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20.05.2025 - 12:01:48 | dpa.de

APA OeNB-Blog: Mehr Frauen im Aufsichtsrat - mehr Erfolg fĂŒr UnternehmenFrauen im Aufsichtsrat haben signifikant positive Auswirkungen auf ProfitabilitĂ€t, Marktentwicklung, Risikoprofil und Wachstumsraten von UnternehmenWien (APA-ots) - Im Rahmen der heutigen Abendveranstaltung " Ein.Blick Wissenschaft: Mehr Frauen => Mehr Erfolg fĂŒr Unternehmen" wird in der Oesterreichischen Nationalbank die Studie " Breaking the Glass Ceiling: Do Female Directors Boost Firm Performance ?" der Autoren Mario HĂŒbler und Michael Sigmund (OeNB) vorgestellt.

APA ots news: OeNB-Blog: Mehr Frauen im Aufsichtsrat - mehr Erfolg fĂŒr Unternehmen

Frauen im Aufsichtsrat haben signifikant positive Auswirkungen auf ProfitabilitÀt, Marktentwicklung, Risikoprofil und Wachstumsraten von Unternehmen

Wien (APA-ots) - Im Rahmen der heutigen Abendveranstaltung " Ein.Blick Wissenschaft: Mehr Frauen => Mehr Erfolg fĂŒr Unternehmen" wird in der Oesterreichischen Nationalbank die Studie " Breaking the Glass Ceiling: Do Female Directors Boost Firm Performance ?" der Autoren Mario HĂŒbler und Michael Sigmund (OeNB) vorgestellt. Im Anschluss wird eine hochrangige Podiumsdiskussion mit Eva-Maria Holzleitner ( Bundesministerin fĂŒr Frauen, Wissenschaft und Forschung), Edeltraud Stiftinger (Vize-Gouverneurin, OeNB), Peter Bosek (CEO, Erste Group), Georg Kapsch (CEO, Kapsch) sowie Anna Pölzl (CEO, Co-Founder, Campfire Solutions) zu diesem Thema veranstaltet.

OeNB-Blog:

In der Studie " Breaking the Glass Ceiling: Do Female Directors Boost Firm Performance?" untersuchen wir, ob und inwiefern Frauen im Aufsichtsrat großer Unternehmen die ProfitabilitĂ€t, die Marktentwicklung, das Risiko und das nachhaltige Unternehmenswachstum beeinflussen. Die Studie basiert auf einem umfangreichen Datensatz der grĂ¶ĂŸten börsengelisteten US-Unternehmen ("S&P 500-Unternehmen") ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren. [1]

Unsere Studie zeigt signifikant positive Effekte des Frauenanteils im Aufsichtsrat (FBR-Effekte) auf die ProfitabilitĂ€t der Unternehmen. Zehn Prozentpunkte mehr Frauen im Aufsichtsrat bedeuten rund 1 Prozentpunkt mehr EigenkapitalrentabilitĂ€t (Return on Equity). Ebenso zeigen sich fĂŒr die GesamtkapitalrentabilitĂ€t (Return on Assets) statistisch signifikante und positive Effekte. Wir zeigen außerdem, dass ein höherer Frauenanteil in den AufsichtsrĂ€ten signifikant positive Auswirkungen auf die Marktentwicklung der S&P 500-Unternehmen hat.

Eine weitere zentrale Erkenntnis unserer Studie ist, dass ein höherer Frauenanteil in den AufsichtsrĂ€ten einen positiven Effekt auf das Risikoprofil der Unternehmen hat. Frauen im Aufsichtsrat haben damit nicht nur einen positiven Effekt auf die ProfitabilitĂ€t, sondern auch auf die StabilitĂ€t der Unternehmen. Ein höherer Frauenanteil im Aufsichtsrat erhöht darĂŒber hinaus die nachhaltige Wachstumsrate (Sustainable Growth Rate - SGR) der Unternehmen. Dieses Ergebnis ist besonders relevant, da bislang wenig empirische Evidenz zum Zusammenhang der Female Board Ratio (FBR) und dem nachhaltigen Wachstum von Unternehmen existiert.

Wir zeigen außerdem, dass die positiven Effekte eines höheren Frauenanteils in den AufsichtsrĂ€ten erhebliche makroökonomische Auswirkungen haben, insbesondere auf BIP-Wachstum, Arbeitslosenquote und Bruttoinvestitionen.

Wissenschaftliche Methodik

Die wissenschaftliche Literatur, die sich mit den Auswirkungen eines höheren Frauenteils in den AufsichtsrĂ€ten auf die Unternehmensleitung beschĂ€ftigt hat, ist zwar umfangreich, aber widersprĂŒchlich. Diese inkonsistenten Ergebnisse ergeben sich hĂ€ufig aus dem Fehlen struktureller Modelle zur Identifikation. Beispielsweise zeigen Adams und Ferreira (2009) in einer einzigen Tabelle sowohl positive als auch negative, teils stark negative ZusammenhĂ€nge zwischen dem Frauenanteil im Aufsichtsrat und der ProfitabilitĂ€t. [2] Wir lösen diesen Widerspruch mit wissenschaftlichen Methoden: Mit Hilfe des kausalen Inferenz- Frameworks von Judea Pearl (Pearl, 2009, 2016) schĂ€tzen wir den kausalen Effekt des Anteils von Frauen im Aufsichtsrat (FBR-Effekt) auf den Erfolg der Unternehmen . Grafik 1 zeigt, wie wir den kausalen FBR-Effekt identifizieren und fĂŒr welche Störfaktoren wir kontrollieren mĂŒssen.

Nachdem wir mit Hilfe des Graphen (DAG) potenzielle Störfaktoren als Kontrollvariablen identifiziert haben, verwenden wir zwei ökonometrische Modelle zur SchÀtzung der FBR-Effekte.

- TWFE-Modell (Two-Way Fixed Effects): Dieses Modell ermöglicht die Kontrolle fĂŒr unbeobachtete zeitinvariante HeterogenitĂ€t auf Unternehmensebene. Das wĂ€re z.B. ein besonders gutes Management.

- FEIS-Modell (Fixed Effects with Individual Slopes): DarĂŒber hinaus ermöglicht dieses Modell die BerĂŒcksichtigung unternehmensspezifischer Trends im Zeitverlauf. Das wĂ€re z.B. ein unbeobachtetes unternehmensinternes Frauenförderungsprogramm, das die Frauenquote in Managementpositionen ĂŒber die Zeit erhöhen möchte.

Detailergebnisse der Studie

Als nĂ€chstes wollten wir herausfinden, warum Frauen im Aufsichtsrat einen positiven Einfluss auf die Unternehmensentwicklung haben. Dazu haben wir verschiedene in der Literatur beschriebene Mediatoren getestet, die zu positiven Auswirkungen der von uns untersuchten Kennzahlen der Unternehmensleistung fĂŒhren, unter anderem die Teilnahmequoten an Aufsichtsratssitzungen, die QualitĂ€t des ESG-Reportings, die Mitarbeiter:innenfluktuation sowie die Ausgaben fĂŒr Forschung und Entwicklung. Keiner dieser Faktoren ist fĂŒr die positiven Effekte von Frauen im Aufsichtsrat auf die Unternehmensentwicklung verantwortlich. Unsere Ergebnisse bestĂ€tigen damit die wissenschaftliche Literatur, die zeigt, dass Frauen in AufsichtsrĂ€ten durch ihre direkten qualitativen BeitrĂ€ge - z. B. vielfĂ€ltigere Perspektiven, neue Impulse bei Strategie- oder Risikofragen oder bessere Teamdynamik - zum Unternehmenserfolg beitragen , die sich nicht in einfachen quantitativen MessgrĂ¶ĂŸen erfassen lassen.

Der Vorteil eines strukturellen Modells ist die Möglichkeit, kontrafaktische Szenario berechnen zu können. In unserem kontrafaktischen Szenario setzen wir den FBR fĂŒr alle Beobachtungen, bei denen der tatsĂ€chliche FBR unter 50 % liegt, auf 50 %, wĂ€hrend wir fĂŒr Beobachtungen ĂŒber diesem Schwellenwert den tatsĂ€chlichen FBR unverĂ€ndert lassen. Wir nehmen damit eine Quote von mindestens 50 % Frauen in den AufsichtsrĂ€ten sĂ€mtlicher untersuchter Unternehmen an. Die Implikation dieses Szenarios sind fĂŒr ROE, ROA, SGR und die Verschuldungsquote in Grafik 3 dargestellt. Eine FBR von mindestens 50 % hĂ€tte den Unternehmenserfolg in nahezu allen Kategorien signifikant positiv beeinflusst., wie Grafik 3 veranschaulicht.

Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen fassen wir in Grafik 4 zusammen. Eine höhere FBR erhöht das reale BIP pro Kopf, das nominelle BIP-Wachstum, die Bruttoinvestitionen und reduziert die Arbeitslosequote.

Fazit und Implikationen

Unsere Studie belegt auf empirischer und kausaler Grundlage, dass ein höherer Frauenanteil in den AufsichtsrĂ€ten großer Unternehmen nicht nur ethisch oder sozial, sondern vor allem ökonomisch sinnvoll ist. Ein höherer Frauenanteil im Aufsichtsrat steigert die ProfitabilitĂ€t, verbessert das Risikoprofil, erhöht die Marktbewertung und fördert nachhaltiges Wachstum von Unternehmen - daraus ergeben sich auch gesamtwirtschaftlich wichtige Implikationen.

Durch den Einsatz des KausalitĂ€tskonzepts nach Judea Pearl wird erstmals in dieser Tiefe kausal gezeigt, dass Frauen im Aufsichtsrat einen direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben . DiversitĂ€t in den AufsichtsrĂ€ten der Unternehmen ist nicht nur ethisch begrĂŒndbar, sondern es gibt auch einen klaren ökonomischen Business Case. Unternehmen und Volkswirtschaften sollten daher aktiv auf eine stĂ€rkere Einbindung von Frauen im Top-Management hinarbeiten - nicht nur aus ethischen, sondern auch aus ökonomischen GrĂŒnden.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten mĂŒssen nicht zwingend mit den Ansichten der OeNB bzw. des Eurosystems ĂŒbereinstimmen.

SĂ€mtliche Grafiken finden sich auf der OeNB-Website .

Details zur Veranstaltung finden sich bei den Terminen auf der OeNB Website .

Literatur:

Adams, Renée B., and Daniel Ferreira. "Women in the boardroom and their impact on governance and performance." Journal of Financial Economics 94(2) 2009: 291-309.

Pearl, J. (2009). Causality: models, reasoning, and inference. Cambridge University Press.

Pearl, J., Glymour, M., and Jewell, N. P. (2016). Causal inference in statistics: A primer. John Wiley & Sons.

[1] Das Board of Directors (kurz Board ) US-amerikanischer Unternehmen entspricht am ehesten dem Aufsichtsrat in Österreich, jedoch gibt es wichtige Unterschiede: Das Board hat sowohl kontrollierende als auch strategische Aufgaben und ist meist einstufig organisiert, d. h. das Board ĂŒberwacht und fĂŒhrt, wobei die operative FĂŒhrung (CEO etc.) oft auch Mitglied im Board ist. Der Aufsichtsrat in Österreich kontrolliert den Vorstand, ist aber nicht operativ tĂ€tig (Trennung von Kontrolle und GeschĂ€ftsfĂŒhrung). Das Board in den USA vereint also Aufgaben von Vorstand und Aufsichtsrat. In diesem Blog verwenden wir das Wort Aufsichtsrat, wenn wir uns auf das Board der Unternehmen beziehen.

[2] In Tabelle 10 berichten Adams and Ferreira (2009) ĂŒber einen FRB-Koeffizienten von 6 bei BerĂŒcksichtigung von Fixed Effects auf Branchenebene, einen Koeffizienten von -6 bei firmenspezifischen Fixed Effects sowie einen Wert von -239 bei einer InstrumentvariablenschĂ€tzung, in der FRB durch das VerhĂ€ltnis von mĂ€nnlichen Aufsichtsratsmitgliedern mit "Connections" zu weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern instrumentiert wird. Es ist offensichtlich, dass dieses Instrument aufgrund seiner Konstruktion, die fĂŒr eine gĂŒltige IV-SchĂ€tzung notwendige Exklusionsrestriktion verletzt, selbst wenn man diese "Connections" korrekt messen könnte.

RĂŒckfragehinweis: Oesterreichische Nationalbank Mag. Marlies Schroeder, MiM Telefon: +43-1-404 20-6900 E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at Website: https://www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

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OTS0105 2025-05-20/11:56

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