ASML: MATCH Act droht 20-Prozent-China-GeschÀft
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 18:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ASML steigt am Montag um 2,09 Prozent auf 1.560 Euro. Die Aktie erholt sich damit weiter von der jĂŒngsten VolatilitĂ€t. Der Grund liegt in einer Kombination, die selten vorkommt: auĂergewöhnlich starke GeschĂ€ftszahlen und gleichzeitig diplomatischer Streit ĂŒber die Zukunft des China-GeschĂ€fts.
Starkes zweites Quartal treibt die Prognose
Am 15. Juli hatte ASML seinen Quartalsbericht vorgelegt â und die eigenen Erwartungen klar ĂŒbertroffen. Der Umsatz erreichte 9,3 Milliarden Euro. Die vorherige Prognose hatte eine Spanne von 8,4 bis 9,0 Milliarden Euro vorgesehen.
Der Nettogewinn lag bei 2,9 Milliarden Euro, die Bruttomarge bei 54,0 Prozent. Auf Basis dieser Zahlen hat das Management die Jahresprognose fĂŒr 2026 krĂ€ftig angehoben. Statt der bisherigen 36 bis 40 Milliarden Euro erwartet ASML nun einen Umsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro. Die Bruttomarge soll im Gesamtjahr zwischen 54 und 56 Prozent liegen.
Diese Anhebung ist der eigentliche Kurstreiber der vergangenen Tage. Sie zeigt: Die Nachfrage nach Lithografie-Systemen bleibt trotz aller politischen Unsicherheit ungebrochen hoch.
Streit um den "MATCH Act"
Parallel zu den guten Zahlen wĂ€chst der politische Druck aus den USA. Im Zentrum steht der sogenannte "MATCH Act" â ein Gesetzesvorhaben, das die Exportkontrollen fĂŒr Chip-Fertigungsanlagen deutlich verschĂ€rfen wĂŒrde. Die niederlĂ€ndische Regierung hat in den vergangenen Tagen offiziell Einspruch erhoben.
Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma bevorzugt eine EinzelfallprĂŒfung von Lizenzen. Er warnt vor MaĂnahmen mit extraterritorialer Wirkung, die ASML den Service fĂŒr bereits installierte Maschinen in China erschweren könnten. Genau dieser Servicebereich ist fĂŒr den Konzern wirtschaftlich relevant.
ASML-Finanzchef Roger Dassen bezifferte den China-Anteil am Gesamtumsatz fĂŒr 2026 auf rund 20 Prozent. Im ersten Halbjahr erzielte der Konzern dort 2,9 Milliarden Euro â vor allem durch DUV-Systeme fĂŒr die klassische Lithografie. Ein Wegfall dieses GeschĂ€fts wĂ€re spĂŒrbar, aber angesichts der neuen Gesamtprognose kein Einbruch.
KapazitÀtsausbau bei EUV-Systemen
Der Boom bei KI-Infrastruktur treibt die Nachfrage nach Hochleistungs-Chips â und damit nach ASMLs Spitzentechnologie. Der Konzern will seine FertigungskapazitĂ€t fĂŒr Low-NA-EUV-Systeme bis 2027 um 30 Prozent erhöhen.
Im vergangenen Quartal setzte ASML allein mit EUV-Systemen 3,8 Milliarden Euro um. Dazu gehörte auch die Lieferung eines High-NA-EUV-Systems, das in Zusammenarbeit mit Intel einen neuen Entwicklungsmeilenstein erreicht hat.
Beim Kapital zeigt sich der Konzern ebenfalls groĂzĂŒgig. FĂŒr 2026 ist eine Zwischendividende von 1,88 Euro pro Aktie vorgesehen, auszahlbar am 5. August 2026. Im ersten Quartal kaufte ASML zudem eigene Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro zurĂŒck.
Charttechnisch neutral, fundamental gestÀrkt
Trotz des jĂŒngsten Anstiegs bleibt die Aktie rund 10,8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro, erreicht am 30. Juni. Der 14-Tage-RSI liegt bei 50,2 â ein neutraler Wert nach den starken Schwankungen der vergangenen Wochen.
Die Kombination aus angehobener Prognose und ungeklĂ€rter Exportpolitik dĂŒrfte die Aktie vorerst volatil halten. Ein Beschluss zum "MATCH Act" steht noch aus, ebenso eine offizielle Reaktion aus Peking auf mögliche neue BeschrĂ€nkungen.
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