Finanzierung/Investitionen, Insolvenzen

Kleinanleger wollen an Varta-Sanierung beteiligt werden

23.09.2024 - 06:42:04

AnlegerschĂŒtzer setzen angesichts der drohenden Enteignung der Varta DE000A0TGJ55-KleinaktionĂ€re auf eine einvernehmliche Lösung mit dem kriselnden Batteriekonzern.

"Wir hoffen, dass die freien AktionĂ€re am Ende noch in eine Lösung einbezogen werden", sagte der Vize-PrĂ€sident der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage sei aber nicht einfach: "Wir stehen seit lĂ€ngerem mit den Beratern der Gesellschaft in Kontakt und sind enttĂ€uscht von deren Informationspolitik. Transparenz scheint dort ein Fremdwort zu sein".

Nieding: Werden Rechtsmittel ausnutzen

Aus Sicht Niedings mĂŒsste eine Einigung auch im Interesse des Konzerns sein: "Dann kĂ€me Ruhe in die Sache rein." Finde man keine Lösung, werde man alle zur VerfĂŒgung stehenden Rechtsmittel ausnutzen. "Das heißt, wir werden dann zu Gericht gehen - und das kann die Dinge deutlich verzögern. Das ist nicht im Interesse der Gesellschaft, nicht im Interesse der AktionĂ€re - und im Interesse der Arbeitnehmer und der Kunden ist es schon gar nicht."

Heute will der Varta-Vorstand auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ĂŒber die Lage des Konzerns berichten. Die DSW vertritt zusammen mit Partnern nach eigenen Angaben mehr als 3.000 freie Varta-AktionĂ€re. Insgesamt sind derzeit noch 49,9 Prozent der Aktien im Besitz von Kleinanlegern. MehrheitsaktionĂ€r Michael Tojner hĂ€lt ĂŒber das Unternehmen Montana Tech Components 50,1 Prozent der Aktien. Doch das soll sich bald Ă€ndern.

Varta will Kleinanleger loswerden

Denn der Konzern aus dem schwĂ€bischen Ellwangen strauchelt bereits seit einiger Zeit - und will im Überlebenskampf die Alt-AktionĂ€re aus dem Unternehmen drĂ€ngen. Ermöglichen soll dass das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG). In einem StaRUG-Verfahren können die Interessen der AktionĂ€re ausgehebelt werden.

Das Verfahren hatte Varta im Juli angemeldet. Im August vermeldete der Konzern dann eine Einigung beim Sanierungskonzept. Dahinter stehen Varta-Chef Michael Ostermann zufolge fast alle von der Sanierung betroffenen Gruppen. Das Konzept sieht im Wesentlichen zwei Schritte vor: Zum einen sollen ein Schuldenschnitt und die VerlÀngerung von Krediten die Verbindlichkeiten von fast einer halben Milliarde Euro auf 230 Millionen Euro verringern.

Außerdem soll das Grundkapital der Varta AG auf null Euro herabgesetzt werden. Der Effekt: Die derzeitigen AktionĂ€re scheiden ohne Kompensation aus, und der Konzern verliert seine Börsennotierung. Danach sollen wieder Aktien ausgegeben werden - allerdings nur an eine Gesellschaft Tojners und den zum VW-Konzern DE0007664039 gehörenden Sportwagenbauer Porsche DE000PAG9113. Beide lassen sich das je 30 Millionen Euro kosten. Von den GlĂ€ubigern kommen weitere 60 Millionen als Darlehen.

AktionÀre sind sauer

Der Unmut der freien AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re darĂŒber ist groß: "Die Anwendung des Verfahrens zur kalten Enteignung der Anleger ist aus unserer Sicht missbrĂ€uchlich", sagte Nieding. Die AktionĂ€re seien bereit, dem Unternehmen zusĂ€tzliches Kapital zur VerfĂŒgung zu stellen. Sie wollten nichts anderes, als sich an der Kapitalerhöhung beteiligen zu dĂŒrfen. "Wenn das nicht gewĂŒnscht ist, wollen wir aber wenigstens erreichen, dass die bisherigen AktionĂ€re fĂŒr den Verzicht auf die Bezugsrechte entschĂ€digt werden."

Dauerkrise bei Varta

Der Batteriekonzern steckt schon lĂ€nger in der Krise. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig: Neben der stark schwankenden Nachfrage nach kleinen Lithium-Ionen-Knopfzellen, zum Beispiel fĂŒr Kopfhörer, stehen auch Managementfehler im Raum. Kritiker werfen Varta unter anderem vor, sich zu abhĂ€ngig vom Hauptkunden Apple US0378331005 gemacht zu haben und zu viel Geld zu leichtfertig investiert zu haben. Zu allem Überfluss hatten Hacker im Februar die Computersysteme des Unternehmens attackiert und die Produktion wochenlang lahmgelegt.

In den ersten neun Monaten 2023 hatte Varta rund 554 Millionen Euro Umsatz gemacht. Aktuellere GeschÀftszahlen gibt es wegen des Hackerangriffs nicht. Der GeschÀftsbericht 2023 wird Ende Oktober erwartet, Angaben zum ersten Quartal 2024 im November.

@ dpa.de | DE0007664039 FINANZIERUNG/INVESTITIONEN