Arbeitszeitgesetz: Regierung plant Woche statt Tag als Maßstab
27.03.2026 - 00:00:27 | boerse-global.deBundeskanzler Friedrich Merz will das Arbeitszeitgesetz grundlegend reformieren. Statt täglicher Höchstgrenzen soll künftig eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden gelten. Der Vorstoß trifft auf eine Branche unter Druck: Gerichte verschärfen die Regeln für Kanzleien, während junge Juristen mehr Work-Life-Balance fordern.
Flexibilisierung als Wirtschaftsmotor
Der Kern des Plans ist ein Systemwechsel. Bisher gilt eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht, maximal zehn Stunden. Künftig soll eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden im Mittelpunkt stehen. Befürworter aus der Wirtschaft versprechen sich mehr Agilität.
Die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit erfordert von Arbeitgebern eine präzise Dokumentation, um rechtliche Risiken zu vermeiden. Mit diesem kostenlosen E-Book setzen Sie die gesetzlichen Anforderungen zur Arbeitszeiterfassung in nur 10 Minuten rechtssicher um. Arbeitszeiterfassung in 10 Minuten rechtssicher umsetzen
Kanzler Merz betonte, der Staat solle nur noch einen groben Sicherheitsrahmen setzen. Die Details müssten in Betriebs- oder Tarifvereinbarungen geregelt werden. Für Anwaltskanzleien könnten so theoretisch Zwölf-Stunden-Tage möglich werden – vorausgesetzt, der Wochen-Durchschnitt stimmt und Ruhezeiten werden eingehalten.
Kritiker wie die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Bayern warnen indes vor einem Abbau bewährter Schutzstandards.
Gerichtsurteil stellt Kanzlei-Alltag infrage
Die politische Debatte bekommt durch ein aktuelles Urteil neuen Zündstoff. Das Verwaltungsgericht Hamburg entschied, dass auch hochbezahlte Anwälte in Kanzleien die Arbeitszeitgrenzen strikt einhalten müssen.
Das Gericht wies die Argumentation zurück, Associates seien wie leitende Angestellte zu behandeln. Die üblichen Vorgaben für „billable hours“ – oft 1.400 bis 1.800 pro Jahr – stünden im Widerspruch zum Gesundheitsschutz. Der Schutz des Arbeitnehmers habe Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen.
Branchenbeobachter sehen darin einen Wendepunkt. Kanzleien müssten Personalstruktur und Erwartungen grundlegend überdenken.
DAV fordert Sonderregeln für Mandatsarbeit
Der Deutsche Anwaltverein (DAV) plädiert für eine spezielle Anpassung des Gesetzes für freie Berufe. Hauptgeschäftsführerin Dr. Sylvia Ruge argumentiert, Mandatsarbeit und gerichtliche Fristen erforderten oft ein unverzügliches Tätigwerden.
Der DAV schlägt vor, angestellte Rechtsanwälte in den Ausnahmekatalog aufzunehmen. Eine Alternative wäre eine generellere Einschränkung des Gesetzes für die Anwaltschaft. Eine komplette Abschaffung lehnt der Verband aber ab – der Gesundheitsschutz bleibe ein hohes Gut.
Pflicht zur digitalen Zeiterfassung steht bevor
Unabhängig von der großen Reform kommt 2026 eine weitere Neuerung: die verpflichtende elektronische Zeiterfassung. Arbeitgeber müssen Beginn, Ende und Dauer der Arbeit digital aufzeichnen.
Für viele kleinere Kanzleien, die auf Vertrauensarbeitszeit setzen, ist das eine organisatorische Herausforderung. Experten warnen: Ohne verlässliches System haben Arbeitgeber vor Gericht kaum eine Chance. Digitale Zeiterfassung wird so vom Abrechnungstool zum essenziellen Compliance-Instrument.
Angesichts der verschärften Rechtsprechung zur Arbeitszeitdokumentation müssen Betriebe jetzt handeln, um teure Bußgelder zu vermeiden. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, welche überraschenden Fakten zu Pausen und Ruhezeiten Sie für eine gesetzeskonforme Umsetzung kennen sollten. 4 überraschende Fakten zur Arbeitszeiterfassung entdecken
Fachkräftemangel zwingt zum Umdenken
Die Diskussion findet vor einem massiven Fachkräftemangel statt. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 73 Prozent der angehenden Juristen legen großen Wert auf Work-Life-Balance. Für die „NextGen-Associates“ sind Flexibilität und Homeoffice oft wichtiger als Spitzengehälter.
Gleichzeitig belegen Studien: Etwa die Hälfte aller Rechtsanwälte arbeitet regelmäßig mehr als 48 Stunden pro Woche. Die Branche steht vor der Aufgabe, traditionelle Mandatsorientierung mit modernem Arbeitsschutz in Einklang zu bringen.
Die finale parlamentarische Verabschiedung der Reform steht noch aus. Kanzleien müssen sich auf eine phase der Umstellung einstellen – mit neuen Verträgen, Systemen und einer möglicherweise neuen Berufskultur.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

