ROUNDUP, Camping

Camping bleibt auch nach Corona-Sonderkonjunktur angesagt

06.05.2024 - 14:17:58 | dpa.de

Auch nach dem Ende der Corona-Krise wÀchst der Camping-Tourismus in Deutschland.

Allein die CampingplĂ€tze zĂ€hlten im vergangenen Jahr 42,3 Millionen touristische Übernachtungen - 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr und ein erneuter Rekord, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. Nicht enthalten sind hier Dauercamper und Übernachtungen auf den rund 5300 Wohnmobil-StellplĂ€tzen in nahezu allen Ecken der Republik, fĂŒr die nur ungenaue SchĂ€tzungen vorliegen.

Wie keine andere Übernachtungsart hatte Camping von den Corona-Schutzauflagen profitiert, da vielen Menschen der Urlaub an der frischen Luft noch am sichersten erschien. Im ersten Corona-Jahr 2020 stieg der Anteil des Campings von 7,2 Prozent auf 11,2 Prozent aller touristischen Übernachtungen. Im vergangenen Jahr ging der Anteil dann zwar wieder zurĂŒck auf 8,7 Prozent. Dennoch ist Camping seit 2019 um 18,2 Prozent gewachsen, wĂ€hrend das gesamte Beherbergungsgewerbe in der Spanne 1,7 Prozent weniger Übernachtungen verkraften musste.

"Generell erlebt Campingtourismus seit rund 15 Jahren einen Aufschwung, das ist nicht nur ein Corona-Thema", sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes der Campingwirtschaft (BVCD), Frank Schaal. Campen gehöre zu einem naturnahen Lifestyle jĂŒngerer Leute ebenso dazu wie fĂŒr viele Menschen, die autonom mit dem Wohnmobil unterwegs sein wollen.

Wettbewerb um StellplÀtze wird rauer

"Seit 2017 hat sich der Bestand an Wohnmobilen nahezu verdoppelt", sagt Schaal, der die CampingplĂ€tze beim Komfort gegenĂŒber den StellplĂ€tzen im Vorteil sieht. An besonders attraktiven Zielen wird daher der Wettbewerb um die vorhandenen StellplĂ€tze rauer. Neuharlingersiel in Ostfriesland, Westerland auf Sylt oder Steinach im badischen Kinzigtal: An vielen Orten wurde Dauercampern gekĂŒndigt, um mehr Platz fĂŒr zahlungskrĂ€ftigere Touristen zu gewinnen. "CampingplĂ€tze werden als Wirtschaftsunternehmen betrieben, die natĂŒrlich auch das Recht haben, ihre ErtrĂ€ge zu steigern", sagt Verbandschef Schaal.

Die Urlauber mĂŒssen mit weiter steigenden Preisen rechnen. Im vergangenen Jahr haben sich laut der Bundesstatistik Übernachtungen mit Wohnmobilen um 9,0 Prozent verteuert. Die normale CampingplatzgebĂŒhr stieg um 6,6 Prozent. Nach einer Auswertung der Internetplattform "camping.info" kostet ein Stellplatz fĂŒr zwei Personen, Caravan, Strom und Ortstaxe in der Hauptsaison im Schnitt 27,52 Euro. Deutschland ist damit weit gĂŒnstiger als klassische CampinglĂ€nder am Mittelmeer wie Italien (39,24 Euro) oder Kroatien (38,77 Euro). Preiswerter geht es nur abseits der Tourismus-Hochburgen zu.

Inzwischen haben aber auch Landwirte und Winzer die zahlungskrĂ€ftigen Wohnmobilisten als Zielgruppe erkannt und bieten zunehmend StellplĂ€tze auf ihren GrundstĂŒcken an. Kosten zwischen 500 und 5000 Euro pro Platz hat die Wein-Hochschule Geisenheim in einer Studie ermittelt, fĂŒr die 600 WeingĂŒter befragt wurden. Nahezu die HĂ€lfte der teilnehmenden Betriebe bietet bereits Wohnmobil-PlĂ€tze an und weitere rund 20 Prozent planen es. Als Vorteile nannten die Winzer gestiegene UmsĂ€tze, neue Kunden und höhere Bekanntheitsgrade. "Die Integration von WohnmobilstellplĂ€tzen auf WeingĂŒtern eröffnet neue Perspektiven fĂŒr den Weintourismus und stellt eine Win-Win-Situation fĂŒr alle Beteiligten dar", sagte der VizeprĂ€sident des Caravaning Industrie Verbands (CIVD), Holger Siebert, gerade auf einer Fachtagung im Rheingau.

Rekord bei Wohnmobil-Zulassungen

Campingverband wie auch die Hersteller von Campingfahrzeugen gehen von weiterem Wachstum in diesem Jahr aus, zumal die geburtenstarken Boomer-JahrgĂ€nge kurz vor dem Ruhestand stehen. Noch nie wurden in einem ersten Quartal so viele Wohnmobile zugelassen wie von Januar bis MĂ€rz 2024 mit 19 805 Einheiten, berichtet der CIVD in Frankfurt. Nach erheblichen ProduktionsengpĂ€ssen in der Corona-Zeit gebe es nun wieder eine grĂ¶ĂŸere Auswahl an Modellen und die Kunden könnten auf Aktionspreise setzen.

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