KleinaktionĂ€re eingegangen. Der Konzern aus dem schwĂ€bischen Ellwangen strauchelt bereits seit einiger Zeit - und will im Überlebenskampf die AltaktionĂ€re aus dem Unternehmen drĂ€ngen. Ermöglichen soll dass das Unternehmensstabilisierungs- und-restrukturierungsgesetz (StaRUG). In einem StaRUG-Verfahren könnendie Interessen der AktionĂ€re ausgehebelt werden. Der Varta-Sprecher sagte weiter, man glaube, mit dem aktuellen Verfahren die beste Lösung fĂŒr das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Gesamtheit der GlĂ€ubigergruppen gefunden zu haben, die der Varta eine Perspektive fĂŒr die Zukunft gebe.

Batteriekonzern in der Krise

Angetrieben vom HauptaktionĂ€r Michael Tojner, der 50,1 Prozent der Anteile halte, solle das Kapital des börsennotierten Unternehmens herabgesetzt und danach eine Kapitalerhöhung realisiert werden, an denen die PublikumsaktionĂ€re nicht teilnehmen dĂŒrften, kritisierten die AnlegerschĂŒtzer. Der GroßaktionĂ€r dĂŒrfe hingegen als einziger AltaktionĂ€r an der Kapitalerhöhung von Varta teilnehmen. Dieses Vorgehen des Aufsichtsratsvorsitzenden Tojner ist aus Sicht der SdK treuwidrig und aktionĂ€rsfeindlich. Diese Methode der Sanierung durch Enteignung ist mit der Eigentumsgarantie des Grundgesetzes nicht zu vereinbaren.

Bei Varta arbeiteten zuletzt rund 4.000 Menschen. Der Batteriekonzern steckt schon lĂ€nger in der Krise. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig: Neben der stark schwankenden Nachfrage nach kleinen Lithium-Ionen-Knopfzellen, zum Beispiel fĂŒr Kopfhörer, stehen auch Managementfehler im Raum. Kritiker werfen Varta unter anderem vor, sich zu abhĂ€ngig vom Hauptkunden Apple US0378331005 gemacht zu haben und zu viel Geld zu leichtfertig investiert zu haben. Zu allem Überfluss hatten Hacker im Februar die Computersysteme des Unternehmens attackiert und die Produktion wochenlang lahmgelegt.

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