NiedersĂ€chsische Ministerin hĂ€lt Gentechnik-Entscheidung der EU fĂŒr Fehler
06.01.2026 - 06:31:34 | dpa.de"Ich bin weiterhin ĂŒberzeugt, dass das wirklich eine gewaltige Fehlentscheidung ist", sagte die GrĂŒnen-Politikerin im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Hannover.
Geplant ist, dass gentechnisch nur gering verĂ€nderte Lebensmittel auch ohne spezielle PrĂŒfung und ohne Kennzeichnung verkauft werden dĂŒrfen. Nur bei erheblichen VerĂ€nderungen des Erbguts soll es eine Kennzeichnung geben. Darauf hatten sich das EU-Parlament und UnterhĂ€ndler der EU-Staaten Anfang Dezember geeinigt.
Skepsis gegenĂŒber schnelleren ZĂŒchtungserfolgen
BefĂŒrworter versprechen sich schnellere ZĂŒchtungserfolge, etwa um Pflanzen auf die Folgen des Klimawandels anzupassen. Auch der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel könnte reduziert werden, weil die Pflanzen resistenter gegen bestimmte Krankheitserreger gemacht werden könnten.
Staudte hingegen hĂ€lt diese Argumente fĂŒr fragwĂŒrdig. "Schon bei der alten Gentechnik wurde vor 30 Jahren versprochen, wenn wir die hĂ€tten, wird der Welthunger besiegt", sagte die Politikerin. Diese Ziele seien aber in der Vergangenheit nie erreicht worden.
StĂ€rkung von Konzernen zulasten der Landwirte befĂŒrchtet
"Bei der DĂŒrreresistenz bei Pflanzen gibt es nicht ein Gen oder Gensequenz, die dafĂŒr verantwortlich ist", erklĂ€rte Staudte. Pflanzen hĂ€tten unterschiedliche Mechanismen - einige wĂŒrden lange Wurzeln entwickeln, andere hĂ€tten wachsige BlĂ€tter, sodass weniger Feuchtigkeit verdunste. Wieder andere wĂŒrden ihren Tag-Nacht-Rhythmus anpassen. "Ich glaube, dass man solche Eigenschaften auch ĂŒber ZĂŒchtung erreichen kann."
Sie fĂŒrchte vielmehr, dass die Entscheidung weiter die Konzentration auf wenige Kulturarten fördere und durch die Patentmöglichkeiten beim Saatgut die StĂ€rkung von Monopol- oder Oligopolstrukturen bei den Herstellern. "Dadurch kann auch eine finanzielle Benachteiligung der Landwirtinnen und Landwirte entstehen", sagte Staudte.
Staudte sieht Bevormundung der Verbraucher
Durch den Wegfall der Kennzeichnungspflicht sehe sie letztlich eine Bevormundung der Verbraucher. Viele wĂŒrden bewusst keine Lebensmittel kaufen, die auf gentechnisch verĂ€nderten Pflanzen beruhten. "Die haben jetzt keine Wahlmöglichkeit mehr." FĂŒr diese Kundinnen und Kunden bliebe kĂŒnftig nur der RĂŒckgriff auf Bioprodukte. Bei diesen seien gentechnische VerĂ€nderungen nicht zulĂ€ssig.
Sie sehe auch die Gefahr von Auskreuzungen, wenn gentechnisch verÀnderte Pflanzen im Freiland angebaut werden. Die Langzeitauswirkungen sehe man erst spÀter. "Es ist eine Abkehr vom Vorsorgeprinzip, mit dem wir in Europa bislang meiner Meinung nach sehr gut gefahren sind", sagte die Ministerin.
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