ROUNDUP, Kleinkrieg

'Kleinkrieg' um Lkw-PlĂ€tze? Autoclub kritisiert ÜberfĂŒllung

10.06.2025 - 06:00:04

Auf und an Autobahnen in Deutschland fehlen viele tausend Lkw-StellplĂ€tze - nach einer Kontrolle an Rastanlagen beklagt der Auto Club Europa (ACE) eine erhebliche GefĂ€hrdung fĂŒr den Verkehr.

Vom 15. April bis zum 3. Juni ließ der Verkehrsclub zĂ€hlen, wie viele Lastwagen an Autobahnen jeweils ab 20.30 Uhr abgestellt wurden. Bei Kontrollen in Ostdeutschland soll die Situation auf dem sĂŒdlichen Berliner Ring (A10) und der A24 in Mecklenburg-Vorpommern etwa wegen falsch geparkter Lkw besonders risikoreich gewesen sein.

"Ab 16, 17 Uhr fĂ€ngt der Kleinkrieg um die ParkplĂ€tze an", beschreibt der Vorstandssprecher beim Bundesverband GĂŒterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, die Situation. Der Bund will die EngpĂ€sse eindĂ€mmen und verweist unter anderem darauf, dass die Zahl der StellplĂ€tze seit 2018 stetig erhöht wurde.

ACE: Große Überbelegung an Rastanlagen in Ostdeutschland

Auch wenn die Lkw-ZĂ€hlung des ACE eine Momentaufnahme darstellt, ergab sie laut Verkehrsclub an 31 ĂŒberprĂŒften Rastanlagen in den ostdeutschen LĂ€ndern eine massive Überbelegung. Es seien dort insgesamt 2.168 abgestellte Lkw gezĂ€hlt worden, teilte der Club mit. Zur VerfĂŒgung stehen laut Autobahngesellschaft des Bundes an diesen Rastanlagen 1.412 PlĂ€tze, so dass sich eine Überlegung von um die 50 Prozent ergibt.

Auf 21 der 31 ĂŒberprĂŒften Rastanlagen seien konkrete VerkehrsgefĂ€hrdungen vor allem in den Nachtstunden mit beschrĂ€nkter Sicht festgestellt worden, beklagte der ACE. Besonders hĂ€ufig parkten Lkw in den Ein- und Ausfahrten. Zudem standen Lkw teils auf StellflĂ€chen, die fĂŒr Pkw vorgesehen waren. "Positiv hervorzuheben ist, dass auf keinem Rastplatz Lkw auf dem Seitenstreifen der Autobahn abgestellt waren", hieß es.

Rastanlagen auf A10 und A24 fielen besonders auf

Die Rastanlagen Fichtenplan SĂŒd an der A10 - im Landkreis Dahme-Spreewald am sĂŒdlichen Berliner Ring - sowie Stolpe Nord an der A24 (Mecklenburg-Vorpommern) sind laut Kontrolle wegen etlicher VerkehrsgefĂ€hrdungen besonders negativ aufgefallen. Der ACE initiierte die Stichprobe bei abgestellten Lastwagen an Rastanlagen angesichts des "Tags der Verkehrssicherheit" am 21. Juni. GezĂ€hlt wurde an den Tagen Montag bis Freitag - also ohne Wochenend-Standzeiten der Lkw. Die bundesweiten Ergebnisse sollen am 18. Juni vorgestellt werden.

Der Bundesverband GĂŒterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung beklagt, angesichts fehlender Lkw-StellplĂ€tze fehle den Fahrern auch oft der Zugang zu sanitĂ€ren Anlagen. Fahrzeuge, die an Auf- und Abfahrten von Rastanlagen stehen, gefĂ€hrdeten zudem sich und andere Verkehrsteilnehmer.

Der Verband schlĂ€gt unter anderem vor, mehr PlĂ€tze auch abseits der Autobahnen zu schaffen und fordert eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren. Bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete mĂŒssten Lkw-StellplĂ€tze Pflicht sein, so Engelhardt.

Kann sich Lage durch mehr E-LadesÀulen verschÀrfen?

Der Verband befĂŒrchtet zudem, dass sich die Situation durch den nötigen Ausbau der Ladeinfrastruktur fĂŒr Elektro-Lkw in den kommenden noch verschĂ€rft. "Denn dann werden aus jeweils drei Lkw-StellplĂ€tzen ohne LadesĂ€ule zwei Lkw-StellplĂ€tze mit LadesĂ€ule."

Laut einer Erhebung der Bundesanstalt fĂŒr Straßenwesen von 2023 fehlen bundesweit mehr als 19.500 regulĂ€re Lkw-Parkmöglichkeiten auf und an den Autobahnen. Die Zahl der nachts abgestellten Lastwagen liegt demnach bei mehr als 102.000. Parkmöglichkeiten gab die Bundesanstalt mit 82.490 an.

Verband: Parkplatznot soll Chefsache im Ministerium werden

Der Bundesverband GĂŒterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung hĂ€lt die Platznot fĂŒr grĂ¶ĂŸer und nennt um die 40.000 fehlende StellplĂ€tze. Er forderte auch: "Es ist wichtig, dass man das im Verkehrsministerium zu Chefsache macht."

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums kamen von 2018 bis 2023 rund 3000 StellplĂ€tze hinzu. Zudem sollen etwa telematische Parkverfahren fĂŒr eine effektivere Nutzung der ParkflĂ€chen sorgen.

@ dpa.de