Apple lÀsst bei Reparaturen Bauteile aus alten iPhones nutzen
11.04.2024 - 15:07:31Dabei werden iPhones erkennen können, wenn jemand versucht, ein Teil aus einem gestohlenen oder verlorenen Telefon zu verwenden, sagte Apple-Topmanager John Ternus der Deutschen Presse-Agentur. Weiter werde man iPhones auch mit Ersatzteilen anderer Hersteller wie etwa Displays oder Batterien reparieren können.
Mit der Neuerung wird man aus alten GerĂ€ten zum Beispiel Kameras und die biometrischen Module fĂŒr die Gesichtserkennung FaceID oder den Fingerabdruck-Sensor fĂŒr TouchID bei Reparaturen verwenden können.
Bauprozess von iPhones geÀndert
Apple musste dafĂŒr Ă€ndern, wie iPhones entworfen und gebaut werden, sagte Ternus, der beim Konzern fĂŒr die Hardware-Entwicklung zustĂ€ndig ist. Bei der Montage der GerĂ€te durchlaufen die Bauteile einen Prozess der Kalibrierung. Im Kern werden dabei die optimalen Parameter fĂŒr den Betrieb dieses konkreten Teils festgelegt. Diese in der Cloud gespeicherten Daten werden iPhones nun bei Reparaturen abrufen, wenn sie ein bereits zuvor verbautes und kalibriertes Original-Teil erkennen.
Die gebrauchten Ersatzteile sollen generell ab dem iPhone 15 genutzt werden können, bei den biometrischen Modulen wird das erst von der nĂ€chsten iPhone-Generation im Herbst möglich sein. Bisher erlaubt Apple nur die einmalige Kopplung der Sensoren mit dem Hauptprozessor - aus SicherheitsĂŒberlegungen, wie Ternus betonte. Generell könne man davon ausgehen, dass die gebrauchten Bauteile nur innerhalb einer Generation und Modellreihe austauschbar sein werden. "Von Generation zu Generation verĂ€ndert sich so viel, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie passen werden."
Apple wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von BefĂŒrwortern einer besseren Reparierbarkeit von GerĂ€ten kritisiert. Ternus verteidigte den Ansatz des Konzerns: Man mĂŒsse sicherstellen, dass alles funktioniere und sicher sei - und die Nutzer mĂŒssten Transparenz haben, welche Bauteile in ihrer Technik steckten. Wenn ein Teil aus einem gestohlen oder verloren gemeldeten iPhone erkannt werde, gebe es einen Warnhinweis.
Apple verteidigt sich gegen Kritik
GrundsĂ€tzlich sei nicht Reparierbarkeit das letztliche Ziel, sondern langlebige GerĂ€te, sagte Ternus. Reparaturen seien zwar ein sehr wichtiger Faktor dafĂŒr. "Aber wenn man sich nur darauf fokussiert, dass alles reparierbar sein muss, wird man Entscheidungen treffen, die am Ende schlecht fĂŒr die Nutzer und die Umwelt sind", betonte er. "Ein unzuverlĂ€ssiges GerĂ€t, das sich leicht reparieren lĂ€sst, ist grundsĂ€tzlich schlechter als eines, das gar nicht erst repariert werden muss."
Ein Beispiel wĂ€re, wenn man bei der Montage der GerĂ€te ganz auf Klebstoffe verzichten und stattdessen nur Schrauben verwenden wĂŒrde. Zum einen seien Klebstoffe gut, um Komponenten platzsparend zusammenzufĂŒgen. Zum anderen seien sie ein guter Weg, um die GerĂ€te wasserfest zu machen. Man könnte auch ein Handy bauen, das sich mit drei Schrauben öffnen lieĂe - aber es wĂ€re anfĂ€llig fĂŒr WasserschĂ€den, sagte Ternus. "Und das wĂ€re grundsĂ€tzlich schlechter, weil Telefone jeden Tag versagen und sich als Elektroschott auftĂŒrmen wĂŒrden."
Auch der Trend zu Chipsystemen, die auf einer Platte immer mehr Funktionen ĂŒbernehmen, die einst ĂŒber mehrere Komponenten wie Grafikkarten oder Speichermodule verteilt waren, sei unterm Strich gut fĂŒr die Nachhaltigkeit, argumentierte Ternus. Denn zum einen seien frĂŒher die Verbindungen zwischen einzelnen Bauteilen anfĂ€llig fĂŒr Probleme gewesen. Zum anderen seien die neuen Chipsysteme effizienter beim Stromverbrauch und brauchten auch weniger Ressourcen in der Produktion. Dies gleiche mehr als aus, dass manchmal beim Versagen eines Teils des Chips auch der Rest entsorgt werden mĂŒsse.

