USA hoffen auf direkte GesprÀche zwischen Moskau und Kiew
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 05:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOffen ist auch, ob es zur Wiederaufnahme direkter Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter US-Vermittlung kommen wird. Die RĂŒckkehr zum trilateralen Format könnte Fortschritte bringen, sagte Kushner zum Abschluss des ersten Besuchs der US-Gesandten in der ukrainischen Hauptstadt.
Zuletzt hatten die USA im Februar bei direkten Unterredungen zwischen Russland und der Ukraine in der Schweiz als Vermittler am Tisch gesessen. In den vergangenen Monaten lagen die GesprĂ€che auf Eis - auch weil die USA durch den Iran-Krieg abgelenkt waren. Sowohl die ukrainische FĂŒhrung als auch ihre europĂ€ischen VerbĂŒndeten werfen der Regierung in Washington vor, nicht genĂŒgend Druck auf Russland auszuĂŒben.
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte vor der Reise seiner UnterhĂ€ndler gesagt, Witkoff und sein Schwiegersohn Kushner wĂŒrden einen neuen Vorschlag mitbringen, um den Krieg zu beenden. Zwar traten Selenskyj und die beiden US-Gesandten in Kiew vor die Presse, doch konkrete Details aus ihren GesprĂ€chen wurden nicht bekannt. Kushner gab zu: "Es ist wirklich ein schwieriges Problem." Er betonte aber immer wieder, wie viel Trump - der sich einst damit gebrĂŒstet hatte, den Krieg binnen 24 Stunden beenden zu können - daran liege, eine Lösung zu finden.
Treffen mit EuropĂ€ern "in KĂŒrze"?
An den Verhandlungen in Kiew hatten zeitweise auch die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien teilgenommen. "Wir haben vereinbart, dass sich die Ukraine, Europa und Amerika in KĂŒrze treffen werden", sagte Selenskyj im Anschluss. Einen konkreten Termin nannte er nicht.
Selenskyj bekrÀftigte die Ansicht, dass zur Lösung der wichtigsten Fragen im Ukraine-Konflikt, wie etwa der Aufteilung umkÀmpfter Gebiete, ein Treffen auf höchster Ebene nötig sei.
Selenskyj sieht wenig ZĂ€hlbares
Beim Empfang Kushners und Witkoffs in Moskau hatte PrĂ€sident Wladimir Putin erklĂ€rt, Trumps UnterhĂ€ndler hĂ€tten inzwischen das Vertrauen der russischen Seite. "FĂŒr uns ist die Zusammenarbeit mit ihnen komfortabel", sagte er.
Selenskyj bezeichnete die GesprĂ€che mit Witkoff und Kushner als "Ă€uĂerst inhaltsvoll". Allerdings machte er deutlich, dass unter dem Strich wenig ZĂ€hlbares herausgekommen sei. "Sollte sich der Krieg bis zum Winter ziehen, und danach sieht es aktuell aus, brauchen wir ein "Winterpaket"", wurde er von den ukrainischen Medien zitiert.
In Kiew wird angesichts fehlender Munition fĂŒr die eigenen Flugabwehrsysteme befĂŒrchtet, dass ungehinderte ballistische Raketenangriffe der Russen die kritische Infrastruktur des Landes schwer schĂ€digen könnten. Moskau zielt immer wieder auf die Energieversorgung der Ukraine. Damit könnte die kalte Jahreszeit - mit drohenden Strom - und HeizungsausfĂ€llen - fĂŒr die nach gut viereinhalb Jahren Krieg ohnehin zermĂŒrbte Zivilbevölkerung noch hĂ€rter werden.
Die Ukraine brauche fĂŒr die nĂ€chsten Monate einen "Plan A" und einen "Plan B", erklĂ€rte Selenskyj. Sollten verstĂ€rkte diplomatische BemĂŒhungen und nichtmilitĂ€rische Druckmittel gegen Russland keinen Erfolg bringen, brauche es möglichst schnell eigene Schutzvorkehrungen gegen Raketen- und Drohnenangriffe. Ăber seine GĂ€ste aus Washington hatte Selenskyj zuvor im Scherz gesagt, die Anwesenheit Witkoffs und Kushners habe "besser funktioniert als die Patriot-Flugabwehrsysteme" aus amerikanischer Produktion. Die beiden sollten öfter nach Kiew kommen, damit die Bewohner der Stadt ohne die stĂ€ndigen russischen Angriffe ein wenig Luft holen könnten.
Ruhe in Moskau und Kiew, KĂ€mpfe an der Front
Kremlchef Putin hatte fĂŒr die Dauer des Besuchs der US-UnterhĂ€ndler eine dreitĂ€gige Pause bei den Angriffen auf Kiew verkĂŒndet. Die Ukraine verzichtete dafĂŒr darauf, die russische Hauptstadt Moskau zu attackieren. Abseits der beiden Millionenmetropolen dauerte das Kampfgeschehen an der Front an. Der Generalstab in Kiew berichtete am Abend von ĂŒber 200 russischen Angriffen entlang diverser Frontabschnitte, die abgewehrt worden seien.
In Dnipro kam bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Logistikzentrum ein Arbeiter ums Leben, drei weitere Personen wurden verletzt, wie der regionale MilitĂ€rverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mitteilte. Von der russisch besetzten Halbinsel Krim wurden mehrere ukrainische Drohnenangriffe gemeldet. Dabei wurden nach Angaben der Behörden drei Menschen verletzt. In der grenznahen russischen Stadt Belgorod wurden nach russischen Angaben zwei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.
