ROUNDUP, Auftakt

Auftakt fĂŒr die Zuerst-zum-Hausarzt-Reform

Veröffentlicht am: 27.01.2026 um 06:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wie schnell kann man zur OrthopĂ€din oder zum Hautarzt gehen? HĂ€ufig mĂŒssen Kassenpatienten darauf wochenlang warten.

FĂŒr verlĂ€sslichere Termine bei FachĂ€rztinnen und FachĂ€rzten soll nach PlĂ€nen der schwarz-roten Koalition kĂŒnftig eine gezieltere Patientensteuerung sorgen. Und zwar nach der Maxime: in der Regel erst einmal in die Hausarztpraxis. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) lĂ€dt am Dienstag zum Auftakt fĂŒr einen Dialog mit den Akteuren von Ärztevertretern bis zu den Krankenkassen. Die oppositionellen GrĂŒnen sehen ein großes Potenzial, warnen aber vor neuen Überlastungen.

Das Modell

Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag ein verbindliches PrimĂ€rarztsystem einfĂŒhren, bei dem man primĂ€r - also zuerst - in eine Hausarztpraxis geht. Diese ĂŒberweist dann bei Bedarf und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum an FachĂ€rztinnen und FachĂ€rzte. Klappt das nicht in einer Praxis, soll man auch zu FachĂ€rzten in eine Klinik gehen können. Das soll eine "Termingarantie" darstellen. Bei Kindern sollen KinderĂ€rzte die erste Anlaufstelle sein. Ziel ist eine effizientere Versorgung auch mit weniger unnötigen Mehrfachuntersuchungen.

Die Details

Wie genau das System ausgestaltet wird, ist noch offen. Warken will dazu jetzt zunĂ€chst einen Fachdialog starten. Laut Koalitionsvertrag sollen Termine bei Frauen- und AugenĂ€rzten vom Erst-zum-Hausarzt-Prinzip ausgenommen sein. FĂŒr Patienten mit bestimmten schweren chronischen Erkrankungen sollen "geeignete Lösungen" kommen - zum Beispiel JahresĂŒberweisungen oder dass ein Fachinternist die Rolle als steuernder PrimĂ€rarzt ĂŒbernehmen kann.

Die Großoperation

Der geplante Umbau gehört zu den Großprojekten dieser Wahlperiode, und es ist ein Eingriff in ein komplexes System: 578 Millionen BehandlungsfĂ€lle und eine Milliarde Kontakte von Patienten zu Fach- und HausĂ€rzten gibt es nach Daten der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung pro Jahr in den bundesweit 98.500 Praxen. Warken peilt im Sommer einen ersten Referentenentwurf fĂŒr ein Gesetz an. "Greifen wird die PrimĂ€rversorgung aber erst im Laufe des Jahres 2028", erlĂ€uterte sie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Steuerungsinstrumente

GrundsĂ€tzlich gilt in Deutschland freie Arztwahl, und die soll nicht abgeschafft werden. Viele gehen auch schon jetzt zuerst zum Hausarzt und dann mit einer Überweisung weiter zur Folgebehandlung oder tiefergehenden Untersuchung bei Spezialisten. Generell verpflichtend sind Überweisungen aber nicht, sondern nur fĂŒr bestimmte FachĂ€rzte wie Radiologen. Damit ein neues System Anklang findet, sind auch schon Instrumente im GesprĂ€ch: etwa ein Bonus, wenn man sich daran hĂ€lt oder eine GebĂŒhr, wenn man doch direkt zum Facharzt geht.

Die digitale VoreinschÀtzung

Kommen soll auch eine Art Lotsen-Stelle, bevor Patienten sich ĂŒberhaupt auf den Weg zur Praxis machen. Laut Koalitionsvertrag soll "die flĂ€chendeckende Möglichkeit einer strukturierten ErsteinschĂ€tzung ĂŒber digitale Wege in Verbindung mit Telemedizin" geschaffen werden. Ideen gibt es bereits. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) schlug vor, dass man etwa bei einer Kassen-App seine Beschwerden eingibt und erfĂ€hrt, ob ein Arztbesuch nötig ist oder eine Apotheke helfen könnte. Dazu gehören sollte demnach auch eine neutrale Plattform mit verfĂŒgbaren Praxisterminen.

Die Anforderungen

Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte, ein gut gemachtes PrimĂ€rsystem sei ĂŒberfĂ€llig, denn es könne die Versorgung spĂŒrbar verbessern. Es brauche aber ein System, das Haus- und Kinderarztpraxen nachhaltig stĂ€rke, statt sie zu ĂŒberlasten. "Weder eine Termin-App allein noch eine bloße Pflicht ohne Entlastung bringt bessere Versorgung." Sonst wĂŒrden HausĂ€rzte zu "TĂŒrstehern und bĂŒrokratischen Überweisungsstellen". Warteschlangen und Frust wĂ€ren die Folge. Nötig seien aber mehr Zeit und mehr Teamversorgung.

Disclaimer...

de | boerse | 68523483 |