ArbeitgeberprÀsident, Höchstarbeitszeit

ArbeitgeberprÀsident pocht auf wöchentliche Höchstarbeitszeit

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 07:37 Uhr | dpa.de

ArbeitgeberprÀsident Rainer Dulger pocht auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit in Deutschland.

"Die SpielrĂ€ume der europĂ€ischen Arbeitszeitrichtlinie werden fast ĂŒberall genutzt, nur bei uns nicht", sagte Dulger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wenn eine wöchentliche Höchstarbeitszeit so gefĂ€hrlich wĂ€re, mĂŒssten Arbeitnehmer in Belgien und Italien reihenweise krank im Bett liegen. TatsĂ€chlich sind ihre Krankheitsquoten niedriger als unsere."

WÀhrend das deutsche Arbeitszeitgesetz die tÀgliche Arbeitszeit im Grundsatz auf acht Stunden begrenzt, sieht die europÀische Arbeitszeitrichtlinie eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vor. In Deutschland kann die Arbeitszeit nur mit Ausgleich innerhalb eines halben Jahres auf bis zu zehn Stunden verlÀngert werden.

Dulger sagte, sogar eine Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder wĂŒnsche sich eine Wochenhöchstarbeitszeit. "Das Arbeitszeitgesetz stammt aus der Ära von Telex und WĂ€hlscheibe. Es kennt weder Notebooks noch Kita-Öffnungszeiten."

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei seiner Sommerpressekonferenz Mitte Juli deutlich gemacht, dass er im Herbst einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin BÀrbel Bas (SPD) zur Arbeitszeitreform erwarte. Union und SPD hatten bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit zu schaffen, die Gewerkschaften haben daraufhin vor einem Ende des Acht-Stunden-Tags gewarnt.

Dulger will neue Regeln bei ArbeitsunfÀhigkeit

Dulger forderte zudem Schritte gegen Missbrauch beim Thema ArbeitsunfĂ€higkeit. "Wer arbeitsunfĂ€hig ist, soll dadurch keinen finanziellen Nachteil haben. Da funktioniert unser System, und daran will niemand rĂŒtteln. Wir haben es allerdings nicht fĂŒr den geschaffen, der das System ausnutzen will", sagte der ArbeitgeberprĂ€sident.

Union und SPD hatten in einem Koalitionsausschuss vereinbart, die Möglichkeit telefonischer Krankschreibungen abzuschaffen. Die verpflichtende Vorlage einer Ă€rztlichen ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag soll demnach als gesetzliche Regel eingefĂŒhrt werden - statt wie bisher am vierten Tag. Über das Vorhaben war eine breite Debatte entbrannt.

"Die schĂŒtzen, die wirklich krank sind"

Dulger sagte: "Die von der Koalition vereinbarten Änderungen schĂŒtzen die, die wirklich krank sind. So wird das System vor Missbrauch geschĂŒtzt." Mit Misstrauen habe das nichts zu tun. "Ich vertraue meinen Leuten - deshalb beschĂ€ftige ich sie", so der Unternehmer. "Ein Gesetz ist aber nicht fĂŒr den Regelfall da, sondern fĂŒr die Ausnahme. Sonst brĂ€uchten wir keine Regeln, sondern nur guten Willen."

Generell bekrĂ€ftigte Dulger seinen Ruf nach umfassenden Reformen. Der Regierung fehle aktuell aber "eine gelungene ErzĂ€hlung", so der ArbeitgeberprĂ€sident. "Dadurch mutet sie den Menschen etwas zu, ohne ihnen zu sagen, wofĂŒr."

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