Applied Digital Aktie: 155 Prozent Kursziel-Potenzial
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 11:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Applied Digital steht vor einer entscheidenden Woche. Wall-Street-Analysten überschlagen sich mit Kurszielen, während der Kurs selbst tief in der Korrektur steckt. Diese Kluft zwischen Optimismus und Kursrealität wird sich am Montag klären müssen.
Die Aktie schloss am Donnerstag bei 26,18 Euro, ein Minus von 0,68 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von über 16 Prozent zu Buche. Der Titel bleibt damit einer der volatilsten Werte im KI-Infrastruktursektor.
Analysten sehen nur eine Richtung
Elf Kaufempfehlungen, keine einzige Halten- oder Verkaufen-Einstufung. Das durchschnittliche Kursziel von 76,70 Dollar impliziert ein Aufwärtspotenzial von knapp 155 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Ein derart einheitliches Analystenbild ist selten.
Der Investment-Case stützt sich nicht auf Spekulation, sondern auf feste Verträge. Applied Digital hat 16 Milliarden Dollar an Leasingvolumen mit Hyperscaler-Kunden gesichert, abgesichert durch Mietverträge mit Laufzeiten von bis zu 15 Jahren. Das Unternehmen baut und betreibt spezialisierte Rechenzentren und vermietet Rechenkapazität an KI- und High-Performance-Computing-Kunden. Die Wette der Analysten: Die Gebäude öffnen planmäßig, und genau das passiert bislang.
Im Vergleich zum Sektorkonkurrenten IREN zeigt sich die Wachstumsdynamik deutlich. IREN verzeichnete im Jahresvergleich keinerlei Umsatzwachstum. Applied Digital dagegen legte im gleichen Zeitraum um 175 Prozent zu, während IREN nur auf 122 Prozent kam.
Vier Quartale in Folge über den Erwartungen
Die jüngste Geschäftsentwicklung untermauert den Optimismus. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz auf 126,64 Millionen Dollar, ein Plus von 139,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA sprang von 6,26 Millionen auf 44,14 Millionen Dollar.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,09 Dollar, während Analysten einen Verlust von 0,21 Dollar erwartet hatten. Es war bereits die vierte positive Überraschung in Folge. Insgesamt hat Applied Digital die Gewinnschätzungen sieben Quartale hintereinander übertroffen.
Für das nun anstehende vierte Geschäftsquartal rechnet der Konsens mit einem Verlust von 36 Cent je Aktie bei einem Umsatz von 91,91 Millionen Dollar. Angesichts der Historie wirkt diese Prognose vorsichtig — im Vorquartal hatte das Unternehmen die Erwartung von 77,11 Millionen Dollar um fast 50 Millionen Dollar übertroffen.
Der Kurs erzählt eine andere Geschichte
Trotz der Analysten-Euphorie bleibt das Chartbild angespannt. Die Aktie notiert 23 Prozent unter ihrem 20-Tage-Durchschnitt und 33 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Näher am aktuellen Kurs liegt der 200-Tage-Durchschnitt bei 28,03 Euro, gerade einmal 7 Prozent entfernt.
Technische Beobachter nennen konkrete Marken: Widerstand um 29 Dollar, Unterstützung um 24 Dollar. Zwischen diesen beiden Linien dürfte sich die Aktie bis zur Zahlenvorlage bewegen.
Der Gegensatz zur Jahresperformance ist auffällig. Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 175 Prozent mehr als verdoppelt, seit Jahresbeginn steht ein Plus von gut 20 Prozent. Der 30-Tage-Rückgang von fast 30 Prozent zeigt aber, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.
Bilanz als Sicherheitsnetz
Ein Argument gegen das Ausführungsrisiko liefert die Liquiditätslage. Das Unternehmen verfügt über 1,73 Milliarden Dollar an Kassenbestand. Hinzu kommt eine besicherte Anleihe über 2,15 Milliarden Dollar zu einem Zinssatz von 6,750 Prozent, mit der das Projekt Polaris Forge 2 finanziert wird.
Eine neue Investment-Grade-Beziehung zu einem Hyperscaler-Kunden rundet das Bild ab. Diese Kombination aus Kapitalpuffer und langfristigen Verträgen soll Anlegern Sicherheit geben, falls der Ausbau der Rechenzentren ins Stocken gerät.
Die Telefonkonferenz zu den Jahres- und Quartalszahlen findet am Montag, den 27. Juli, um 23 Uhr deutscher Zeit statt. Die Pressemitteilung mit den vollständigen Ergebnissen folgt nach US-Börsenschluss am selben Tag. Im Mittelpunkt wird stehen, wie schnell sich das signierte Leasingvolumen von 16 Milliarden Dollar tatsächlich in verbuchten Umsatz übersetzt.
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